Hobbes' Leviathan in Kurzform

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Inhaltsverzeichnis

– Einleitung in die Arbeit.

– Einleitung zum Werk.

– Sinne, Vorstellungskraft, Gedanken, Rede, Vernunft, Leidenschaft, Verstand, Wissenschaft (K1-K9)

– Macht, Würde, Sitten, Religion (K10-12)

– Naturzustand, Naturrecht, Naturgesetze und Personen (K13 – K17)

– Staat, Staatengründung, Institutionelle Staaten, Bürgerpflichten, Staatsarten, Herrschaftsarten (K17-K20)

– Das Volk: Bürgerliche Freiheit, Vereinigungen, öffentliche Diener, Fruchtbarkeit, Ratgeber (K21-K25)

– Das Gesetz: Bürgerliche Gesetze, Verbrechen, Strafen (K26-K28)

– Das Ende des Staates, Aufgaben des Souveräns und Gott (K29-K31)

Einleitung in die Arbeit.

Diese Arbeit soll den Leviathan von Thomas Hobbes aus dem Jahre 1651 in möglichst kurzer und doch präziser und umfassender Form wiedergeben. Deshalb verzichte ich hier auf weiter großartige Worte und fange gleich an. Ich werde das Buch nach Inhalt und Kapiteln strukturieren, Kritik wird während des Textes als Fußnote angegeben. Es ist nicht Ziel, hier eine umfassende Kritik aufzustellen, lediglich der Inhalt soll leichter verständlich und vor allem viel kürzer und frei von Geschwafel wiedergegeben werden. Die Seitenangaben beziehen sich auf die Reclamausgabe von 1978. Statt vom Oberherrn spreche ich hier vom Souverän und Souveränität. Außerdem wurden der Einfachheit einige der häufigeren Begriffe akronymisiert.

Einleitung zum Werk.1

In seiner Einleitung spricht Hobbes davon, dass der Leviathan, der Staat, ein künstlicher Mensch ist. Er vergleicht den Staat mit einem Menschen und eine seine Einzelteile mit den Gliedern eines Menschen und sagt, dass er, um dieses Kunstwerk zu erfassen, zunächst den natürlichen Menschen betrachten will. Denn zuerst muss man sich selbst kennen lernen, um dann andere begreifen zu können.

Das Werk besteht aus 4 Büchern, von denen heutzutage nur die ersten beiden umfassender bekannt und für uns hier wichtig sind; nämlich die zum Menschen und zum Staat. Das dritte über Religion und das vierte über das „Reich der Finsternis“ habe ich weggelassen, da sie größtenteils auch nur aktuelle Bezüge hatten.

Sinne, Vorstellungskraft, Gedanken, Rede, Vernunft, Leidenschaft, Verstand, Wissenschaft (K1-K9)2

Hobbes geht tatsächlich Schritt für Schritt vor. Mit der Physik beginnend kommt er zur Erkenntnislehre und Anthropologie.

Für Hobbes ist nichts denkbar, was nicht bereits im Sinn existiert. Seine Weltsicht ist streng materialistisch. So beschreibt er denn auch tatsächlich, wie ein Ikon Druck auf den Sinnen ausübt, diese die Nerven reizen und so weiter. Hierdurch entsteht letztlich eine Empfindung. Und alles in der Welt beruht auf Bewegung.3

Sobald ein Körper einmal in Bewegung gebracht wurde, bleibt er auch in Bewegung, so Hobbes. Er hinterlässt ein Abbild in der Seele, welche die Vorstellungskraft später wieder hervor holen kann. Dies nennt man Gedächtnis und Erfahrung. Der Eindruck bleibt für immer bestehen und verschwindet nicht, sondern andere, neue Eindrücke, überlagern den alten bloß. Bei Schlafenden rufen die alten Eindrücke Träume hervor, im Wachen dagegen Gedanken. Hobbes spricht hier übrigens Mensch und Tier Verstand zu, lediglich unterschiedlich entwickelt. Außerdem ruft er hier vehement zur Bestrafung von Zauberern auf, die Hirngespinste in wahre Begebenheiten zu verwandeln vorgeben.

Ein Gedanke ruft einen anderen auf den Plan und von dieser Gedankenfolge kennt Hobbes zwei Arten: a) die ungebundenen, die freien, ohne Zweck, das „Gedanken schweifen lassen“ sowie b) die regelmäßigen, aktiven, das Nachdenken.

