Eine kurze Geschichte der Sumerer (und Akkader)


Hier gibt es den Text als Buch.

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Inhalt:

1. Einleitung. 1

2. Die prähistorische und vordynastische Zeit. 3

3. Die frühdynastische Zeit. 7

4. Das Reich von Akkade. 14

5. Der Übergang, die Gutäer und Gudea. 17

6. Der letzte sumerische Höhepunkt: Ur III. 19

7. Isin und das Ende der Sumerer. 22

8. Literatur 24

1. Einleitung.

Diese Arbeit soll einen kurzen Überblick über die Geschichte der Sumerer (und damit zwangsweise verbunden auch der Akkader) geben.

Die Sumerer lebten um ca. 4000 v. Chr. bereits in Mesopotamien, dem heutigen Iraq und dort vor allem an den beiden großen Flüssen Euphrat und Tigris in Meeresnähe. Die Sumerer gelten als Ursprung der menschlichen Zivilisation vor allem deshalb, weil sie als erstes Volk eine Schrift hatten – zumindest eine, von der wir wissen. Gegen 2000 v. Chr. aber ging ihre Sprache langsam unter, da ihr Volk sich mit den semitischen Akkadern vermischte, welche danach die dominierende Ethnie bis zu den Eroberungen von Persern und Griechen bildeten.

Die Arbeit wird die Geschichte zwischen 5000 und etwa 2000 v. Chr. erzählen, soweit sie bekannt ist. Das größte Problem hierbei sind die meist nicht genau festlegbaren Daten, zu denen ein Ereignis stattgefunden hat. Es gibt unterschiedliche Systeme die Zeit dieser Geschichte einzuteilen, von Versuchen zu genauen Jahren über etwas weniger genaue Angaben hin zu besonders groben; absolut (z.B. anhand von gemeldeten Sonnenfinsternissen) bis relativ (in Schätzungen von z.B. Generationen von einem Punkt an zurückgehend). Aufgrund der Quellen dieser Arbeit (vor allem Edzard und Selz) orientieren sich zeitliche Angaben an diesen, also der mittleren Variante. Hin und wieder kann sich aber auch eine kurze, also „genaue“ Angabe einschleichen. Allgemein sei gewarnt, dass solche Zeitangaben lieber mit Vorsicht zu genießen sind.

Die Arbeit wird sich vor allem auf politische Geschichte konzentrieren, nur wenig von Archäologie, Literatur, Wirtschaft und Sozialsystem erwähnen.

Solange sich für eine Zeit keine erzählenden Texte finden lassen, ist die wichtigste Quelle meist die Archäologie. Das bedeutet, dass man sich nur an Funden und selten Bildern orientieren kann, bei denen man kaum genau zu sagen vermag, was sie bedeuten, ohne eventuell falsch zu liegen. Wirkliche Texte kamen erst spät auf und von diesen betreffen die meisten nur die herrschenden Oberschichten. Hierzu sei gesagt, dass Selz interessante neue Ansichten betreffend die Bevölkerung hat, die hier auch erwähnt werden sollen1.

Neben Archäologie, Bildern und Texten ist eine weitere wichtige Quelle noch die sogenannte sumerische Königsliste. Die jüngere wurde erstellt nachdem die Sumerer als Volk bereits verschwunden waren, eine ältere noch zu ihren Zeiten. Diese beginnt aber auch erst irgendwann in der zweiten Hälfte des 5. Jahrtausends2 und ist besonders für die Anfangszeit sehr ungenau. Sie erzählt von legendären Herrschern, die vor der Flut regierten, und dann schon eher fassbaren nach der Flut. Sie suggeriert eine fortlaufende Herrschaft über ganz Sumer, die unter unterschiedlichen Königen in unterschiedlichen Städten saß. In Wirklichkeit zeigt sie damit aber nur einzelne Herrscherdynastien, die besonders wichtig erschienen, während gleichzeitig noch andere Stadtstaaten und Königreiche existierten3.

Wichtig ist vielleicht noch der Hinweis, dass das Land zwischen den Flüssen vor mehreren tausend Jahren noch nicht so arg unwirtlich war wie heutzutage. Zunächst einmal begann auf der Erde vor etwa 6.000 Jahren wieder langsam eine kühlere Periode, während der die Menschen möglicherweise wärmere Breiten aufsuchten. Zweitens lagen die Flüsse damals anders und damit womöglich optimaler für die Vegetation. Drittens fing der Mensch erst zu dieser Zeit an, die Natur auszunutzen, was später z.B. zum Verschwinden der Wälder in Zagros und Libanon führte. Viertens kann man wohl auch sagen, dass es aufgrund fehlender angepasster Kältekleidung einfach angenehmer war, im Warmen zu leben. Auch gibt es wohl noch einige andere Gründe.

2. Die prähistorische und vordynastische Zeit.

Wann die Sumerer nach Mesopotamien kamen, ist unklar. Gut möglich, dass sie schon seit der Menschenwanderung dort lebten. Verwandtschaft mit anderen Völkern lässt sich daher auch nicht mehr feststellen.

Um 10.000 befand sich die Region noch in der Steinzeit. Revolutionäre Fortschritte erzielte man etwa zwischen 9.500 und 8.700, als sich die Architektur von rund zu eckig wandelte, man anfing Feuersteinklingen zu benutzen und auch schon Getreide anbaute4. Bis 7.700 entstand ein Totenkult, was bedeutet, dass man begann den Tod als Übergang zu etwas anderem zu betrachten und gleichzeitig sich seiner Vorfahren erinnerte5.

Einen gewaltigen Sprung machte die Menschheit dann, als man in den nächsten etwa 200 Jahren anfing gebrannten Ton zu benutzen. Das bedeutet dreierlei: Erstens heißt es, dass man mehr Werkzeuge und Geschirr benutzte. Zweitens lassen sich über entsprechende Überreste mehr über die damaligen Menschen herausfinden und anhand der Einheitlichkeit materieller Kultur und ihrer Verbreitung in der Welt nun „Kulturhorizonte“ definieren, was heißt, dass diese Menschen mindestens Kontakte zueinander unterhielten. Auch lässt sich durch gleiche Kultur nun in der Archäologie genauer feststellen, was zeitlich zusammengehört6. Drittens aber vor allem begann damals die Entwicklung der Schrift: In der Wirtschaft fing man an zu inventarisieren und dafür mit Tonmarkern (Tokens) zu zählen. Diese wiederum sammelte man in Tonkugeln (Tonbullen). Später erhielten diese knappe Markierungen, aus denen sich dann wohl die Schriftzeichen entwickelten7.

Um 5.000 ging die Steinzeit über in die Kupfersteinzeit und die Nutzung von Kupfer begann. Viele Fundstücke aus der Zeit gibt es in Tell Ḥalaf (welches die Stadt Gozan war, zeitweise im Reich Mitanni). In der später heiligen sumerischen Stadt Eridu, der womöglich ältesten sumerischen Stadt, fand sich bereits ein Tempel für den Weisheitsgott Enki.8 Dieser Tempel wurde auf einer Lehmterrasse als Schutz vor Hochwasser gebaut, woraus sich später die bekannten Zikkurrat, die Stufentempel, entwickelten9.

Bis etwa maximal 3.500 befand sich die Menschheit in der sogenannten Zeit von Tell ‘Obēd (antiker Name unklar, aber unfern von Eridu), womit die Bronzezeit begann. Sie definiert sich über die verwendete Keramik, welche in Eridu begann und bis zur Zeit von Uruk reicht. Ihre Ausbreitung war außer Mesopotamien noch Elam (West-Iran) und Tilmun (Bahrain). Damit war bereits ein hohes Kulturniveau erreicht, nur die Schrift fehlte noch. In der Wirtschaft kannte man schon Bewässerung, Viehzucht, und Töpferei, es gab Leder und Textilien, man im- und exportierte. Es lässt sich für die Zeit bereits eine Urbanisierung und langsame Landflucht feststellen, wobei Eridu10 (sumerisch: Nun bzw. Eridug) und Uruk (sumerisch: Unug, biblisch: Erech) wohl schon uralt waren. Möglicherweise siedelten sich auch mehr Menschen aus kälteren Erdgebieten an. Es entstanden Monumentalbauten, vor allem Tempel und als älteste Städte lassen sich fassen: Eridu (bereits gegen 2.000 verlassen, aber noch Jahrhunderte als Heiligtum genutzt), Uruk (bewohnt bis etwa 700 n. Chr.), Ur (sumerisch Urim und biblisch Ur Kesdam, bewohnt bis etwa 500 v. Chr.), Larsa (sumerisch Larag, biblisch Ellasar), Girsu (sumerisch Ngirsu, bewohnt bis etwa 0 Chr.), Lagaš11 (bewohnt bis vielleicht 100 n. Chr.), Umma, Nippur (bewohnt bis knapp 700 n. Chr.), Kiš (bewohnt bis etwa 0 Chr.), Sippar (sumerisch Zimbir) und weniger bedeutende. Als zusätzliche Quellen lassen sich Steinbilder und Rollsiegel finden12. Die Völker damals waren die Sumerer in Süd-Mesopotamien, die Elamer im Hochgebirge im Osten und Semiten (Akkader, Amurriter) an den Rändern Mesopotamiens, vielleicht sogar schon im Norden13.

