Rousseaus Contrat social in Kurzform

Die ganze Arbeit ist druck- und besser lesbar hier beziehbar.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung in die Arbeit.

Einleitung zum Werk.

Inhalt von Buch 1 und Kritik an Ansätzen anderer Autoren (I, K1 – K5)

Der Gesellschaftsvertrag und der Souverän (I, K6 – K7)

Der Gesellschaftszustand und das Eigentum (I, K8 – K9)

Souveränität: Der Allgemeinwille als Souverän (II, K1 – K4)

Recht, Gesetz, Gesetzgeber, Gesetzgebung und Volk (II, K5 – K12)

Die Exekutive: Regierung, Regierungsformen, Regierungseinteilungen, Demokratie, Aristokratie, Monarchie, Mischformen (III, K1 – K8)

Eine gute Regierung, Regierungsmissbrauch, Staatentod, Aufrechterhaltung des Souveräns (III, K9 – K14)

Abgeordnete, was kein Vertrag ist, Einsetzung der Regierung und Mittel gegen Usurpation (III, K15 – K18)

Der unzerstörbare Allgemeinwille, Abstimmungen, Wahlen, Diktatur, Zensur, Religion. (IV, K1 – K8)

Schluss

Einleitung in die Arbeit.

Diese Arbeit soll den Contrat social von 1762 in möglichst kurzer und doch präziser und umfassender Form wiedergeben. Deshalb verzichte ich hier auf weiter großartige Worte und fange gleich an. Ich werde das Buch nach Inhalt und Kapiteln strukturieren. Die Seitenangaben beziehen sich auf die Reclamausgabe von 1988.

Einleitung zum Werk.

Rousseau beschreibt sein Werk als den Versuch einer Untersuchung, „ob es in der staatlichen Ordnung irgendein gerechtes und sicheres Verwaltungsprinzip geben kann, wenn man die Menschen nimmt, wie sie sind, und die Gesetze, wie sie sein könnten.“1

Inhalt von Buch 1 und Kritik an Ansätzen anderer Autoren (I, K1 – K5)2

Rousseau sieht den Menschen überall in Ketten liegen, selbst die Herrscher sind nur Sklaven. Wie es dazu kam, will er untersuchen. Außerdem beschreibt er die gesellschaftliche Ordnung als auf Vereinbarungen beruhend und nicht etwa von Natur gegeben. Damit widerspricht er schonmal einigen klassischen Ansichten.

Um seine Arbeit zu beginnen, führt er in drei Kapiteln erstmal die Ansätze an, welche andere Autoren vor ihm hatten, um diese so dann zu widerlegen. Teilweise gibt er jedoch nicht klar an, wer zuvor was gesagt hat, weshalb ich dies hier auch größtenteils übergehen muss.

1. Die Familie: diese beschreibt er als älteste und natürlichste Herrschaftsform. Doch sind die Kinder einmal alt genug, besteht diese Familie nur aus Freiwilligkeit weiter. Hier führt er auch auf, dass das erste Naturgesetz (1.NG) die Selbsterhaltung ist und er allein darüber entscheiden darf, was dazu nötig ist3. Weiterhin könne man seine Freiheit nur für einen Nutzen veräußern, z.B. den weiteren Zusammenhalt der Familie. Außerdem ist er explizit gegen Grotius und seinem „Nachfolger“ Hobbes, wobei besonders letzterer den Mensch nur wie Vieh in Herden geteilt haben soll, welches ihr Oberhaupt beschützt um sie irgendwann zu fressen. Im weiteren Text ist er hauptsächlich gegen Grotius. Schließlich führt er aber noch Aristoteles an, welcher gesagt hatte, dass die Menschen ungleich seien: die einen Sklaven, die anderen Herrscher. Und zwar von Natur aus ungleich. Dem ersteren stimmte Rousseau zu, dem zweiteren aber nicht.

2. Das Recht der Stärke: So war für Rousseau denn auch das Recht des Stärkeren kein Recht, keine Sitte, kein Gebot, sondern schlicht Gewalt und niemals freiwillige Pflicht. Es dürfe aber nur rechtmäßige Gewalt geben, der man zu gehorchen hat.