Eine Rede ruft Gedanken aus dem Gedächtnis zurück und die Sprache überträgt Gedanken. Er unterscheidet zwischen Buchstaben in der Schrift und Wörtern in der Rede. Bei Namen beschreibt er die zwei Arten: Abstrakta (die von Menschen erdachten, wie Staat und Recht) und Nominalia (die wirklich existierenden, die Namen für Individuen). Auch erkennt er bereits die Assoziation ähnlicher Objekte zu einem Wort. Um zu Wahrheit zu gelangen müsse man die Worte gut strukturieren und ordnen und in den Wissenschaften ständig auf ihre Wahrheit überprüfen. Hier vergleicht er den Verstand mit dem Rechnen, ratio.4

Die Vernunft ist also eine Art von Rechnen, die Gedanken ordnet. Hierbei bereits sollte man sich bei Konflikten (mit sich oder anderen) auf das Urteil eines Schiedsrichters verlassen, wenn man sich zu sehr verworren hat und die rechte Ordnung nicht findet. Gleichzeitig führt er nachdrücklich an, dass man stets selber nachdenken muss und sich nicht allein auf das Urteil anderer verlassen darf.5 Man kann sich Lehrsätze bilden, die aber eventuell trotzdem Unsinn sind, wenn man z.B. Wahrheiten oder Wörter falsch verbindet. Die Wissenschaft nennt er also auch die Verbindung von Tatsachen. Letztlich bemerkt er noch nebenbei, dass viele Menschen zwar Vernunft haben, sie aber nicht anwenden.

Bei den Leidenschaften beschreibt er viele kurz und sieht als Grundleidenschaften Liebe und Hass an. Andere sind gut und böse, schön und hässlich, Geiz, Güte, Ehrgeiz, Tapferkeit, Neugier, Religion und Aberglaube, Bewunderung, Ehre, Eitelkeit, Scham und Schamlosigkeit, Mitleid und Grausamkeit, Neid und weitere. Weiterhin unterscheidet er die Ausdrücke nach Wort- und Morphologieklassen wie Subjekt, Imperfekt, Interrogationen etc.

Ist eine Gedankenfolge beendet, kommt man zu einer Meinung, einer Entscheidung, einem Zweifel oder einem Glauben.

Die Geschwindigkeit des Begreifens des Verstandes ist für Hobbes je nach Art der beteiligten Leidenschaften unterschiedlich. Nötig sind hierzu aber eine gute Vorstellungs- und Urteilskraft. Zu viel Vorstellung aber wirkt vernichtend, falsche Klugheit führt zu Verschlagenheit, Stolz zu Zorn, Niedergeschlagenheit zu Furcht.

In der Wissenschaft schließlich kennt er zwei Arten. Die ersten sind die, zu denen Zeugen nötig sind, wie die Geschichte von Natur oder Staat. Die zweite Art ist die Kenntnis der Folgen, die Philosophie.

Macht, Würde, Sitten, Religion (K10-12)6

Kommen wir nun zu den Punkten, welche für den Naturzustand des Menschen wichtig und damit zu dem Grundstein von dem, was am Leviathan überhaupt interessant ist: der Gesellschaftstheorie.

Macht beschreibt Hobbes als all die Mittel, die man sich zunutze machen kann, um an etwas anderes zu gelangen, sowie als Eigenschaft, die Furcht oder Liebe erzeugt oder der Schein einer solchen Eigenschaft, so zum Beispiel der Ruf der Klugheit. Als größtmögliche menschliche Macht sieht er die Verbindung vieler Menschen zu einer Person an.

Würde ist dagegen der Wert eines Menschen, wenn man ihre Machtanwendung schätzt, was vom Urteil eines anderen abhängt. Dieser Wert kann auch vom Staat beurteilt und durch Titel, Ämter, Besitztümer etc. honoriert werden.

Sitten erhalten Frieden und Wohl im Staate. Hier formuliert Hobbes auch eine seiner wichtigsten Annahmen über den Menschen: der Mensch will sich eine Macht nach der anderen verschaffen. Aber nicht, weil sie mehr haben wollen, sondern weil sie Angst haben, ihre bestehende Macht wieder zu verlieren. Der Wunsch nach Reichtum, Ehre, Herrschaft und Macht führt schließlich zum Krieg. Wer das Wort nicht versteht, verwechselt Handlungen des Volkes mit denen einer Masse von Menschen. Die Unkenntnis von Ursachen führt zu Gewohnheit und alten Beispielen. Die Unkenntnis von ferneren Ursachen führt dazu, dass man alles den unmittelbaren Ursachen zuschreibt. Z.B. Steuern den Steuereintreibern oder Staat und nicht, dass man sie braucht um damit Sozialhilfe zu bezahlen.