Etwa 3.900 bis 3.400 war die frühe und mittlere Uruk-Zeit mit Uruk als Zentrum der Kultur. Uruk war die wohl am längsten besiedelte Stadt Mesopotamiens (neben Nippur) und gilt als Zentrum der Schriftentwicklung. Zunächst nutzte man die Schrift für die immer gewaltiger werdende Wirtschaft in Form einfacher Buchungslisten, die später mit bestimmten Personengruppen verbunden wurden. Weiterhin setzte man bereits Verträge auf und begann auch den Listenwahn, bei der die Welt in Listen kategorisiert wird14, teils auch als Übersetzungslisten.

Etwa 3.400 bis 2.900 ist die Zeit des späten Uruk und von Ğemdet Naşr (historischer Name unbekannt, aber unfern Babylon und Kiš). In Uruk finden sich immer mehr Texte, so nun auch Verwaltungstexte und -listen und Schriften der Tempelverwaltung15. Die Bevölkerung Uruks verzehnfachte sich auf 25.000 bis 50.000 bei einer Fläche von gut 440 Hektar (= etwa 4,4 km²)16. Die Stadt und dort vor allem der Tempel wurden zu einem Zentrum, das Erträge sammelte und wieder verteilte, während es im kleinen Rahmen auch Privatwirtschaft gab17. Die Nahrung wurde zentral gesammelt und dann durch sogenannte Glockentöpfe wieder ausgegeben, wodurch Risiken für die Bevölkerung gemindert wurden. Die bekannte Uruk-Vase zeigt den EN (ein Titel), der damals laut Selz in die kultischen Bereiche des Wirtschaftskreislaufes eingebunden war und wohl die Nahrung verwaltete. Auch bekannt sind die Großplastik über Löwenjagd und die Maske einer Frau18. Das Individuum war damals noch unwichtig, dessen Funktion wichtiger. Die meisten Menschen waren Arbeiter und bei gewaltigen Bauten wie dem Tempel Eanna mussten teils mindestens 1500 Menschen 5 Jahre lang bauen. Die Städte und vor allem die Zikkurrats, die Tempeltürme, stifteten eine bindende Einheit der Menschen als Symbol der Gesellschaft, weshalb auch Städte vergöttlicht wurden19. Auch muss es schon Institutionen gegeben haben, die Konflikte regelten20.

In Ğemdet Naşr fand man weitere archaische Texte: Verwaltungstexte und Wirtschaftsabrechnungen, über die man von Titeln wie sanga (Tempelverwalter) und ugula é-gal (Vorsteher des großen Hauses – Tempel oder Palast?)erfährt. Die Frage hierbei ist, ob dort ebenfalls sumerisch gesprochen wurde, oder bereits Akkadisch, denn das nahe Kiš ist bekannt als einer der ältesten Orte in denen Akkader lebten.21 Es lässt sich damit die Frage stellen, ob im Süden (um Uruk) die Sumerer und im Norden (um Kiš) die Akkader lebten22.

Am Ende dieser Zeit beginnen auch langsam die Texte in Städten die zwischen Uruk und Ğemdet Naşr liegen, so wie Ur, Lagaš, Kiš und Umma23.

Die Königsliste nennt für diese Zeit schon Namen, die man aber nicht belegen kann: In Eridu: Alulim, Alalngar; in Bad-tibira: En-men-lu-ana, En-men-gal-ana, Dumuzid: in Larag (Larsa): En-sipad-zid-ana: in Zimbir (Sippar): En-men-dur-ana; in Šuruppak: Ubara-Tutu24. Der letzte König von Šuruppak baute dann laut Legende die Arche um seine Leute zu retten vor der Flut.

Tatsächlich wurde Šuruppak (heute al-Fāra) zu dieser Zeit vernichtet, weshalb sehr viele Texttafeln aus dieser Zeit erhalten sind. Die Inhalte betreffen Verwaltung (Strukturen unbekannt), Privatverträge (mit Bestandteilen, wie Käufer, Verkäufer, Zeugen), Literatur (v.a. Beschwörungen), Götterlisten (gesamtsumerisch: An, Sohn Enlil Hauptgott, dann Inanna, Enki, Nanna, Utu. Sowohl Hierarchie und Verwandtschaft, als auch lexikalisch-etymologisch)25. Interessant ist hierbei, dass viele Tafeln in Privathäusern gefunden wurden, also nicht zentral, weshalb sich fragen lässt, ob es Privatwirtschaft gab, von der man kaum etwas weiß26.

Auch in Abu Şalābīḫ bei Nippur finden sich aus dieser Zeit Tafeln. Diese sind lexikalisch, literarisch (Zyklen, Hymnen) und sogar schon ein akkadischer Text stammt aus diesem süd-sumerischen Ort27.

Mit dieser Flut endete dann auch die vorgeschichtliche Zeit und wir betreten die eigentlich Historie.

3. Die frühdynastische Zeit.

Die sogenannte frühdynastische Zeit reicht von etwa 3.000 bis 2.500. Eine zusammenhängende Geschichte lässt sich immer noch nicht erzählen, aber zumindest Details sind bekannt28. Sie ist eine Übergangsphase, in der die Landflucht und Urbanisierung weiter zunahmen und sogar Stadtmauern errichtet worden, was auch auf Konflikte hindeutet. Neue Städte entstanden, vielleicht wegen Überbevölkerung oder solcher Konflikte29. Die Macht der einzelnen Stadt war noch zerbrechlich und beruhte vor allem auf der Wirtschaft, weshalb Streitigkeiten sich um Wasser, Anbauland und Handel gedreht haben müssen30. Uruk war, wie aus Stadtlisten ablesbar, längst nicht mehr das Zentrum der Welt31. Eventuell lassen Rollsiegel und diese Liste auch darauf schließen, dass es eine sumerische Liga oder zumindest öfter Bündnisse gab32.

In Uruk findet sich das erste Rollsiegel, das eine verständliche Szene zeigt (eine Position in einem Fest)33. Ein wichtiges Amt war der UK-Kin, der Vorsteher der Milizen. Die Versammlung der Ältesten und die der Milizen war damals beherrschend; es gab Institutionen und noch keine einzelnen Herrscher34. Ferner entwickelten sich immer mehr spezielle Berufungen, das Schöpfrad, hohe Domestikation, eine vereinheitlichte Verwaltung, mehr Bürokratie35. Womöglich vererbte man ursprünglich seine Position über weibliche Nachkommen, die später im Rechtsleben immer noch gleichgestellt waren36.

Die ersten Herrscher nach der Flut kamen laut Königsliste aus Kiš, welches auch tatsächlich fortan immer als Legitimation für die eigene Herrschaft galt. Nicht belegt sind: Ngušur (Jušur), Kullassina-bel37, Nangišlišma, En-tarah-ana, Babum, Puannum, Kalibum, Kalumum, Zuqaqip, Atab (or A-ba), Mašda (Sohn von Atab), Arwium (Sohn von Mašda), Etana, Balih (Sohn von Etana), En-me-nuna, Melem-Kiš (Sohn von En-me-nuna), Barsal-nuna (Sohn von En-me-nuna), Zamug (Sohn von Barsal-nuna), Tizqar (Sohn von Zamug), Ilku, Iltasadum, En-me-barage-si, Aga (Sohn von En-me-barage-si)38. Tatsächlich ist En-me-barage-si (ca. 2750 – 2700) der erste Herrscher, den man mehr oder weniger geschichtlich fassen kann, denn es fanden sich kleine Inschriften mit seinem Namen. Weiterhin ist laut Liste sein Sohn Aga (oder Akka), der Herr von Kiš und Umma und Gegner des legendären Gilgameš von Uruk39. Dieser wiederum war bekannt als Erbauer der Mauer von Uruk, welche zu dieser Zeit wirklich nachweisbar ist40. Diese beiden sollen am Ende der frühdynastischen Zeit gelebt haben, sind aber außer durch die Königsliste und Legenden nicht bezeugt.