3. Die Sklaverei: Für Rousseau gab es keine natürliche Gewalt eines Menschen über einen anderen. Deshalb könne es nur freiwillige Vereinbarungen geben. Ein Gewaltherrscher wie bei Hobbes und Grotius aber sichere nur die Ruhe bis zum Verschlingen, es wäre ein goldener Käfig. Ein Mensch kann weder sich noch seine Kinder verschenken. Und eine willkürliche Regierung müsste durch Wahl rechtmäßig werden. – dann wäre sie aber nicht mehr willkürlich. Letztlich sah Rousseau die Freiheit als ein Menschenrecht an, als das Menschsein schlechthin, weshalb man niemals darauf verzichten könnte, denn der Herr ist seinem Sklaven zu nichts verpflichtet, sondern kann alles verlangen. Ebenso führe Krieg und Unterwerfung nicht zu Herrschaft, denn das Eroberungsrecht ist nur das Recht des Stärkeren, welches ja keine Gültigkeit hat.4 Und der Naturzustand sei auch nicht der Krieg, denn dieser entstünde erst durch die Umstände.

So kam Rousseau auf den Schluss, dass man untersuchen müsse, was für eine freiwillige Vereinbarung der Gesellschaft zugrunde liegt, wenn Gewalt nicht gilt. Es müsse ein wahres Volk samt ihrer Regierung geben, beruhend auf Freiwilligkeit. Nicht Sklaven und Herrn. Und bevor sich ein Volk einen Herrscher wählen könne, müsse es erstmal einen Vertrag geben, der es auch zu einem Volk macht. Eine einmalige Einstimmigkeit ist notwendig, welche fortan die Stimmenmehrheit herrschen lässt.

Der Gesellschaftsvertrag und der Souverän (I, K6 – K7)5

Ähnlich wie seine Vorgänger setzte Rousseau hier ebenfalls einen Gesellschaftsvertrag ein. Nur gibt es Unterschiede zu Hobbes und den anderen. Bei ihm wurde dieser Vertrag nicht zwischen dem Volk und dem Herrscher geschlossen, sondern er machte sie erst zu einem Volk. Das mit der Herrschaft kommt dann noch.

Die Menschen würden sich zusammenschließen, so Rousseau, wenn es zu viele Hindernisse zur Erhaltung im Naturzustand (NZ) gibt. Es bildet sich hierbei eine Summe von Kräften, sie legen ihre Mächte zusammen.6 Doch die Freiheit ist zur Selbsterhaltung nötig, also warum sollte man sie opfern? Also muss man einen Vertrag finden, der jedes seiner beteiligten Glieder schützt und wo doch der einzelne frei bleiben würde. Wenn jemand diesen Vertrag bricht, wird der NZ wieder hergestellt.7 Der Vertrag ist ein „gänzliche[s] Aufgehen jedes Gesellschaftsgliedes mit allen seinen Rechten in der Gesamtheit.“8 So wären letztlich alle gleich und niemand würde es einem anderen erschweren wollen.9 Niemand darf dann mehr sein eigener Richter sein.

Den Gesellschaftsvertrag formuliert er mit folgenden Worten: „Jeder von uns stellt gemeinschaftlich seine Person und seine ganze Kraft unter die oberste Leitung des Allgemeinwillens, und wir nehmen jedes Mitglied als untrennbaren Teil des Ganzen auf.“10

Damit bildet sich also ein Gesamtkörper, gesteuert vom Allgemeinwillen, dem volonté genéràle (v.g.). Die einzelnen Mitglieder sind die hierzu Stimmabgebenden. Man muss sich das ganze abstrakt vorstellen. Rousseau nennt das Ganze eine öffentliche Person (Gemeinwesen, Republik, Staat oder wie auch immer). Im passiven Zustand ist es der Staat, im aktiven der Souverän, im Vergleich zu anderen eine Macht. Die Einzelnen sind das Volk, im aktiven die Staatsbürger und im passiven Untertanen. Jeder ist also zugleich Herrscher und Beherrschter. Einen weiteren Unterwerfungsvertrag einem Souverän untertan zu werden gibt es nicht, denn das Ganze ist ja bereits der Souverän. Lediglich die Regierung fehlt noch, aber dazu später.