Die Ängstlichkeit schließlich, dass alles einen Grund haben muss, führt zu der Annahme, dass es eine unsichtbare und höhere Macht geben muss. Dies ist gut für alle, die Staaten gründen müssen, können sie sich so doch auf ein höheres Wesen berufen.

Naturzustand, Naturrecht, Naturgesetze und Personen (K13 – K17)7

Nun also zu der Annahme eines fiktiven und abstrakten Naturzustandes (NZ). Diesen Zustand konstruierten alle klassischen Staatstheoretiker, um damit ihre Auslegung von Staatenbildung zu rechtfertigen.

Für Hobbes waren alle Menschen im Naturzustand gleich stark und ausgestattet. Zur Not könne man sich immer noch zusammentun oder ein Talent nutzen, dass ein schwächeres ausgleicht. Damit wären also alle gleich. Wenn aber mehrere das selbe wollen, müsste einer den oder die anderen unterwerfen, bis keiner mehr Widerstand leistet. Ursachen hierfür wären Wettstreit und Verteidigung. Ohne eine Macht über sich, die eingreift und einschränkt, wäre der Naturzustand damit ein ständiger Krieg aller gegen alle (K.a.g.a.).

Hobbes sah diesen Naturzustand als nie wirklich existend an, doch Staaten würden untereinander in diesem Zustand leben. Auch würde er hervorbrechen und sich zeigen in Zeiten, wo die oberherrschaftliche Macht verschwunden sei.

Das Naturrecht (NR) sagt aus, dass man zu seinem natürlichen Zweck, nämlich der Selbsterhaltung, alle Mittel nutzen dürfe, an die man gelangen kann.

Freiheit beschrieb er als die Abwesenheit von Hindernissen. Recht ist die Freiheit etwas zu tun, ein Gesetz dagegen die Pflicht etwas zu tun.

Die natürlichen Gesetze (NGs) sind Regeln der Vernunft, die zwar auch im Naturzustand vorhanden sind, hier jedoch noch nicht greifen können. Später wird er noch bürgerliche Gesetze (BGs) anführen, welche diese natürlichen Gesetze in einem Staat zu verbindlichen Gesetzen machen können. Das oberste NG lautet noch: tue nichts selbst schädigendes.

Im Naturzustand nun hat jeder ein Recht auf alles und der K.a.g.a. herrscht. Um diesen zu überwinden formuliert Hobbes nun die obersten zwei NGs, welche jeder Mensch vernünftigerweise folgen muss und will: 1. Suche Frieden; kommt keiner, suche nach anderen Mitteln der Selbsterhaltung. 2. Jeder muss auf sein Recht auf alles verzichten, sofern es die anderen auch tun und so viele Freiheiten einräumen, wie sie selber haben wollen. Man wird diese abgeben wollen, weil man damit andere Vorteile erlangt. Z.B. eben den Frieden und damit sicheren Selbsterhalt. Auf einige Recht wie seine Selbstverteidigung kann man allerdings nie verzichten.

Ein Vertrag ist eine wechselseitige Rechtsübertragung. Er muss sofort in Erfüllung gehen, mit dem Recht wird auch das Nutzungsrecht übertragen (z.B. dass das Staatsoberhaupt zur Selbsterhaltung aller die Armee befehligen darf) und mit seiner Erfüllung geht er zu Ende. Ein erpresster Vertrag ist im NZ gültig, frühere Verträge heben spätere auf. Die Furcht vor etwas sichert einen Vertrag am besten, nötigenfalls mit Eid.

Neben den 2 grundsätzlichen NGs gibt es noch etliche weitere.

  1. Verträge müssen erfüllt werden. (Nichterfüllung wäre Ungerechtigkeit. Eigentum entsteht erst durch eine bürgerliche Gesellschaft.)