Gleichzeitig zur ersten Dynastie von Kiš soll es auch eine in Uruk gegeben haben, die begann mit Mes-ki-aggašir (um 2770, der laut Legende nur den Tempel Eanna beherrschte41), dem Sohn von Etana von Kiš, gefolgt von seinem Sohn En-merkar (um 2750) der laut Legende erst Uruk erbaute, dessen Sohn Lugal-banda (um 2740?), dem Starken, gefolgt von Dumuzi (um 2720?), Gilgameš (um 2700 ?, evtl. 2652 v. Chr. bis 2602 v. Chr), dem Sohn von Lugal-banda, Ur-lungal I., dem Sohn von Gilgameš, Utulkalama, Sohn v. Ur-lungal, Labašer, Ennunadanna, Meše (um 2600), Mulamanna hin zu Lugalkingeneš-Dudu (um 2520?, auch König von Ur)42. Dies ist aber mit Vorsicht zu genießen. Sollte die Legende stimmen, könnte womöglich Mes-ki-aggašir Priester unter seinem Vater Etana gewesen sein und er selber oder sein Sohn die Unabhängigkeit erreicht haben.

Um all diese frühen Herrscher ranken sich mehr Legenden als Geschichten. Etana brachte das Königtum nach der Flut (und wohl auch Anarchie?) zurück, Mes-ki-aggašir war Sohn des Sonnengottes Utu, En-merkar erlebte viele Abenteuer, erbaute Uruk und war Theorien zufolge der biblische Nimrod43, Lugal-banda erlebte weitere Abenteuer, schließlich Gilgameš die wohl bekanntesten, der auch die Mauer von Uruk erbaute. Alle könnten aber gut einen historischen Kern haben, wie En-me-barage-si zeigt.

Die nächste Zeitstufe wird etwa mit der ersten Dynastie von Ur erreicht, gegründet womöglich von Lugalkingeneš-Dudu, und bringt uns damit bis ins Jahr 2.340, also nur knapp 160 Jahre weiter, da in dieser Zeit schon wesentlich mehr fassbar ist und auch die ersten beschreibenden Quellen auftauchen. Dies war laut Königsliste die Zeit der Dynastien von Ur I, Uruk II und Kiš II, aber die meisten Quellen lassen sich vor allem in Lagaš finden.

In Ur herrschten laut Königsliste Mes-kalam-dug (um 2.436 bzw. 2.500), Aja-kalam-dug, Mes-ane-pada (2.384 bzw. 2.450), A’-ane-pada, Mes-ki-age-nuna, E-lu-lu und Ba-lu-lu44. Aus dem Beginn dieser Zeit fand sich in Ur das bekannte und riesige Königsgrab, in dem neben den Herrschern auch viele ihrer Diener beigesetzt wurden, zusammen mit viel Prunk. Weiter entdeckte man archaische Schriften mit Wirtschaftstexten und Personennamen: Aja-kalam-dug und Mes-kalam-dug sowie die offensichtlich semitische Königin Pū-abi, die aber nicht in der Königsliste erwähnt wird und womöglich nur eine Gattin war45. Die Dartierung hierfür ist noch ungenau und reicht von 2.550 bis ein Jahrhundert später. Mes-ane-pada wurde hier in Inschriften „König von Kiš“ genannt, was entweder bedeutet, dass es ihm tatsächlich noch gehörte, oder dass er damit einen gesamtsumerischen Anspruch ausdrücken wollte46. Wichtiger ist aber wohl, dass sogar im fernen Mari eine Perle mit seinem Namen gefunden wurde, was bedeutet, dass er bis dorthin mindestens Beziehungen hatte. In Mari jedoch wurde eindeutig Akkadisch gesprochen47.

Nach Ur soll laut Königsliste kurz Elam vorherrschend gewesen sein48.

Kiš galt zu dieser Zeit bereits als prestigeträchtig. Sich König von Kiš zu nennen war gleichbedeutend damit, sich rechtmäßiger Herr von Sumer zu nennen, auch wenn kaum einer dieses wirklich ganz hatte besitzen können. Warum, ist nicht ganz klar. Womöglich wegen der traditionsreichen Dynastie von Etana, vielleicht hatte Kiš wirklich einmal kurz ein Reich gehabt, oder es war Mittelpunkt oder heilige Stadt des Landes49. Wichtig ist, dass sich noch später viele Herrscher König von Kiš nannten, selbst wenn sie dieses selbst gar nicht besaßen. Ihre zweite Dynastie begann so auch mit Mesilim von Dēr, bei dem ebenso nicht klar ist, ob Kiš selbst ihm wirklich gehörte. Möglicherweise war er sogar Semit und kein Sumerer; sein Name deutet darauf hin. Mesilim setzt irgendwann nach Aga (von Uruk) an. Die Liste nennt: Mesilim (um 2.550), Dadasig, Mamagalla, Galbum (Sohn v. Mamagalla), Tug-E, Mennunna (Sohn v. Tug-E), En-Bi-Ištar (um 2.450), Lugal-Mu, Ibiera (um 2.400)50. Mesilim war mindestens Schiedsrichter zwischen, womöglich sogar Herr von Lagaš und Umma und bestimmte die Grenze zwischen diesen beiden Staaten51.

Die 1. Dynastie von Lagaš, die scheinbar zumindest teilweise abhängig von einem anderen Staat war, steht nicht in der Königsliste: En-hengal (um 2.550, Vizekönig des Mesilim), Lugal-ša-gen-sur (um 2.520) und schließlich der große Ur-Nanše (um 2.490)52. Dieser war Sohn eines gewissen Gunidu und stellt den Beginn der mesopotamischen Geschichtsschreibung im eigentlichen Sinne dar, denn er hinterließ die ersten Königsinschriften, die von seinen Taten berichteten53. Aus seinen Hinterlassenschaften werden erstmals Wirtschaftsstrukturen bekannter. Der kleine Staat Lagaš, benannt nach der gleichnamigen großen Stadt, besaß drei Städte (Hauptstadt: Ngirsu) sowie einen Hafen und lag komplett an einem Seitenarm des Tigris unterhalb von Umma, wurde vielleicht als Staat sogar erst von Ur-Nanše gegründet54. Auch seine Regierung ist rekonstruierbar. Der sumerische König war vor allem verantwortlich für Instandhaltung und Erweiterung der Kanäle, Götterkult (Pflege, Neubau, Vergrößerung, Ausschmückung, Einsetzung von Priestern, deren Versorgung – Tempel hatten Landbesitz und waren damit Teil der Wirtschaft), Palastbau und militärische Befestigungen, Fernhandel und Außenpolitik (meist eher über Krieg denn Frieden). Seine Inschriften finden sich z.B. auf Steinen, Ziegeln, Türangelsteinen, Stelen, Statuen, Gefäßen und Nägeln55. Nach Ur-Nanše regierte sein Sohn Aja-kurgal (um 2.490) wieder etwas ruhiger, während Uš von Umma sich Gebiete von Lagaš aneignete. Nach ihm sein Sohn E-ana-tum (um 2.470). Von diesem stammt die sogenannte Geierstele. Ihre Inschrift erzählt die Vorgeschichte vom Streit mit Umma, einem Sieg, einem Grenzvertrag – dem ersten Staatsvertrag – mit En-akale von Umma. Er war wieder ein Herrscher, der gemein-sumerisch dachte und militärisch weit reichte, von Umma über Elam, Uruk, Ur, Larsa, bis Akšak. Seine Inschriften zeigen eine weiter entwickelte Schrift56. Zwar schaffte er wohl kein Reich, aber Inschriften finden sich auch in besiegten Städten. Später nannte er sich sogar König von Kiš57. Nach seinem Ende kam noch sein Bruder En-ana-tum I. (etwa 2.450) an die Macht, hatte aber wieder Probleme mit Ur-Lumma von Umma. Dessen Sohn wiederum war erfolgreicher. En-metena (um 2.420) hatte erst Streit, dann Brüderschaft mit Lugalkingeneš-Dudu von Uruk (und Ur? Oder ein späterer?) und lieferte einen vollständigen Bericht über Streitigkeiten mit Ur-Lumma von Umma wegen Wasser, welche er beseitigte, indem er endlich eigene Kanäle baute58. Sein Sohn En-ana-tum II. (um 2.400) wiederum fiel womöglich im Kampf gegen Elam59. Es folgte En-entar-zi (um 2.380), der zuvor Tempelverwalter von Ningirsu in Ngirsu und womöglich mit dem Herrschaftshaus verwandt war60. Die Priesterschaft wurde zu dieser Zeit immer stärker und En-entar-zi machte seinen Sohn zum neuen König: Lugal-anda (um 2.370). Dieser hatte eine Frau namens Bara-nam-tarra, Tochter eines Großgrundbesitzers und damit geschäftliche Beziehungen u.a. mit Adab. Seine Regierung wird als korrupt und unsozial bezeichnet; so beschlagnahmte er auch riesige Flächen Land für sich61. Diese Priesterherrschaft endete, als ihn Iri-kagina (oder Uru-inim-gina, um 2.360) stürzte, der Hauptmann der Miliz62. Iri-kagina hinterließ in seiner kurzen Herrschaft mit seiner Frau Sasa zahlreiche Schriftstücke. Zunächst einmal zeigen diese, was mindestens in der Priesterherrschaft zuvor alles schlecht geworden ist: Die Hierarchie war immer strikter geworden und aufkommende Privatwirtschaft führte zu Ungerechtigkeit. Die unterste Schicht bildeten die Sklaven, die aber eher mit heutigen Arbeitern zu vergleichen sind und deshalb auch einigermaßen gut dran waren. Iri-Kagina führte den Staat zurück zur früheren Form, die eine Vermischung von Privat- und öffentlichem Eigentum war. Selz beschreibt die Wirtschaft als auf die Zukunft gerichtete Planwirtschaft, wo ein Wirtschaftssektor als Gruppe Lieferverpflichtungen hatte und die Zentralinstitution als Gläubiger auftrat. Der Ackerbau war in Verwaltungsklassen eingeteilt, vom Herrn bis zum Pächter mit unterschiedlichen Rechten63. Das Tempelpersonal war mehr praktisch denn kultisch orientiert und für die Verteilung der Nahrung verantwortlich. Diesen Tempeln gehörte größtenteils das Land – nicht dem Herrscher64. Auch erleichterte er das Volk von ihren Schulden und nahm Missbräuche zurück. Interessanterweise verbat er auch die Heirat einer Frau mit zwei Männern65. Dies ist bekannt als Iri-kaginas Kodex, womöglich der erste Gesetzestext der Welt. Leider war seine Herrschaft vor allem geprägt durch Rivalität mit Lugal-zage-si von Umma (und später Uruk), der letztlich der Stärkere war. Lagaš wurde zerstört und Iri-kagina konnte nur noch Klagelieder und Flüche schreiben66.

