Die Brückenstadt Toboner

Toboner, das kleine Städtchen über den Fostilfällen, weiß eine interessante Geschichte zu erzählen. Gelegen nordwestlich von Zardarrin und nördlich von Akalt, existiert die Stadt bereits seit 699vdF. Was hat die Brückenstadt, wie Toboner auch genannt wird, solange ausharren lassen?
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Vergangenheit, lange bevor es die Stadt gab. Damals herrschte noch Pakama über die heutige Hochebene von Fostil und seine westlichste Grenzstadt hieß Shunyaka. Die Wege von Shunyaka bis zur nächsten Stadt, Kasabi am Sosta, waren weit und beschwerlich und so entstanden an ihnen kleinere Siedlungen, sämtlich am Laufe des Sosta. Eine davon trug bereits den Namen Tôbona.
Die Pakami galten als Meister der Architektur und ihr wohl eindrucksvollstes Werk prägte die gesamte Hochebene. Es musste Jahrhunderte gedauert haben, die man brauchte um dem Sosta einen neuen Weg aufzuzwingen. Den See bei Tôbona leerte man oder fand einen anderen Weg, daran zu arbeiten, doch wahrscheinlicher ist die erste Variante. Demnach wurde der See so weit ausgehoben, bis eine große Schlucht entstand. Am Ostende dagegen stand das eigentliche architektonische Meisterwerk, welches aber erst später seiner Verwendung zugeführt wurde, als man den Bächen und Flüssen aus Grau- und Grünspitzen wieder ihren normalen Lauf ließ oder sie umleitete zur Mitte der Hochebene, zu Schlucht hin. Dort endeten sie in einer gewaltigen Reihe von Wasserfällen, die berühmten Fostilfälle. Der sich auf dem Boden der Schlucht neu bildende See wurde abgeleitet durch ein kompliziertes System von Röhren und anderem, welches heute wohl kaum mehr jemand nachzuvollziehen vermag, selbst die Nachfahren der alten Pakami nicht. Am Ende der Tunnel war der besagte sichtbare Teil des Kunstwerkes, heute bekannt als die Springquelle, denn es katapultierte die Wassermengen hoch in die Luft und fast einen Flug weit, bevor sie wieder niederstürzen und einen kleinen See bilden. Dieser wiederum speiste dort den alten Lauf des Sosta, heut Isten genannt. Erst weit östlich befindet sich das letzte Teil des pakamischen Nachlasses, die Istenfälle, wo heute Mashabi (auch genannt Mibrad) liegt. Dort kann man noch heute beobachten, wie der Fluss fast 600 Füße tief ins Meer stürzt, die gewaltigen Klippen hinab in die Pakbucht.
Später erst, fast gegen Ende der pakamischen Herrschaft, ließ sich die teils verwöhnte Oberschicht Pakamas eine Brücke bauen über die wunderschönen Fälle von Fostil um diese besser besichtigen zu können. Die Brücke, ein Bauwerk gewaltigen Ausmaßes, grazil und schön und doch sicher genug selbst dem schlimmsten Sturme zu trotzen –  auch wenn sie keinerlei Pfeiler besaß und lediglich an den Ost- und Westenden der Schlucht befestigt war – ist mehrere hundert Füße breit und überspannt die gesamte Längsseite der Fälle, von der Springquelle bis zum Fost, mehrere Flüge im Ausmaß. Von der Brücke hinunter in die Schlucht schließlich sind es auch mehrere hundert Füße, man sollte also einen Sturz lieber tunlichst vermeiden.
Die Besucher der Brücke damals, hauptsächlich Adlige Pakamas und später Händler, welche Fostil durchquerten auf dem Weg von Schaka (Shunyaka) nach Kasb (Kasabi), hinterließen nach und nach ihre Spuren auf der Brücke, um dort lagern zu können. Zuerst Zelte, später ganze Häuser. Man gab der Siedlung in der Brückenmitte einen Namen, und er ward Toboner, denn man wollte an das einstige Dorf am See erinnern, welches nun nicht mehr existierte, doch mit Gründung der zukünftigen Stadt wieder Bauern Zuflucht bot.
Und so lebte das kleine Dörfchen vor sich hin, geschützt auf seiner einsamen Hochebene zwischen Grau- und Grünspitzen und sah nur selten Krieg oder Kämpfe. 802 jedoch, als Tulann Orann bereits seit vier Jahren in Fostils südlichem Nachbarn Zardarrin herrschte, machte sich dieses auf, seine Gebiete zu vermehren. Auch Fostil fiel unter zardische Herrschaft und mit ihm Toboner. Zum ersten mal ertönte das Klirren von Waffen im Krieg in der kleinen, meist ruhigen Stadt. Es wurde geraubt und geplündert, Toboner fast dem Brückenboden gleich gemacht. Doch ab 1075 überschritt Zardarrin den Zenith seiner Macht: als erstes mussten die Nordgebiete aufgegeben werden, denn sie konnten nicht mehr kontrolliert werden. Fostil war gegangen, für immer, kein Land herrschte mehr über die Hochebene für tausend Jahre, zumindest nie sehr lang. Toboner konnte sich erholen, die einstige Schönheit versuchte zurückzukehren, doch gelang dies nie ganz.
1983 war es, als Zardarrin erneut sein Glück im Norden suchte. Doch das Jahr 2000 verschluckte weite Teile des Landes und beutelte auch alle anderen Küstennationen. Zardarrin zerfiel, Toboner jedoch lebte weiter. Seitdem gab es nur noch zweimal längeren Krieg an den Fällen, beide Male war es der Teûnbund, welcher Toboner gewaltsam in seine Arme treiben wollte, beide Male erfolglos und schließlich unterbunden von Dilouna.
In den letzten tausend Jahren, seit den letzten Streitigkeiten, lebte Toboner wieder fast friedlich vor sich hin (von gewissen Überfällen durch Räuber und den Nachbarstädten mal abgesehen), isoliert und nur selten besucht von Handelskarawanen oder Wanderern, welche den gefährlicheren Weg von Zardarrin nach Aleca nur ungern wählen. Viel passiert ist in Toboner seither nicht…
Offizielle Sprache der Stadt ist bereits seit den Zeiten Fostils das aus dem Süden kommende Kalt und ist es bis heute, wenn man auch mit Lecisch sich problemlos durchschlagen kann. Die Namensgebung ist ebenfalls ähnlich wie in Akalt, derzeitiges Oberhaupt ist bereits seit gut 40 Jahren Gilea Lüfteweit.

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