  2. Wer eine Wohltat bekommt, muss dieser gerecht werden.

  3. Jeder muss sich nützlich machen (strebt man nach etwas, das man nicht braucht, fördert man den K.a.g.a.).

  4. Bei Reue müssen Beleidigungen verzeiht werden (um des Friedens Willen).

  5. Bei Strafen muss zu bessern versuchen, alles andere wäre Grausamkeit.

  6. Niemand darf Hass oder Verachtung zeigen sondern die Gleichheit aller anerkennen.

  7. Alle Menschen sind von Natur aus gleich.

  8. Man darf kein Recht einfordern, dass man jemand anderem nicht zugestehen würde.

  9. Richter müssen unparteiisch sein.

  10. Unteilbares muss Gemeinschaftsgut sein.

  11. Der erste Besitz muss durch das Los bestimmt werden.

  12. Nicht teilbares und Nicht gemeinschaftliche Güter gehen durch Los an Erstgeburten bzw. erste Besitznehmer.

  13. Friedensmittler müssen sicher sein.

  14. Einem Richtspruch hat man zu gehorchen.

  15. Man darf sich nicht selbst richten.

  16. Richter dürfen nicht parteiisch oder bestechbar sein.8

  17. Streits sind durch Zeugenaussagen zu schlichten.

Die NGs wird jeder vernunftmäßig folgen wollen, um den Frieden zu sichern, nach dem Motto ‚Was ihr wollt, dass man euch tut, das tue auch den anderen‘. Und da alle Frieden und Sicherheit wollen, müssen die Mittel zur Freiheit auch gut sein. Die Kenntnis der natürlichen Gesetze nennt Hobbes nun die Sittenlehre. Sie heißen zwar Gesetze, sind aber mehr allgemeine Wahrheiten, die jeder anerkennen wird.

Personen schließlich unterscheidet er in natürliche Personen (Urheber) und stellvertretende Personen, die bei mehreren durch Abstimmung entscheiden.

Staat, Staatengründung, Institutionelle Staaten, Bürgerpflichten, Staatsarten, Herrschaftsarten (K17-K20)9

Nun sind wir im zweiten Buch angelangt: bei der Gründung des Staates, um eine höhere Macht zu haben, welche für Ruhe und Ordnung sorgt. Anlass zur Gründung eines Staates ist dementsprechend auch mal wieder die reine Selbsterhaltung. Denn der Staat wird Schutz bieten und man verlässt den NZ. Allerdings seien laut Hobbes die NGs den natürlichen Leidenschaften des Menschen zuwider und diese würden ihn immer wieder zurück in den NZ bringen. Ein Vertrag allein reicht hier nicht, da er zu leicht gebrochen wird. Es fehlt also die Furcht vor einer allgemeinen und übermächtigen Macht, die alle zusammenschweißt. Es fehlt der permanente Oberherr, der Souverän, um alle Menschen zusammen zu halten.

Hobbes geht auch auf Aristoteles Annahme ein, dass der Mensch ein zoon politicon, ein Gesellschaftstier sei. Nach Hobbes stimmt diese Annahme aber absolut nicht. Hierbei erwähnt er bloß das Beispiel von Aristoteles mit dem Bienenstaat. Für ihn gäbe es gewichtige Unterschiede zwischen Menschen und den Bienen. So würden die Menschen im steten Wettstreit liegen, haben Vernunft, das Problem des Eigentums, führen Intrigen, erliegen dem Neid und letztlich bräuchten die Tiere keinen Vertrag um zusammen zu halten.10

Die Gründung des Staates erfolgt durch den Gesellschaftsvertrag (GV), in dem jeder Mensch all seine Macht einem Menschen oder einer Vereinigung von Menschen, die als eine Person zählen, überträgt und so zum Stellvertreter macht. Der Mensch bleibt dabei aber Urheber der Taten, die durch den Stellvertreter ausgeführt werden und damit verantwortlich für das Ganze. In dem jeder seine Macht dem Souverän überträgt, gehen auch alle Volksangehörigen miteinander einen Vertrag ein. Dies führt zum Leviathan, dem sterblichen Gott, dem menschlichen Gott. Er schafft Frieden nach Innen und Außen.

Der Staat ist also eine Person, deren Handlungen ihre Mitglieder als die ihren ansehen und wo jeder einen Vertrag mit jedem hat, sich gemeinschaftlich zu verteidigen. Der Staatsstellvertreter, der Souverän, besitzt die höchste Macht im Staate und steht außerhalb von allem: über dem Volk, außerhalb des GV, weder im GV noch im NZ, denn er ist Produkt des GV. Das Volk nennt man im Einzelnen Untertanen und Bürger, wobei Hobbes hier nicht differenziert.