Laut Königsliste kam nach Kiš II die 2. Dynastie von Uruk: Enpirigdu-Anna (um 2510), Urlugal II., Enukduanna (Enšakušanna), Lugalkingeneš-Dudu (um 245067), Argandea (Arga-Ande-A), Lugalkisalsi und Lugaltar (? – 2371)68. Am wichtigsten ist hier En-šakuš-anna, der zumindest kurzzeitig viel von Mesopotamien eroberte und sich „ki-en-gi lugal kalam-ma“ nannte, also “Herr von Sumer und König des Landes”69. Nach Uruk II70 steht Ur II in der Königsliste mit Nanni und Meš-ki-ang-Nanna II. Danach folgte Adab (bei Šuruppak, also in Nord-Mesopotamien) mit Lugal-Ane-mundu, der angeblich auch kurz ganz Sumer eroberte, gefolgt von Mari (um 2.440) mit Anbu, seinem Sohn Anba, Bazi, Zizi, Limer, Šarrum-iter und schließlich von Akšak mit Zuzu (um 2.500), Undalulu (um 2.450), Ur-Ur, Puzur-Nirah (zeitgleich Kug-Bau), Išu-Il, Šu-Suen (um 2.360) und Unzi Il-Ur (um 2330)71. Akšak (griechisch Opis) lag unweit von Ešnunna (früher Išnun) und damit unweit von Akkade und Kiš und galt bald als heilige Stadt die selbst als Heiligtum verehrt wurde, ebenso wie Ešnunna als „Heiligtum der Fürsten“ galt72.

Laut Königsliste waren dann noch Kiš III und IV wichtig. Kiš III bestand nur aus Kug-Bau (Kubaba, um 2.420), der einzigen Frau in der ganzen Liste. Laut dieser war sie eine Tavernenbesitzerin gewesen und rang später En-šakuš-anna von Uruk II die Herrschaft über Kiš ab73. Auch Puzur-Nirah von Akšak berichtete von ihr. Angeblich war ihre Herrschaft friedvoll und reich und bald wurden Schreine ihr zu Ehren errichtet. Womöglich setzten die nomadischen Hurriter sie mit ihrer Muttergöttin als Kebat gleich und im späteren Jerusalem hatte der Palastwesir den Titel Abdi-Kheba. Kubaba wurde die Schutzgöttin des syrischen Karkemiš und kam sogar in luwischen und hethitischen Texten vor, möglicherweise später sogar noch als phrygische mater und griechische Kybebe74. Nach scheinbar kurzer Unterbrechung (s.o.) kam die Dynastie Kiš IV: Kub-Baus Sohn Puzur-Suen, ihr Enkel Ur-Zababa, dessen Mundschenk laut Legende Sargon (s.u.) war, Zimudar, Usi-watar (Zimudars Sohn)75, Eštar-muti, Išme-Šamaš, (Šu-ilišu) und Nanniya (ca. 2.230)76.

Bevor wir zu Sargon und Akkade kommen, kennt die Königsliste noch einen letzten Herrscher, dessen kurze Dynastie Uruk III war. Lugal-zage-si (ca. 2.371 – 2.34777) kam schon oben vor. Er war zunächst Herr von Umma, später auch Uruk und nannte sich dann König von kalam, also allem (Uruk, Umma, Ur, Larsa, Nippur, Adab, Eridu und anderen). Wie er dazu kam ist unklar, aber scheinbar hatte er zumindest kurz Erfolg78 und zerstörte noch Lagaš, wofür er von Iri-kagina verflucht wurde. Angeblich war Lugal-zage-si ursprünglich Priester und womöglich Akkader gewesen und usurpierte den Thron. Er nannte sich König von Uruk und Sumer und Priester in vielen der anderen Städte, bietet den ersten Nachweis für Transport von Zedern aus dem Libanon nach Sumer und gab sich als Erster den Titel „Hirte des Volkes“ und wollte den Ländern Sicherheit geben. Sein Ende fand er, als Sargon von Akkade seine Länder eroberte, ihn in Nippur zur Schau stellte und öffentlich hinrichtete79. Laut Selz verstärkte sich unter seiner Herrschaft (erneut) der Eigentumsbegriff80 und laut Streck war er der Erste, der sich auf eine Residenzstadt bezog und ein gemein-sumerisches politisches Konzept verfolgte.

Bevor wir jetzt aber zu Akkade kommen, sei noch erwähnt, dass zu dieser Zeit Ebla in Syrien ein mittelgroßes Reich war und aus dieser Zeit viele akkadische Texte stammen aus den Bereichen Verwaltung, Lexikon (auch zweisprachig!), Beschwörungen (zweisprachig), Literatur, Briefe und ein Staatsvertrag. Der Herr von Ebla nannte sich EN, die Fürsten LUGAL und hatte viele Kontakte mit Kiš81. Die genaue Datierung zum restlichen Mesopotamien ist schwer, aber Ebla war Handelsmacht zwischen Sumer und dem Mittelmeer.