Wie gesagt sind nun also alle zusammen der Souverän. Damit haben sie eine doppelte Verpflichtung: sich selbst und allen als Ganzes gegenüber. Deshalb darf und kann der Souverän sich auch keine Gesetze geben, die er nicht selber brechen könnte, denn er darf sich nicht sich selbst gegenüber verpflichten, ebenso wenig kann er je eine Verpflichtung eingehen, die gegen den GV ist, z.B. sich einem anderen Souverän unterwerfen oder einen Teil seiner Selbst veräußern.

Man kann nicht das Einzelne verletzen, ohne das Ganze zu verletzen. Alle bieten sich gegenseitig Beistand. Auf diese Weise kann man nie seinen Teilen schaden.11 Auch kann der Wille der Glieder nie gegen die Gesamtheit sein. Wenn es doch so zu sein scheint, dass jemand nur Untertan und nicht Bürger sein will, gefährdet dies den Staat. Deshalb muss man diesen Einzelnen zum Gehorsam gegenüber dem v.g. zwingen, ihn zwingen, frei zu sein. Denn die Freiheit ist der Schutz gegen Abhängigkeit und Tyrannei.12

Der Gesellschaftszustand und das Eigentum (I, K8 – K9)13

Wenn der Naturzustand (NZ) in den Gesellschaftszustand (GZ) übergeht, ändert sich einiges. Instinkt wird zu Gerechtigkeit und sittlicher Freiheit, Trieb wird zu Vernunft und Pflicht, das Tier wird zum Menschen. Die Fähigkeiten, Vorstellungen, Gesinnungen sowie die Seele des Menschen entwickeln sich. Statt natürlicher Freiheit (NF) und das Recht auf alles hat der Mensch nun die bürgerliche Freiheit (BF) sowie ein Eigentumsrecht. Den Trieb bezeichnet Rousseau als Sklaverei, den Gehorsam gegen das selbst gegebene Gesetz dagegen als Freiheit.

Durch den GV wird persönlicher Besitz zu Allgemeinbesitz, welcher sicherer ist. Der Staat ist nämlich Herr über sämtliche Güter; gegenüber anderen Mächten aufgrund des Rechtes des ersten Besitzergreifers (1.BE). Der 1. BE ist der, dem etwas gehört, sobald der GV einsetzt. Ab hier ist sein Besitz gesichert. Vorher hätte es ihm jeder nehmen können. Doch mehr kann er sich nun nicht mehr nehmen.

Als Beispiel führt Rousseau Landbesitz an. Wer auf unbewohntes Land trifft, dem gehört es. (So waren z.B. die Kolonisten in Amerika groß teils im Unrecht). Aber auch nur, wenn man nur das nimmt, was man braucht und wenn man es bearbeitet. Stärke oder ein Wort allein zählen da nicht.

Er schließt Buch 1 mit der Bemerkung, dass an Stelle der physischen Ungleichheit eine sittliche Gleichheit tritt, so dass sie durch Übereinkunft alle gleich werden.

Souveränität: Der Allgemeinwille als Souverän (II, K1 – K4)14

Nun wurden durch den GV alle Menschen durch Übereinkunft und Recht alle gleich, möglich war dies nur durch eine Übereinstimmung im Willen aller. Damit kommt Rousseau zu seiner nächsten Betrachtung, die der Souveränität.

Die Souveränität ist die Ausübung des Allgemeinwillens, des v.g., der Übereinstimmung im Willen, und da es der Wille aller ist, ist sie niemals veräußerbar und sollte stets nach einem gemeinsamen Interessenspunkt handeln. Denn der Wille des Einzelnen strebt noch nach Vorteilen für sich und wird mit dem v.g. nie lange übereinstimmen, der v.g. dagegen nach Gleichheit. Der Souverän, der v.g., muss sich widersetzen können, denn sobald je ein Herrscher die Souveränität für sich beansprucht, ist der Staat vernichtet. Doch es kann sehr wohl einen Herrscher geben, der für alle entscheidet, denn solange der Souverän, das Volk, sich nicht widersetzt, wird es als stillschweigend angenommen angesehen.