Letztlich unterscheidet Hobbes zwei Arten von Staaten: den Eroberungsstaat, der seine Feinde unterwirft, sowie den institutionellen und damit freiwilligen Staat. Auf zweiteren geht er auch sogleich näher ein. Aus Furcht voreinander kam man zusammen, um einen Staat zu gründen. Die Mehrheit entscheidet hier, denn Einstimmigkeit zu fordern ist zwecklos, da es zu viele Interessen gibt.11

Nun zählt Hobbes die Rechte des Souveräns auf, welches aber eigentlich fast nur Pflichten der Bürger sind:

  1. Wenn man schon zu einem Staat gehört, darf man keinen neuen GV eingehen.12

  2. Bei schlechter Verwaltung darf man den Souverän nicht absetzen, denn a) ist er der Staat und ohne ihn gäbe es keinen Staat, b) gehört er nicht zum GV selber und kann deshalb kein Unrecht verüben, denn Unrecht entsteht erst durch Vertragsverletzung.13

  3. Wenn die Mehrheit einen Souverän einsetzt, darf niemand, der dagegen ist, Zeugen für seine Meinung verlangen, da dies aussehen würde, als wollte er den Krieg fortsetzen.14

  4. Der Souverän tut nur, was alle tun, das Volk setzte ihn freiwillig als Stellvertreter ein, sie bleiben Urheber. Aber er kann schlecht handeln (gegen die NGs), nicht aber ungerecht (denn dies geht erst im Staat, nicht schon zuvor)15

  5. Die Bürger können den Souverän nicht bestrafen, denn er kann kein Unrecht tun.

  6. Staat sorgt für Frieden und Schutz, der Souverän darf über die dazu nötigen Mittel verfügen.16

  7. Der Souverän darf entscheiden, was den Frieden stört oder schützt. So z.B. auch, welche Meinung förderlich ist, welche nicht, und welche Bücher verbrannt werden müssen.17

  8. Der Souverän entscheidet, was wessen Eigentum ist. Er erlässt die bürgerlichen Gesetze (BGs).18

  9. Der Souverän ist oberster Richter und schützt so gegen Unrecht.19

  10. Der Souverän entscheidet über Krieg und Frieden mit anderen Staaten.20

  11. Der Souverän ernennt Räte, Beamte, Diener usw.21

  12. Der Souverän verteilt Belohnungen und Strafen und erlässt Gesetze zu Zusammenkünften und Titeln, damit der Streit um Ehren aufhöre.

Diese erwähnten Rechte beziehen sich gänzlich auf den Staat, welcher nur durch den Souverän handeln kann. Nur niedere Rechte kann der Souverän an andere abtreten, komplette Abtrennungen von Teilen seiner selbst ist nicht möglich.22

Die Staatsarten unterscheiden sich je nach Souverän und Mitbestimmungsrecht der Bürger. Hobbes unterscheidet hier zwischen Monarchie, Demokratie und Aristokratie. Im negativen wären dies Tyrannei, Anarchie und Oligarchie. Hobbes spricht sich nicht explizit für eines dieser Systeme aus, erläutert aber in den folgenden Unterschieden der Systeme nur Monarchie und „Versammlungen“, wobei erstere stets besser davon kommt23:

  1. Monarchie ist am besten, wenn der Staat ein Volksstaat ist, da der Monarch ein Teil des Volkes ist24, in Demokratie kann dagegen zu leicht ein Despot die Macht an sich reißen.

  2. Ein Monarch kann jeden um Rat fragen, in der Demokratie können sich nur alle gegenseitig befragen.

  3. Ein Monarch kann zwar unbeständig sein, in der Demokratie können dies aber viele sein.

  4. Der Monarch kann kaum mit sich selber im Streit liegen, in der Demokratie können dies viele.

  5. Der Monarch kann zwar Individuen benachteiligen, in der Demokratie werden sich aber viele finden, die dies tun werden.

  6. Der Monarch kann unerfahren sein und einen Vormund brauchen, was einen Krieg um den Posten provozieren könnte. In der Demokratie kann ein Diktator an die Macht kommen.25

Der Monarch muss seinen Nachfolger selber bestimmen können, in den anderen Systemen muss es durch Wahl geschehen.26

An weiteren Herrschaftsarten schließlich unterscheidet er drei Arten:

a) Eroberung: Souveränität wurde gewaltsam erreicht. Bürger unterwerfen sich aus Furcht. Rest ist wie im institutionellen Staat.

b) Erblich: Souverän entscheidet die Nachfolger. Geschlecht hierbei egal. Gab es jedoch keinen Vertrag, entscheidet die Mutter bzw. die Person, welche für die Lebenserhaltung des Nachkommens zuständig war.

c) Durch Krieg: Erst nach Unterwerfungsvertrag.27

Die Regierung darf niemals eingeschränkt sein, da sie sonst keine Sicherheit bieten kann. Sie muss ihre Bürger und deren Verträge im Zaum halten. Sonst ergeben sich nur neue Unruhen.