4. Das Reich von Akkade.

Wie wir sahen, gab es bereits vor dem Reich von Akkade einige Herrscher, die versuchten sich ein größeres Reich zu erobern und mindestens Lugal-zage-si dürfte als Vorgänger angeführt werden. Ob die Stadt Akkade schon vorher existierte (z.B. als Stadtteil von Sippar oder als Kleinstadt) oder tatsächlich erst von Sargon errichtet wurde, lässt sich bis heute nicht sagen, da man sie auch bis heute nicht gefunden hat. War sie eigenständig, hätte sie eigentlich beim heutigen Baghdad liegen müssen – oder sogar darunter. Die Könige von Akkade, die allesamt natürlich Akkader und keine Sumerer waren, nannten sich Šar kiššatim (König der Gesamtheit) und strebten eine Vereinigung von Akkade (Nord-Mesopotamien um Akkade, Akšad, Ešnunna und Kiš) und Sumer (Süd-Mesopotamien um Lagaš, Nippur, Ur, Larsa, Eridu und Uruk) an. Der politische Ablauf in den Landen war im Folgenden aber wie immer, es war also kein “Reich” im eigentlichen Sinne. Als Quellen finden sich vor allem spätere Abschriften aus den älteren und sehr nüchtern gehaltenen Inschriften der Könige82. Neben ihrer militärischen Stärke, dem Zusammenhalt des akkadischen Volkes, einer respektierenden Behandlung der „Vasallen“ und dem Einsatz von loyalen Gefolgsleuten brachte dem Reich womöglich vor allem die Wasserhoheit Erfolg, da es am Zusammenfluss von Euphrat und Tigris lag83. Akkade befand sich in der Region Waru’um (sumerisch Uri) am Unterlauf des Diyāla, aber wo genau ist unbekannt. Sie wurde zum Handelszentrum und setzte sich von Kiš ab, so sehr, dass man sich später eher König von Akkade denn König von Kiš nannte84.

Šarru-kīn (in Analogie zum biblischen Sargon, dem späteren assyrischen König Šarru-kīn, auch ebenso Sargon genannt; ca. 2.340 – 2.285, kurz dagegen 2.270 – 2.215) war der Gründer des Reiches. Seine genaue Herkunft ist unbekannt, er war also ein Homo novus. Laut seiner eigenen Legende wurde er von seiner Mutter, einer Hohepriesterin, auf dem Fluss ausgesetzt, von einem Gärtner aufgezogen und wurde dann Mundschenk von Ur-Zababa von Kiš85. Irgendwie kam er an eine Armee; die nächste Nachricht lautet, dass er Lugal-zagesi von Uruk und dessen Verbündete besiegte, worauf er Ur und andere sumerische Städte eroberte. Danach zog er flussaufwärts über Tuttul, Mari und Ebla bis in den Libanon und meerabwärts bis Elam und Magan (Oman). In wichtige Positionen setzte er loyale Akkader und führte Handel bis angeblich Indien. Gleichzeitig gab es aber viele Revolte gegen ihn, da Sumer es nicht gewohnt war geeint zu sein86. Seine Tochter En-ḫedu-ana machte er zur Hohepriesterin in Ur, wo sie durch viele Lieder und Hymnen bekannt wurde und versuchte die Religionen von Sumer und Akkad zu einen. Akkader und Sumerer hatten unterschiedliche Mentalitäten, aber wuchsen stärker zusammen. Götter wurden übernommen bzw. akkadisiert oder gleichgesetzt, wogegen der Kult weiterhin sumerisch blieb87. Er war der erste, der versuchte Maße und Gewichte der Regionen zu vereinheitlichen88. Das Problem des Reiches war aber vor allem, dass es nur mit Loyalität funktionierte89 und Nachrichten nur durch Läufer bzw. flussab durch Schiffe überbracht werden konnten90. Trotzdem entstand unter ihm das Mythos des Königtums, an dem sogar die sumerische Königsliste hing und später wurden viele der Taten seiner Nachfolger ihm zugesprochen.

Nach Sargon herrschten nacheinander seine zwei Söhne. Ursprünglich wurde angenommen, dass der Jüngere zuerst herrschte, tatsächlich schien es aber zunächst der ältere Man-ištūšu (ca. 2.280 bzw. 2.214 – 2.206) gewesen zu sein91. Er unternahm Expeditionen nach Tilmun und Magan für Baumaterial und erstellte so seinen bekannten schwarzen Obelisken mit einem Vertragstext, in dem er Großfamilien Land abkaufte und es als Lehen an seine Loyalen gab. Militärisch ging er bis Elam und dem jungen Assur92 und fand letztlich eventuell in einer Revolte einen gewaltsamen Tod93. Šamši-Adad I., späterer König von Assur, berichtete, dass Akkade zu dieser Zeit den Ištar-Tempel erbauen ließ, Assur also zu Akkade gehörte94.

Sein Bruder Rīmuš (ca. 2.270 bzw. 2.205 – 2.191) musste weitere Revolten niederschlagen und war der erste Herrscher mit konkreten Zahlen für Erschlagene und Gefangene. Bis zu ihm wurden die Eroberungen in Elam gehalten, doch starb er ebenso gewaltsam wie sein Bruder95. Das Reich wurde instabiler, die Städte Adab, Zabalum und Kazallu bei Nippur erhoben sich und erstmals berichtet ein Herrscher von Deportationen, die er durchführte96.

Sein Neffe Naram-Suen (um 2.240 bzw. 2.190 – 2.154) übernahm die Herrschaft und wurde nicht nur extrem erfolgreich sondern auch einer der bekanntesten Herrscher der mesopotamischen Geschichte. Er wurde beschrieben als ‘unheimlicher’ Herrscher, der den Göttern Ištar und Nergal (Krieg & Liebe sowie Tod) anhing und etwa genauso lang regierte wie sein Großvater. Den ‘Großen Aufstand’ von Uruk und Kiš beendete er mit einer Zerstörung des letzteren. Danach sollen acht Städte ihm angetragen haben ihn zu vergöttlichen, was er annahm, sich fortan Gott nannte und sich Tempel bauen ließ. Seine bekannte Stele zeigt ihn als Gott bei einem Sieg im Gebirge vermutlich über die Lullubäer. Die spätere Dichtung ‘Fluch über Akkade’ schilderte, dass bei Sargon eine Segenszeit entstand, später Naram-Suen aber in Depressionen verfiel da er keine günstigen Omina bekam und den Tempel Ekur in Nippur um seinen Schatz beraubte, wofür der höchste Gott Enlil später die Gutäer das Reich von Akkade vernichten ließ97. Am wichtigsten war aber seine Vergöttlichung als etwas völlig neues in der Geschichte. Spätestens hier kann man sagen, dass es nun um das Individuum und nicht mehr um das Amt ging, was vielleicht auch eine akkadische Besonderheit war98. Auch ist wichtig zu erwähnen, dass er auf seinen Kriegszügen Ebla völlig und für immer vernichtete99. Nordsyrien war damals wohl tatsächlich akkadisch und Naram-Suen kam bis Subartu, dem Mittelmeer, dem Libanon und Byblos. Auch er setzte Töchter als Hohepriesterinnen ein, so war En-men-ana Priesterin des Suen in Ur, Tuta-napšum des Enlil in Nippur und Sumšani des Utu/Šamašin Sippar. Neben dem Kult beeinflussten sie aber wohl auch die Politik. Die Tochter Tar’am-Akkade wurde möglicherweise in die Stadt Urkeš verheiratet. Letztlich ist noch zu sagen, dass er Elam nicht mehr halten konnte sondern nur noch einen Vertrag abschloss100.

Sein Sohn Šar-kali-šarrī (um 2.225 – 2.200 bzw. 2.153 – 2.129) war wohl weniger glücklich mit seinem Vorgänger. Er restaurierte den Ekur von Nippur, nannte sich nicht Gott aber pflegte den Kult des Vaters, ging hoch an die Quellen der Flüsse und kämpfte dort gegen Amurriter und die neuen Gutäer. Erstmals nutzte er kurze Phrasen als Jahresnamen, was viel zur Chronologie beiträgt101. Das Reich aber wurde weiter instabiler und in Inschriften und Jahresnamen hört man Rebellionen, Elam, den einfallenden Nomaden und wieder autonomen Lokalfürsten (z.B. Lagaš und Ur). Letztlich wurde wohl auch er bei einer Palastrevolution getötet102.

Nach seinem Tod sagt die Königsliste „Wer war König – wer war nicht König“ und die Anarchie begann103. Innerhalb von drei Jahren stritten vier Leute um die Herrschaft: Irgigi, Imi, Nanum und Illulu. Ob einer davon legitim war, ist unbekannt. Dudu (um 2.200 bzw. 2.125 – 2.104) sowie sein Sohn Šu-turul (um 2.180 bzw. 2.104 – 2.083) waren nochmal Könige von Akkad, doch kann damit wohl nur noch die Stadt gemeint sein. Danach eroberte Uruk Akkad und die stadt verlor an Bedeutung, man hörten nie wieder von ihr104.