Auch ist die Souveränität niemals teilbar, da sie der v.g. ist und nicht etwa ein Teilwille. Damit spricht sich Rousseau gegen die Gewaltenteilung aus, denn diese würde den Souverän nur schwächen.15

Der v.g. liegt immer richtig und zielt immer auf das Beste. Doch Volksbeschlüsse können sich irren, wenn sie den v.g. einmal falsch auslegen. Der v.g. ist ein Kompromisswille, er versucht das zu finden, was die Differenzsumme der Vor- und Nachteile der Einzelwillen ist. Diesen kann man aber nur finden, solange die Staatsbürger unabhängig bleiben, dagegen würden Parteien jeweils ein Ganzes bilden, also sozusagen eine Person. Damit gäbe es weniger Personen im Staat und der v.g. wird weniger allgemein. Sollte es deshalb jemals nur eine Herrscherpartei geben, so wäre der v.g. vernichtet und es gäbe nur noch einen Einzelwillen.16 Doch jeder Bürger soll nur für seine Interessen eintreten, damit sich daraus der Allgemeinwille finden kann.

Der Souverän darf bestimmen, was für die Gesamtheit nötig ist, denn der Souverän ist ja die Gesamtheit und hat damit die Macht über alle seine Glieder, was man Souveränität nennt. Und so arbeitet der für sich selbst, der für den Souverän arbeitet. Außerdem haben alle die selben Bedingungen und selben Rechte, denn der Souverän unterscheidet die Individuen nicht, er kennt nur das Ganze. Er kann nichts unnützes verlangen, bestimmt aber, was der Bürger abzugeben hat.

Recht, Gesetz, Gesetzgeber, Gesetzgebung und Volk (II, K5 – K12)17

Der Einzelne darf über sich nicht richten. Warum also sollte es der Souverän dürfen? Dies ist die Ausgangsfrage.

Der GV wurde eingegangen, um den Einzelnen zu schützen. Dazu aber sind, so Rousseau, Verluste notwendig. Im Extremfall muss man auch mal sein Leben für andere hingeben.18 Verbrecher verletzen mit ihrer Tat den GV und sind damit raus, sie werden zu Feinden des Staates. Doch die Todesstrafe sah Rousseau als Schwäche an, welche man nur nutzen sollte, wenn die Person eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Ansonsten wäre es ratsamer, Verbrecher zu rehabilitieren. Der Souverän ist hierbei der einzige, der begnadigen darf, kann aber das Recht verliehen, richten zu dürfen.

Gesetze wirken stets gegen alle, nie gegen ein Individuum. Der Befehl eines Einzelnen kann hierbei niemals als Gesetz gelten. Außerdem war für Rousseau nur eine von Gesetzen regierte Regierung eine rechtmäßige.

Der Gesetzgeber aber müsste quasi ein Gott sein. Er müsste außerhalb des Staates stehen, außerhalb der Menschen, und allwissend. Schließlich muss er ein Modell entwerfen, das für alle Gültigkeit haben kann und damit die Menschen umschaffen. Das Volk entscheidet aber letztlich, ob es die Gesetze annehmen will.

Vor der Gründung eines Staates müsste man gucken, was für ein Volk das ist. Denn unterschiedliche Staatsformen eignen sich besser für unterschiedliche Völker. Ein Staat darf vor allem nicht zu groß werden, denn dies würde ihn schwächen. Die Gründe leuchten ein: mehr Menschen, mehr zu kontrollieren, mehr zu überwachen, mehr Bürokratie, langsamere Entscheidungen.19 Es ist also ein gutes Verhältnis von Staatsgröße und Volk nötig. Und dieses Volk ist am besten, wenn es bereits verbunden ist, aber noch keine Gesetze empfangen hat.

Bei der Gesetzgebung ist auf das höchste Wohl aller zu achten, nämlich Freiheit und Gleichheit. Ohne Gleichheit könnte es keine Freiheit geben und Freiheit ist Stärke für den Staat. Gleichheit meint hierbei aber nur, vor Gesetzen und Staat gleich zu sein.

Die Gesetze unterteilt Rousseau in 4 Arten: Staatsgesetze für den Staat selber, Staatsbürgerliche für die Bürger unter sich und zum Staat, Strafgesetze sowie am wichtigsten, die Staatsverfassung.

Die Exekutive: Regierung, Regierungsformen, Regierungseinteilungen, Demokratie, Aristokratie, Monarchie, Mischformen (III, K1 – K8)20

Nach Rousseau ist die Legislative der Wille und wird durch das Volk, den Souverän vertreten, derweil die Exekutive die Kraft ist, repräsentiert durch die Regierung. Diese Regierung steht zwischen Volk und Souverän und führt die von letzterem erlassenen Gesetze aus. Sie setzt sich zusammen aus Behörden, Staatsmännern, Königen etc., je nach Regierungsform. Den Auftrag erhalten sie vom Souverän.