Das Volk: Bürgerliche Freiheit, Vereinigungen, öffentliche Diener, Fruchtbarkeit, Ratgeber (K21-K25)28

Freiheit ist für Hobbes die Abwesenheit äußerer Hindernisse bei einer Bewegung. Innere Freiheit ist das Vermögen. Frei ist, wer nicht behindert wird. Wer sich nicht bewegen kann, hat auch kein Hindernis. Künstliche Bande wie die bürgerlichen Gesetze beschränken die bürgerliche Freiheit (BF). Frei ist man, wo die Gesetze nichts zu sagen haben. Verpflichtet ist man, wozu man die Einwilligung gab, sonst zu nichts. Um jemanden anderes als sich selbst zu verteidigen gegen den Staat zu kämpfen ist verboten. Es besteht die Verpflichtung dem Souverän gegenüber, solange dieser einen schützen kann, danach greift wieder das NR.

Menschen, die sich zu ihrem Vorteil zusammentun, bilden eine Vereinigung. Diese sind entweder regulär (1 Mensch/Versammlung ist der Stellvertreter aller) oder irregulär (alle anderen Arten) und entweder absolut (nur dem Stellvertreter unterworfen) oder untergeordnet (politisch oder privat und erlaubt oder unerlaubt).29

Öffentliche Diener sind vom Souverän ernannte Staatsstellvertreter, die bei der Staatsverwaltung helfen (z.B.: Schatzdiener, Lehrer, Richter, Anwälte, Exekutive, Botschafter, …). Bei wie vielem, ist hierbei dem Souverän überlassen. Hobbes vergleicht sie mit den Sehnen und Nerven des Souverän.

Ein Staat muss fruchtbar sein und sich um die Menge und Verteilung seiner Bedürfnisse kümmern. Hierzu zählen auch Importe und Exporte sowie die Verteilung des Eigentums. Auch entscheidet der Souverän über den Handel: Produkte, Preise usw.30

Ratgeber geben einen Rat zum Vorteil eines anderen (derweil ein Befehl der Wille nach Ausübung des eigenen Willen wäre). Ratgeber müssen für den Staat handeln und hohe Werte haben in den Tugenden Wahrheit, Logik, Deutlichkeit, Erfahrung, Intelligenz und anderem. Außerdem darf man sie nie zusammen befragen, da sie sich gegenseitig beeinflussen oder etwas aus Furcht zurückhalten werden.

Das Gesetz: Bürgerliche Gesetze, Verbrechen, Strafen (K26-K28)31

Ein Gesetz ist ein Befehl. Die BGs sind Regeln, die der Staat den Bürgern auferlegt, damit diese Gut und Böse unterscheiden und dementsprechend handeln können. Bei einer Übertretung handelt der Bürger zu unrecht. Daraus ergeben sich ein paar Grundfolgen die BGs und Gesetzgebung betreffend:

  1. Der Souverän ist alleiniger Gesetzgeber.

  2. Der Souverän ist den BGs nicht unterworfen, da er sie selbst erlässt.

  3. Wenn eine Gewohnheit zum Gesetz wird, ist daran allein der Wille des Souveräns schuld.

  4. NGs und BGs enthalten sich gegenseitig; lediglich die BGs werden fixiert.

  5. Bei einem neuen Staat ist der Souverän neuer Gesetzgeber.

  6. Einzelne Bürger dürfen das Gesetz allein nicht ändern.

  7. Die Absicht eines Gesetzes und nicht sein Wortlaut sind wichtig.32

  8. Nur öffentlich bekannt gemachte Gesetze sind bindend.33

Die NGs müssen niemals bekannt gemacht werden, da sie sich ja bereits aus der Vernunft ergeben. Ein Genuitätszeichen ist wichtig, um zu erkennen, dass Gesetze wirklich vom Souverän stammen. Der Souverän ist auch gleichzeitig Exekutive (kann hierzu aber Stellvertreter ernennen). Außerdem muss man jedes mal neu entscheiden, man darf sich nicht auf einmalige Entscheidungen verlassen.34 Richter dürfen erst nach dem Gesetze urteilen (durch gute Urteilskraft und frei von Leidenschaften und nicht nur durch Bücher). Es gibt zwar nach Hobbes 7 Arten von Gesetzesklassen, jedoch nur ein Grundgesetz: gehorche dem Souverän!

Eine Sünde ist etwas erst, wenn man sie begeht oder mit dem Vorsatz dazu darüber nachdenkt. Verstößt sie gegen ein Gesetz, ist sie zugleich ein Verbrechen. Diese passieren aus Irrtum oder aus Leidenschaften. Jedoch gibt es Ausnahmen, z.B. wenn man ein Verbrechen aus Angst vor dem Tod begeht, man dazu erpresst wird oder nicht wusste, dass es ein Verbrechen ist.