5. Der Übergang, die Gutäer und Gudea.

Nach dem Untergang von Akkade durch die Gutäer herrschte Anarchie im Reich und die Stadtstaaten wurden wieder unabhängig oder gutäisch bis etwa 2.100 (bzw. 2.000, je nachdem wie man rechnet). Das restliche Leben in den Landen war aber wohl genauso normal wie zuvor105. Die Schrift hatte sich während Akkade weiter entwickelt und war ästhetischer geworden, die bildende Kunst plastischer. Sumerer und Akkader waren spätestens jetzt untrennbar ein Volk und erstere sollten bald in letzteren aufgehen. Und auch die Götterwelt war nun eins.

In Uruk kam spätestens unter dem letzten Herrn von Akkade eine neue Dyntasie, die 4., an die Macht.: Urnigin, Urgigir, Lugalmelam, Kudda, Pulurili und Urutu106. Uruk IV soll vorherrschend nach Akkade gewesen sein und danach die Gutäer, wahrscheinlicher aber waren diese es zur gleichen Zeit. Gutäer-Herrscher waren laut Königsliste: Inkišuš (ca. 2.204 – ca. 2.198), Sarlagab (Sarlag) (ca. 2.198 – ca. 2.195), Šulme (ca. 2.195 – ca. 2.189), Elulumeš (Elulu) (ca. 2.189 – ca. 2.183), Inimabakeš (ca. 2.183 – ca. 2.178), Igeša-uš (ca. 2.178 – ca. 2.172), Iarlagab (ca. 2.172 – ca. 2.157), Ibate (ca. 2.157 – ca. 2.154), Iarlangab (ca. 2.154 – ca. 2.151), Kurum (ca. 2.151 – ca. 2.150), Ḫabilkin (ca. 2.150 – ca. 2.147), La-erabum (ca. 2.147 – ca. 2.145), Irarum (ca. 2.145 – ca. 2.143), Ibranum (ca. 2.143 – ca. 2.142), Ḫablum (ca. 2.142 – ca. 2.140), Puzuršin (ca. 2.140 – ca. 2.133), Iarlaganda (ca. 2.133 – ca. 2.127), Ši-um (ca. 2.127 – ca. 2.120), Tirigan (ca. 2.120 – ca. 2.119)107. Bekannt ist auch Erridu-Pizir (um 2.180), der den Ekur in Nippur restaurierte, Enlil als Gott übernahm, sich weihen ließ und gegen Nord-Mesopotamien und die Lullubäer vorging108.

Nicht in der Königsliste steht wie immer die neue Dynastie von Lagaš. Dieses war auch seit Akkade einfache Reichsprovinz und hatte kaum noch größere Bestrebungen. In seiner Region sprach man bereits mehr Akkadisch als sumerisch wovon viele Inschriften zeugen109. Diese neue Dynastie umfasste: Ur-Baba (ca. 2.164 – ca. 2.144), Gudea (ca. 2.144 – ca. 2.124), Urningirsu (ca. 2.124 – ca. 2.118, Sohn von Gudea), Pirigme (ca. 2.118 – ca. 2.117), Ur-Gar (ca. 2.118 – ca. 2.113, Schwager von Gudea) und Nammahani (ca. 2.113 – ca. 2.110)110. Ur-Baba baute einen neuen Tempel und besaß sogar Einfluss in Ur, da eine Tochter dort Hohepriesterin war111. Seine Tochter Ninalla heiratete Gudea, dessen Herkunft unbekannt ist und der sich Gottekind nannte. Mit ihm aber begann ein neuer Aufschwung sumerischer Literatur, welches in der Neuzeit gleichzeitig auch Beginn der Entdeckung des Sumerischen war. In seinem Besitz befand sich das größte sumerische Archiv; bekannt sind vor allem die Hymnen und der Gudea-Zylinder. Der für Lagaš lange Frieden in Verbindung mit Fernhandel hatte es wohl reich gemacht, weshalb Gudea viel bauen konnte112. Seine zweite Frau hieß Nini-nim-gina. Hier stellte man sich die frage, ob es Sitte war Frauen nacheinander zu heiraten oder ob es eher Polygamie gab. Gudea nennt erstmals auch kleine Dörfer in seinem Gebiet und sich selbst einen weisen Hirten des Friedens. Tatsächlich ist nur ein Krieg bekannt, den er bestreiten musste. Auch berühmt sind die zahlreichen Statuen von ihm bzw. aus seiner Zeit, die man überall in Mesopotamien fand113. Leider brachte der Frieden ihm nicht viel und so endete der kurze Flug von Lagas, als Utu-ḫegal von Uruk das Land wieder eroberte.

6. Der letzte sumerische Höhepunkt: Ur III.

Wie wir sahen, setzte sich zunächst Uruk erneut als stärkste Partei unter den sumerischen Städten durch. Utu-ḫegal besiegte neben Lagaš, für das er vorher noch mit Ur verhandelte, vor allem den König der Gutäer, Tirigan, bei den möglicherweise schon Ruinen von Akkad, und vertrieb die Gutäer somit wohl wieder aus Mesopotamien, zumindest als herrschende und plündernde Klasse. Er fand auch unter den Akkadern Unterstützung und konnte sich bald König der vier Weltecken (also der Welt) nennen, war jedoch kein wirklicher Reichsherrscher114. In Ur setzte er seinen Bruder und General Ur-Namma als Statthalter ein, was sein vielleicht größter Fehler wurde115.

Wie genau Ur-Namma von Ur (um 2.113 – 2.095 bzw. 2.047 – 2.030) aber an die Herrschaft gelang, ist unklar. Vielleicht war es auch legitim. Mit ihm jedenfalls begann die nochmals glorreiche Zeit von Ur III. Er nannte sich als erster „Herrscher von Sumer und Akkad“ und hatte vermutlich einen kriegerischen Beginn. Bekannt ist von ihm der Codex Ur-Namma, die älteste überlieferte systematische Gesetzessammlung, die aber nur in Kopien erhalten ist. Sie behandelt Strafrecht, Familienrecht, Eherecht, Sklaven und anderes. Auch ist interessant, dass Ur-Namma sich als erster sumerischer Herrscher vergöttlichen ließ116. Seine Kriege führte er vor allem gegen Elam und die Gutäer. Zur Sicherheit ließ er sogar Mauern um die Tempel in den Städten sowie neue Tempel bauen. Sowohl seine Töchter (u.a. für Suen) als auch einen Sohn (in Uruk für Inanna/Ištar) machte er zu Priestern. An den Karawanenrouten errichtete er neue Karawansereien als Schutz und die Kanäle ließ er erweitern. Letztlich fiel er aber wohl gegen die Gutäer117. Zu seinem engeren Reich gehörten Ur, Uruk, Eridu, Larsa, Adab, Nippur. Auch Lagaš eroberte er letztlich völlig. Insgesamt sollen es 23 Städte gewesen sein. Das Staatswesen reformierte er nach dem alten Vorbild von Uruk: Verwaltung und Recht wurden reorganisiert. Ur wurde zum neuen Handelszentrum mit Magan, die Stadt hatte ca. 30.000 Einwohner bei 63 Hektar Fläche (0,63 km²)118.