Werden es aber je zu viele Behörden o.ä., schwächt dies den Staat, wie oben schon erläutert.

Rousseau unterscheidet die Regierungsarten nach der Eignung für die jeweilige Staatsgröße. Bei größeren Staaten müsse die Regierung kleiner sein, um effektiver arbeiten zu können, während bei kleinen Staaten sie groß sein sollte.

In der Demokratie wären (fast) alle an der Regierung beteiligt, in der Aristokratie wenige und in der Monarchie nur einer. Die Übergänge sind aber fließend und verschwimmend.

Die Legislative der Demokratie wäre gleich der Exekutive, da die gleichen daran beteiligt wären. Da sie nicht zu unterscheiden sind, gibt es also keine richtige Exekutive. Demokratie im absoluten Sinne schien Rousseau aber für unmöglich zu verwirklichen zu halten, da alle beteiligten Bürger zu tugendhaft sein müssten. Deshalb würde sie sich auch nur für kleine Staaten eignen: alle müssten sich kennen und gleich sein, die Sitten müssten einfach sein und man bräuchte die Möglichkeit, ständig Versammlungen abhalten zu können.

Die Aristokratie schien er dagegen als idealen Kompromiss anzusehen. Die Legislative und Exekutive wären getrennt. Es gäbe die Aristokratie als natürlich (wie bei Naturstämmen), Wahl und Erblich. Die „Wahl der Weisen“ wäre hierbei am besten.

Die Monarchie schließlich würde Beamte benötigen, und der Monarch wäre kaum weise genug hierzu die besten zu erwählen. Auch er selber müsse viel zu tugendhaft sein.21

Rousseau sprach aber auch davon, dass es keine dieser Formen wohl je in Reinform geben würde, meist erscheinen sie als Mischformen: so hat der Monarch seine Beamten, die Demokratie ein Oberhaupt. Eine einfache ist aufgrund ihrer Schlichtheit aber dennoch vorzuziehen. Eine Mischform kann man aber schon erreichen, indem man die Exekutive teilt – sofern sie nicht von der Legislative abhängig ist.

Eine Gesellschaft kann bestehen, solange der Ertrag des Landes die Bedürfnisse des Einzelnen befriedigt. Dies hängt aber vom Klima und den Anforderungen an Boden und von der Regierungsart ab. Deshalb und weil sie Abgaben verlangt, wäre eine Monarchie am besten für ein großes und reiches Volk, die Demokratie daher für kleine Staaten am besten.

Eine gute Regierung, Regierungsmissbrauch, Staatentod, Aufrechterhaltung des Souveräns (III, K9 – K14)22

Eine gute Regierung sorgt für öffentliche Ruhe, persönliche Freiheit und Sicherheit des Eigentums. Auch ist es ein gutes Zeichen, wenn die Bevölkerung zunimmt.

Regierungsmissbrauch liegt vor, wenn die Regierung gegen den Souverän wirkt, denn dadurch bricht sie irgendwann den GV. Mögliche Wege dahin sind a) dass die Regierung schrumpft und stärker wird oder b) dass die Regierung den Souverän übernimmt und dieser schrumpft.23 Die Monarchie wird zur Tyrannei, die Aristokratie zur Oligarchie, die Demokratie zur Ochlokratie. Und wenn der Staat sich auflöst, kommt die Anarchie.

Staaten sind allerdings von Natur aus bereits nicht ewig, sondern gehen irgendwann zugrunde. Der Staat stirbt aber langsam. Um ihn weiter herauszuzögern, muss der Souverän ständig die Gesetze bestätigen.

Der Souverän kann auch nur durch Gesetze wirken. Um ihn deshalb aufrechtzuerhalten, müssten regelmäßige Volksversammlungen ihn immer wieder bestätigen. Je stärker die Regierung hierbei ist, desto häufiger müsste es diese Versammlungen geben. Damit bei größeren Staaten dies überhaupt möglich ist, müsste ständig die Hauptstadt eines Landes wechseln. Die Volksversammlung ist auch die einzige, die die Regierung aufheben kann.