Strafen sollen den Bürger zuallererst abschrecken und zum Gehorsam zwingen. Der Staat hat als einziger noch das NR, alles zu tun, was zur Selbsterhaltung notwendig ist, doch darf nur Strafen, wie es im Gesetz vorgegeben ist und allen bekannt war. Nach dem Verbrechen folgt der Prozess, mit Anführung Beweisen und abschließender Verurteilung. Alles andere wäre Grausamkeit und Krieg. Die Strafe muss dem Verbrechen entsprechen. Hier kennt Hobbes z.B. Leibes- und Geldstrafen, Anprangerungen, Haft und Verstoß aus dem Staat.

Neben Strafen muss es aber auch Belohnungen und Würdigungen für sich verdient gemachte Bürger geben, um andere anzuspornen es ihnen gleich zu tun.

Das Ende des Staates, Aufgaben des Souveräns und Gott (K29-K31)35

Ein Staat könnte Hobbes‘ Auffassung zufolge ewig bestehen, hätten die Bürger Vernunft genug ihn innerlich fest sein zu lassen.36 Wenn es doch zu einem Ende kommt, sind daran Mängel schuld. Diese können eine der folgenden Ursachen haben:

a) fehlerhafte Grundsätze, wie z.B. wenn jemand nach der Souveränität strebt.

b) Verbreitung schlechter Lehren im Volk bzw. fehlerhafter Verhinderung ebendieser durch den Souverän. Zu falschen Lehren gehören z.B.: Bürger dürfen selbst entscheiden, Glaube entsteht durch etwas Übernatürliches und nicht durch die Vernunft, der Souverän muss den bürgerlichen Gesetzen gehorchen, Bürger dürfen über ihr Vermögen entscheiden, Souveränität muss geteilt werden.

Auch muss die Religion eingeschränkt werden, da zwei Souveräne in einem Staat einen Bürgerkrieg provozieren.37

Die Hauptaufgabe des Souveräns ist das Wohl des Volkes. Dazu gehören Sicherheit, Bequemlichkeit und guter Unterricht. Er darf sich nicht den BGs unterwerfen oder Rechte abgeben. Weiterhin nennt Hobbes einige Aufgaben des Souveräns, die aber allesamt nur Pflichten der Bürger sind:38

  1. Bürger dürfen niemals andere Staaten beneiden.

  2. Bürger dürfen nur dem Souverän huldigen.

  3. Bürger dürfen den Souverän nicht gering schätzen.

  4. Es muss öffentlich gezeigt werden, wer die Gesetze erlässt.

  5. Bürger müssen auch ihren Eltern gehorchen.

  6. Bürger dürfen sich nicht gegenseitig schaden.

7., 8., 9. Ehebruch und Diebstahl sind verboten, Zeugen und Richter dürfen nicht

bestechlich sein.

  1. Vorsatz und Anstiftung sind strafbar.

Diese Pflichten sind öffentlich zu lehren. Steuern müssen je nach Bedürfnissen der Menschen gerecht verteilt werden. Benachteiligte sind zu versorgen. Gesetze zum Vorteil der Gewerbe müssen erlassen werden. Gute Gesetze sind nötig und deutlich. Verbrechen gegen den Staat muss man hart strafen, dagegen welche aus Not o.ä. linde.

Letztlich spricht Hobbes auch noch von den göttlichen Gesetzen, wie der natürlichen Vernunft und Offenbarung durch den Menschen, von Opfer, Leiden und Propheten.

Damit geht er dann bereits langsam über zu Buch 3, welches ich hier aber nicht mehr behandle.

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Fußnoten:

1S. 5ff.

2S. 11ff.

3Weshalb er an anderer Stelle sogar einst vermutete, dass irgendwann einmal irgendwas alles als erstes in Bewegung gesetzt hat. Damit nahm er die Urknalltheorie voraus.

4Hobbes war ein begabter Mathematiker und Anhänger von Francis Bacon, dem Begründer der modernen empirischen Wissenschaften.

5Dies widerspricht mit seiner späteren Forderung nach Zensur und ähnlichem.

6S. 79ff.

7S. 112ff.

8Eigentlich nur eine Widerholung von 11.

9S. 151ff.