Nach ihm regierte sein Sohn Šulgi (ca. 2094 – 2.11.2047 bzw. 2.029 – 1.982), eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Sumerer. Bei ihm gab es die ersten großen Quellen für die Zeit von Ur III. Er nannte sich König der vier Weltecken und wurde vergöttlicht. Bei ihm entsteht endlich ein klares Bild der Verwaltung: Der oberste Beamte war der sukkalmach, der Staatskanzler. Das Reich gliederte sich in etwa 40 Provinzen unter jeweils einem ensi. Diese waren einigermaßen autonom, ihre Titel vererbbar. Provinzen lieferten Abgaben, hatten klare Grenzen und mussten für den König Kriege führen. In Uruk, Dēr und Mari gab es einen šagina (Statthalter) statt einem ensi, der nicht vererbbar war. Diese Städte waren wohl gefährdeter. Ur III war also stark zentralisiert mit einem absolutistischen Herrscher, der aber trotzdem diplomatisch mit seinen Statthaltern umgehen musste. Das Reich war zweisprachig und nicht absolut sumerisch119. Eine wichtige Quelle ist der Viehhof von Puzriš-Dagān bei Nippur, der den Tempel Ekur täglich mit ca. 60.000 Tieren belieferte. Die Texte dort sind sehr detailliert, vor allem in der Verwaltung. Der private Sektor aber ist kaum bekannt, lediglich aus Verträgen, doch ist das Verhältnis zu Tempel und Palast unklar. Ethnisch war das Reich gemischt: Sumerer, Akkader und Amurriter hatten Ämter inne, Hurriter lebten als Nomaden. Seltsamerweise kannte man Ägypten wohl immer noch nicht. Sprache von Verwaltung und Literatur war aber Sumerisch, und als neue Quellen gibt es Königshymnen und Briefe120. Dies war eine letzte goldene Zeit. Indizien dafür, dass Dēr problematisch war, zeigen sich darin, dass er die Stadt zuerst aus einem früheren Krieg wieder aufbauen ließ um sie später, als sie rebellierte, zu zerstören. Auch eher kuriose Dinge ließ er bauen, nicht nur viele Tempel, sondern z.B. auch ein Kühlhaus in Ur und eine große Mauer an der Grenze gegen die Tidnum-Nomaden121. Neu sind auch die Zeugnisse von Intrigen. Lange nach seinem Tod bekam er sogar seinen eigenen Stern am Himmel, was beweist, wie sehr man ihn bewunderte122. Trotzdem waren für die späteren herrschenden Generationen, die keine Sumerer mehr waren, die Herrscher von Akkade bekannter. Seine Armeen hatten wohl Größen um die 10.000 Mann und mussten fast jedes Jahr an den Grenzen kämpfen. Die wichtigsten Militärzentren waren hierbei Ur und Lagaš/Ngirsu123. Aber auch negative Nachrichten gibt es über Šulgi, so soll er seinen Kultverpflichtungen nicht immer genügend nachgekommen sein. Erstmals wird auch der Marduk-Tempel Esagila und damit die Stadt Babylon erwähnt, deren Schatz er geplündert haben soll. Und natürlich gibt es auch Legenden über Šulgi, so soll er die 100 Meilen von Nippur nach Ur gelaufen sein, viele Hymnen und Gedichte soll er selbst verfasst haben und für seinen Ausbau der Karawansereien wird er als Wirt beschrieben124.

Seine Nachfolger waren kaum noch erfolgreich. Amar-Suena (um 2.046 – 2.038 bzw. 1.981 – 1.973), Sohn von Šulgi und Taram-Uram, pflegte den Kult seines Vaters und wurde als Unheilsherrscher bekannt, da er viele schlechte Omina bekam und dann wohl früh aufgrund einer Fußinfektion starb. Während seiner Zeit gab es wieder Revolten. Aber er führte auch weitere Reformen durch, vereinheitlichte den Kalender, setzte Töchter als Hohepriesterinnen ein und unternahm kleinere Feldzüge125. Auch ist erwähnenswert, dass während seiner Zeit das uralte Heiligtum Eridu verlassen wurde, vermutlich weil der Fluss seinen Lauf geändert hatte126.

Nach Amar-Suenas Tod wurde Šulgis ehemaliger (und wohl akkadischer) General (möglicherweise auch Sohn127) Šū-Suen (um 2.037 – 2.029 bzw. 1.972 – 1.964) König. Seine Frau war Abi-simti. Er ließ Statuen von sich errichten, baute Tempel für seinen eigenen Kult und pflegte den Totenkult für Šulgi und Ur-Namma, nicht aber für Amar-Suena. Auch er führte weitere Reformationen durch, vollendete den Kalender, führte grausame Feldzüge gegen die Amurriter und Bergvölker und verlängerte die Mauer gegen die Tidmun128.

Das Ende von Ur III kam dann während der Zeit seines Sohnes Ibbi-Suen (um 2.028 – 2.004 bzw. 1.963 – 1.940) und ist bekannt durch Briefe und Klagelieder. Zunächst einmal musste Ibbi-Suen einen Krieg gegen das östliche Elam führen, während im nördlichen Mari sein Statthalter Išbi-Erra gegen die Amurriter kämpfte. Dieser bekam aber eine andere Idee und wiegelte Amurriter sowie en-sis anderer Städte gegen Ibbi-Suen auf. Dieser war derweil deprimiert wegen ungünstiger Omina die er bekam. Während er wohl in Elam war, ging Išbi-Erra nach Isin (heute Išān) bei Nippur. Er baute die bisher eher unbekannte Stadt zur Festung aus. Ibbi-Suen hatte bald kaum noch Provinzen unter seiner Kontrolle und wurde gepeinigt von Inflation, Revolten und den Nomaden. Als er in Ur war und dort eine Hungersnot ausbrach, musste er den Tempelschatz an Isin verkaufen. Doch dann belagerten auch noch Elamer Ur, eroberten und zerstörten es129.

7. Isin und das Ende der Sumerer.

Nach der Zerstörung von Ur kennt die sumerische Königsliste nur noch eine Dynastie, nämlich die von Isin, welche gleichzeitig vor allem mit der von Larsa konkurrierte. Die Namen ihrer Herrscher sind: Išbi-Erra (um 2.017 – 1.984), Šu-Ilišu (um 1.984 – 1.974), Iddin-Dagon (um 1.974 – 1.953, Išme-Dagon (um 1.953-1.934), Lipit-Ištar (1.934 – 1.923), Ur-Ninurta (1.923 – 1.895), Bursin (um 1.895 – 1.874), Lipit-Enul (1.874 – 1.869), Erra-Imitti (1.869 – 1.861), Enul-Bani (1.861 – 1.837), Zambija (1.837 – 1.834), Iter-Piša (1.834 – 1.830), Ur-Dukuga (1.830 – 1.827), Sîn-Magir (1.827 – 1.816) und Damqi-Ilišu (1.816 – 1.794)130.

Išbi-Erra (um 2.017 – 1.984 bzw. ab 1.953) war Amurriter, weshalb es seltsam wirkt, dass er gegen seine eigenen Landsleute in Mari kämpfte. Nachdem er in Isin sein eigenes kleines Reich hatte, übernahm er schlicht die Verwaltung von Ur III, weshalb dieses Reich nicht sofort unterging. Auch er gehörte zu denen, die sich vergöttern ließen. Nachdem er einige Jahre im Amt war und sich einigermaßen gefestigt hatte, war er endlich auch in der Lage die Elamer aus Ur zu vertreiben und die Stadt wieder aufzubauen. Auch ließ er noch einmal sumerische Königshymnen schreiben, die man im Archiv von Isin fand.131 Er baute das Reich also wieder auf, pflegte das Sumerisch noch weiter, das aber wohl schon kaum noch gesprochen wurde, und befand sich damit trotzdem im Wechsel.132 Spätestens in dieser Zeit entstand wohl auch die sumerische Königsliste133.

Während der Herrschaft von Išme-Dagān (um 1.953 – 1.935) kann man den Auslauf von Ur III und den Beginn der altbabylonischen Zeit ansiedeln134. Dessen Sohn Lipit-Ištar ist nochmal bekannt dafür, dass er einen Gesetzescodex schreiben ließ, den zweiten vollständigen der Geschichte135. Zu dieser Zeit wurde aber auch schriftlich schon kaum noch in Sumerisch kommuniziert, und Akkadisch muss als Muttersprache angenommen werden136. Mit ihm endete auch die direkte Nachfolge von Išbi-Erra.

Erwähnen kann man noch die gleichzeitige Dynastie von Larsa, die aber nicht in der Königsliste steht: Naplanum (um 2.025 – 2.006), Emisum (um 2.005 – 1.978), Samium (um 1.977 – 1.943), Zabaya (um 1.942 – 1.934), Gungunum (um 1.933 – 1.907), Abisare (um 1.906 – 1.896), Sumu-el (um 1.895 – 1.867), Nur-Adad (um 1.866 – 1.851), Sîn-Iddinam (um 1.850 – 1.844), Sîn-Eribam (um 1.843 – 1.842), Sîn-Iqišam (um 1.841 – 1.836), Silli-Adad (um 1.835 – 1.835), Warad-Sîn (um 1.834 – 1.823) und Rīm-Sîn I. (um 1.822 – 1.763)137. Diese waren zwar keine Sumerer mehr sondern eindeutig Semiten und während ihrer Zeit begann auch die altbabylonische Zeit (um 1.894), doch sind zwei von ihnen noch erwähnenswert: Nur-Adad nannte sich bereits nicht mehr König von Ur, sondern nur Zuverlässiger Ackerbauer. Es gab große Unruhen und er kümmerte sich noch um das alte Heiligtum Eridu138. Rīm-Sîn, Sohn eines amurritischen Generals und Bruder von Warad-Sîn, ließ seine Frau Simat-Ištar in Ur einen neuen Tempel bauen. Er schaffte es noch, sein Reich gegen Babylon zu verteidigen und setzte seine Schwester En-a-ne-du als Hohepriesterin in Ur ein. Seine Herrschaft endete, als Hammurapi von Babylon Larsa eroberte und Rīm-Sîn gefangen nahm139, womit auch endgültig das große altbabylonische Reich geboren war.