Abgeordnete, was kein Vertrag ist, Einsetzung der Regierung und Mittel gegen Usurpation (III, K15 – K18)24

Wer andere für sich tätig sein lässt, lässt den Staat unweigerlich untergehen. Und was sind Abgeordnete schon anderes als Personen, die für einen handeln? Im schlimmsten Fall sogar noch in ihrem eigenen Interesse und gegen den wahren v.g., was den Staat unfrei macht. Soll der Staat dagegen frei bleiben, tun die Staatsbürger alles selbst. Auch nicht nur mit ihrem Geld, denn Abgaben sind nur für Sklaven. Die öffentlichen Interessen müssen vor den eigenen kommen. Für dieses intensive Engagement bekäme man dann aber auch mehr öffentliche Wohlfahrt.25 Muss man aus irgendeinem Grund doch Abgeordnete haben, z.B. weil Demokratie herrscht, es für diese Staatsform aber zuviele Einwohner sind, dann dürfen diese Abgeordneten nicht selber beschließen, sondern nur ausführen.26

Der Souverän selbst kann sich natürlich keinerlei Vorgesetzte geben, denn er ist bereits die höchste Macht im Staat. Wenn sich Volk und Regierung dagegen Vorgesetzte geben, ist dies kein Akt der Souveränität, sondern eine reine Privathandlung. Nur der GV ist ein wahrer Vertrag und Akt der Souveränität.

Die Ernennung der Regierung erfolgt in zwei Schritten: 1. muss der Souverän ein Gesetz erlassen, dass es eine Regierung geben soll. 2. Ernennt das Volk die Oberhäupter.

Sollte sich jemals ein Usurpator oder schlechter Herrscher an die Macht erheben, so kann das Volk diesen absetzen. Als Schutz gegen Usurpation muss man wie erwähnt regelmäßige Versammlungen abhalten. Dabei muss man immer zwei Dinge beachten: 1. will der Souverän weiterhin die Regierung haben? 2. Will das Volk die beteiligten Personen an der Macht lassen?

Der unzerstörbare Allgemeinwille, Abstimmungen, Wahlen, Diktatur, Zensur, Religion. (IV, K1 – K8)27

Im letzten Buch seiner Abhandlung befasst sich Rousseau vor allem mit dem v.g. und öffentlichen Angelegenheiten.

Der v.g. ist absolut unzerstörbar. Entweder halten grundsätzlich alle zusammen, oder sie folgen nur ihren Einzelinteressen. Dann existiert der v.g. allerdings immer noch, ist lediglich den Einzelinteressen untergeordnet.

Der v.g. ist umso stärker, je stärker einig das Volk sich ist. Es kann aber sehr wohl Gesetze geben, die gegen den Willen eines Einzelnen sind. Denn der v.g. ist ja nur ein Kompromisswille, ein Durchschnitt. Die Einzelstimme kann hier niemals gewinnen.

Die Wahlen müssen je nach Staatsart folgendermaßen aussehen: Das Los in der Demokratie, Wahlen in der Aristokratie, Ernennung in der Monarchie. Das Los, damit vernünftige Abgeordnete an die Macht kommen, denn sonst würde der Einzelne seinen Interessen folgend jemanden wählen, der genau dies will.

Letztlich führt er noch das alte römische Tribunat an, als einen Mittler zwischen Volk und Regierung oder Regierung und Souverän. Erhält dieses aber zuviele Glieder, wird es geschwächt.

Um unvorhersehbaren Ereignissen trotzen zu können, muss der Souverän stets die Macht haben, seine eigenen Gesetze aufzuheben. Hierzu muss man im Notfall entweder die Regierung ändern oder aufheben können. In Rousseaus typischen Vergleichen mit dem alten Rom wären dies die Konsuln und der Diktator gewesen. Doch da diese nur für Notfälle zu nutzen sind, muss man ihre Nutzungszeit erheblich begrenzen, andernfalls kann es zu Missbrauch kommen.