10Diese ganze Argumentation von Hobbes ist etwas am Ziel vorbei. Es stimmt zwar, dass der Mensch nicht gerade mit den Bienen zu vergleichen ist, doch sind auch diese nicht mit allen anderen Herdentieren ohne weiteres zu vergleichen. Der Mensch allerdings ist sehr wohl ein Herdentier, was schon die Tatsache beweist, dass er seit jeher in Gruppen zum Schutze zusammen lebt. Dies hat auch Hobbes eigentlich bestätigt, indem er ja zuvor schon sagte, dass es einen Naturzustand niemals wirklich gab. Der Naturzustand sollte also richtiger eher Ausnahmezustand heißen.

11Zumindest darin stimmen ihm schonmal die meisten Staatstheoretiker zu.

12Dies würde einen auf ewig an sein Geburtsland binden.

13Dieser Argumentation kann ich absolut nicht folgen. Natürlich kann der Souverän zu Unrecht handeln, denn er ist doch auch nur ein Mensch. – Außer, man nimmt das Wort Unrecht wörtlich, denn das Recht dazu wurde ihm ja übertragen.

14Erneut schleierhaft für mich, warum er diesen Punkt bringt.

15Siehe Punkt 2 und außerdem eigentlich sinnlose Wiederholung.

16Eine Anspielung auf eine reale Diskussion zu Lebzeiten Hobbes.

17Damit unterstützt Hobbes absolute Zensur. Und das, obwohl er zuvor noch gesagt hatte, man müsse selber denken und sich nicht auf das anderer verlassen. Auch ist diese Forderung seltsam, berücksichtigt man seinen eigenen Hintergrund betreffend Zensur, Ärger mit dem Staat und Kirche. Ebenso öffnet er mit dieser Ansicht einem Tyrannen oder Despoten Haus und Tor.

18Dazu später.

19Jedenfalls solange er nicht selber schlecht regiert oder ein Tyrann ist.

20Was eigentlich schon in 6 und 7 enthalten ist.

21Dies geht aus Punkt 6 hervor.

22Er ist also gegen Gewaltentrennung.

23Zusammen damit, dass Hobbes sich gegen eine Aufteilung des Staates ausspricht, scheint er sehr für Absolutismus zu sein. Im Gegensatz auch zu Rousseau, der offen seine Meinung äußerte, dass Wahlaristokratie am besten sei.

24Das steht im Widerspruch zu seiner Äußerung, dass der Souverän außerhalb des Volkes steht. Man muss zwar zwischen Individuum und abstraktem Souverän unterscheiden, da es hier jedoch zusammen fällt, ergibt sich de facto kein Unterschied mehr und der Souverän wird doch Teil des Volkes.

25Damit hat er zwar Recht, doch wie man sieht, unterschlägt er zahlreiche Argumente gegen die Monarchie oder für die Demokratie. Rousseau zeigt sich hier wesentlich offener und erkenntnisreicher.

26Also auch in der Aristokratie.

27Wo ist hier der Unterschied zu a)?

28S. 187ff.

29Hobbes zählt hier noch etliche Fälle und Sonderfälle auf.

30Und schon wieder wird einem Tyrannen/Despot der Weg geebnet.

31S. 228ff.

32Dies lässt zuviel Spielraum, sowohl um zu harte Gesetze zu schlaff zu beurteilen sowie im schlimmsten Fall auch das Gegenteil.

33Weder muss ihnen folgen, wer sie nicht mitbekommen hat, noch wer sie nicht versteht. Dagegen ist es unerheblich ob man die Strafe kennt oder nicht.

34Ein großer Unterschied zu unserem heutigen System.

35S. 267ff.

36Dagegen sprach Rousseau deutlich vom Staat als etwas auf jeden Fall zu Ende gehendes und auch mir ist kein Staat bekannt, der ewig bestand hatte. Die Menschen vergessen zu schnell die Anfänge des Staates oder werden unzufrieden und fordern einen neuen.

37An diesem Punkt sowie der Aussage, dass Glaube durch Vernunft entsteht erkennt man bereits, warum er solche Probleme mit der Kirche hatte.

38Die Aufgabe des Souveräns ist es, dafür zu sorgen, dass die Bürger ihre Pflichten auch einhalten.

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Die ganze Arbeit ist druck- und besser zitierbar hier zu beziehen.

4 thoughts on “Hobbes' Leviathan in Kurzform

  1. Danke?
    Bitte
    Aber wofür?
    Falls irgendwas darauf basierend entsteht wäre über Benachrichtigung glücklich. 🙂
    Und zu Schmitt – sicherlich interessant, aber grad zu teuer..

  2. Pingback:       ||AP>> Leviathan Thomas Hobbes

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