Ein Zensor handelt nur nach dem v.g. und diktiert ihnen nicht seine Meinung. Der Einzelwille kann irren, weshalb eine Zensur die Sitten erhalten kann.28

Ganz am Ende führt Rousseau noch das an, was ihm am meisten Kritik eingebracht hat, nämlich seine Ansicht einer bürgerlichen Religion. Einst gab es bei Staaten nur die Götter als Herrn und Regierung und Religion waren vermischt. Später jedoch waren diese getrennt und ein Staat kannte fortan zwei Souveräne. Rousseau führt drei Arten von Religion an:

  1. die innere und persönliche des Individuums, welche alle Menschen eint, ihn aber vom Staat trennen kann.

  2. die staatsbürgerliche, im Land vorgefundene, die immerhin Liebe zu den Gesetzen weckt, doch Irrglauben lehren und tyrannisch werden kann.

  3. die Religion, die sich als zweiter Souverän im Land bilden will und damit den Staat zerreist.

Mit wahren Christen hat man das Problem, dass sie das Irdische nicht kümmert, sondern sie alles für das Jenseitige tun. Und so kann ein Einziger sie sehr schnell übervorteilen. Weiterhin propagiert das Christentum nur Sklaverei. Für den Souverän nun ist aber von dem Glauben des Einzelnen nur interessant, was für den Staat wichtig ist. Deshalb gibt es ein staatsbürgerliches Glaubensbekenntnis, das wie die Gesetze funktioniert und bei Verletzung zur Verbannung führt. Es muss ein paar klare Lehrsätze geben, ebenso wie Unduldsamkeit: Heiden sind zu bekehren oder zu strafen.29

Schluss

Dies war Rousseaus contrat social. Für mehr über seine Ansichten zum Menschen und dem Naturzustand an sich kann man noch seine Diskurse sowie den Émile, die Abhandlung über Pädagogik lesen.

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1S.38.

2S.38f.

3Vermutlich ein Verweis auf Hobbes.

4Bei Hobbes dagegen ja schon.

5S. 48ff.

6Und übertragen sie nicht wie bei Hobbes jemand anderem.

7Darin stimmte er also mit Hobbes überein.

8S. 49.

9Dass niemand mehr will ist natürlich Unsinn.

10S. 49.

11Wie wir wissen, kann man das doch. Aber auf reiner abstrakter Ebene hat Rousseau wohl Recht.

12Leider konnten genau dies später Tyrannen wie Robespierre und Hitler für sich ausnutzen.

13S. 52ff.

14S. 57ff.

15Allerdings mit einem sehr schwammigen und ungenauen Argument. Denn genau dies war sein Argument: dass Gewaltenteilung zu Ungenauigkeit führt.

16 Sehr interessant ist hierbei, dass genau die Herrscherpartei der Sovjets sich eben auf Rousseau und den v.g. beriefen.

17 S. 65ff.

18 Durch diese unglückliche Formulierung spielte er damit Terrorherrschaften wie in Frankreich und Deutschland in die Hand.

19Deshalb spricht er sich später auch dafür aus, dass große Staaten eine Monarchie haben sollten.

20S. 86ff.

21Damit ging er also den gegenteiligen Weg wie Hobbes.

22S. 111ff.

23So, wie wir es heutzutage bei uns vorfinden.

24S. 120ff.

25Da Rousseau ja aber gegen die Steuern war, ist die Frage, wie diese Wohlfahrt aussieht. Vermutlich in Realien wie Nahrung. Dies würde dann am ehesten an den Sozialismus erinnern.

26Dies klingt sehr nach Ideen wie denen des anarchistischen Sozialisten Gustav Landauer: Abgeordnete tun nur das, was man ihnen aufträgt, und bei Widerhandlung werden sie ersetzt.

27S. 129ff.

28Womit er an sich zwar Recht haben mag, doch muss man hier auch berücksichtigen, was denn Sitten und Moral sind; nämlich wie von ihm angeführt nur die öffentliche Meinung. Durch Zensur könnte diese Meinung also niemals zur natürlichen Wahrheit finden, die sich jenseits der sich vielleicht irrenden öffentlichen Meinung befindet.

29Man dürfte also klar sehen, warum sich Rousseau zu seiner Zeit mit diesem Kapital so viele Feinde und so wenig Freunde gemacht hat. Ironisch ist auch, dass er in diesem Kapitel explizit von Hobbes spricht, dass dies seine einzigen guten Ansichten waren, und dass er ausgerechnet dafür gegeißelt wurde.

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Die ganze Arbeit ist druck- und besser lesbar hier beziehbar.

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