Lange nach Hammurapi, um 1.600, verlor Ur endgültig seine Bedeutung140 und wurde ca. 1.000 Jahre später verlassen. Um das Jahr Null herum, als auchdie Akkader schon längst verschwunden waren, wurden Kiš und Ngirsu verlassen, einige Jahrzehnte später auch das mächtige Lagaš. Bis ins christliche Mittelalter hielten sich noch Babylon, Nippur und Uruk als christliche Bischofssitze, doch dann kam auch ihr Ende.

Die Sumerer aber verschwanden schon 2.000 Jahre zuvor.

8. Literatur

  • Edzard, Dietz O. (2004): Geschichte Mesopotamiens. München: C.H. Beck.
  • Selz, Gebhard J. (2005): Sumerer und Akkader. München: C.H. Beck.

Aus der Wikipedia:

  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rim-Sin_I.&oldid=75945311
  • http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Nur-Adad&oldid=366352447
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Larsa&oldid=46560416
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Isin&oldid=75300440
  • http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Shu-Sin&oldid=366646867
  • http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Amar-Sin&oldid=358497974
  • http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Shulgi&oldid=367305181
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=%C5%A0ulgi&oldid=74596804
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ur-Nammu&oldid=65914949
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Utuchengal&oldid=76344563
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Laga%C5%A1&oldid=65915238
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_der_Gut%C3%A4er&oldid=72845076
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Uruk&oldid=65915118
  • http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Sumerian_King_List&oldid=371690664
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=%C5%A0ar-kali-%C5%A1arri&oldid=68277942
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Naram-Sin_(Akkad)&oldid=76730497
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rimu%C5%A1&oldid=73529460
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mani%C5%A1tu%C5%A1u&oldid=73530055
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Lugal-Zagesi&oldid=76709158
  • http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Kubaba&oldid=366759855
  • http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Enshakushanna&oldid=366451408
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Urukagina&oldid=76344018
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Lugal-anda&oldid=70432462
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=E-ana-tum&oldid=62487918
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Ki%C5%A1&oldid=66718197
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ur_(Stadt)&oldid=76030984
  • http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Enmerkar&oldid=374079287
  • http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Mesh-ki-ang-gasher&oldid=371690445

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Fußnoten:

1Vgl. Selz, S. 22f.

2Anmerkung: Fortan wird die Angabe „v. Chr.“ weggelassen. Bei Angaben von Jahrtausenden und Jahrzehnten muss man beachten, ‘umgekehrt’ zu denken. Die Zweite Hälfte des 5. Jahrtausends ist also die Zeit zwischen 4500 und 4000 v. Chr.

3Vgl. Edzard, S. 38ff.

4Vgl. ebd., S. 17f.

5Vgl. ebd., S. 19.

6Vgl. ebd., S. 18.

7Vgl. ebd., S. 26f.

8Vgl. ebd., S. 22.

9Vgl. ebd., S. 38.

10Trotz Kenntnis der sumerischen Namen nennt man die Städte für gewöhnlich bei ihren besser bekannten akkadischen Namen.

11Anmerkung zur Aussprache: š=sch, ansonsten am Deutschen orientieren. Vokale mit Längenstrich werden lang gesprochen. Bei arabischen Wörtern im Folgenden ist Ğ=dsch.

12Vgl. Edzard, S. 29f.

13Vgl. ebd., S. 34.

14Vgl. ebd., S. 33f. und Selz, S. 25.

15Vgl. Selz, S. 26f.

16Vgl. ebd., S. 31.

17Vgl. ebd., S. 32.

18Vgl. ebd., S. 37f.

19Vgl. ebd., S. 33f.

20Vgl. ebd., S. 31f.

21Vgl. ebd., S. 43f.

22Vgl. Selz, S. 44.

23Vgl. ebd., S. 43.

24Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Sumerian_King_List&oldid=371690664

25Vgl. Edzard, S. 48ff.

26Vgl. Selz, S. 48.

27Vgl. Edzard, S. 50f.

28Vgl. ebd., S. 37.

29Vgl. Selz, S. 41.

30Vgl. Edzard, S. 40.

31Vgl. ebd., S. 45.

32Vgl. Selz, S. 42.

33Vgl. Edzard, S. 24f.

34Vgl. Selz, S. 40.

35Vgl. ebd., S. 107.

36Vgl. ebd., S. 111f.

37Akkadische Phrase die bedeuten könnte, dass niemand bzw. alle Herrscher waren.

38Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Sumerian_King_List&oldid=371690664

39Vgl. Selz, S. 44.

40Vgl. Edzard, S. 47.

41Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Mesh-ki-ang-gasher&oldid=371690445

42Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Uruk&oldid=65915118

43Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Enmerkar&oldid=374079287

44Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ur_(Stadt)&oldid=76030984

45Vgl. Edzard, S. 46f.

46Vgl. ebd., S. 45.

47Vgl. ebd., S. 63f.

48Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Sumerian_King_List&oldid=371690664

49Vgl. Edzard, S. 42.

50Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Ki%C5%A1&oldid=66718197

51Vgl. Edzard, S. 56.

52Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Laga%C5%A1&oldid=65915238

53Vgl. Edzard, S. 51ff.

54Vgl. Selz, S. 50.

55Vgl. Edzard, S. 53f.

56Vgl. ebd., S. 54ff.

57Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=E-ana-tum&oldid=62487918

58Vgl. Edzard, S. 53ff.

59Vgl. Selz, S. 55.

60Vgl. ebd., S. 55.

61Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Lugal-anda&oldid=70432462

62Vgl. Selz, S. 60.

63Vgl. ebd., S. 56ff.

64Vgl. Edzard, S. 58f.

65Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Urukagina&oldid=76344018

66Vgl. Edzard, S. 60.

67Wieder die Frage, ob er mit dem früheren identisch ist.

68Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Uruk&oldid=65915118

69Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Enshakushanna&oldid=366451408 und Selz, S. 63.

70Wie man wieder an den Zahlen sieht waren viele dieser Dynastien wohl eher zeitgleich.

71Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Sumerian_King_List&oldid=371690664

72Vgl. Edzard, S. 62f.

73Ein weiterer Hinweis, dass diese Dynastien gleichzeitig waren und längst nicht immer über alles herrschten.

74Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Kubaba&oldid=366759855

75Spätestens dieser, eher auch schon seit Vater waren wohl nur noch akkadische Vasallen.

76Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Sumerian_King_List&oldid=371690664

77Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Uruk&oldid=65915118

78Vgl. Edzard, S. 60f.

79Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Lugal-Zagesi&oldid=76709158

80Vgl. Selz, S. 64.

81Vgl. Edzard, S. 65ff.

82Vgl. ebd., S. 76ff.

83Vgl.Selz, S. 64.

84Vgl. Edzard, S. 82.

85Vgl. ebd., S. 77f.

86Vgl. ebd., S. 78f.

87Vgl. ebd., S. 80f.

88Vgl. Selz, S. 65.

89Vgl. ebd., S. 66.

90Vgl. Edzard, S. 83.

91Vgl. Selz, S. 70.

92Vgl. Edzard, S. 85f.

93Vgl. Selz, S. 74.

  • 94Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mani%C5%A1tu%C5%A1u&oldid=73530055

95Vgl. Edzard, S. 83f.

96Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rimu%C5%A1&oldid=73529460

97Vgl. Edzard, S. 86ff.

98Vgl. Selz, S. 72.

99Vgl. ebd., S. 75.

100Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Naram-Sin_(Akkad)&oldid=76730497

101Vgl. Edzard, S. 91.

102Vgl. Selz, S. 74.

  • 103Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=%C5%A0ar-kali-%C5%A1arri&oldid=68277942

104Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Sumerian_King_List&oldid=371690664

105Vgl. Edzard, S. 93ff.

106Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Uruk&oldid=65915118

107Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_der_Gut%C3%A4er&oldid=72845076

108Vgl. Selz, S. 74.

109Vgl. Edzard, S. 97f.

110Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Laga%C5%A1&oldid=65915238

111Vgl. Selz, S. 76.

112Vgl. Edzard, S. 98.

113Vgl. Selz, S. 79f.

114Vgl. Edzard, S. 97.

115Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Utuchengal&oldid=76344563

116Vgl. Edzard, S. 99ff.

117Vgl. Selz, S. 89ff.

118Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ur-Nammu&oldid=65914949

119Vgl. Edzard, S. 99ff.

120Vgl. ebd., S. 10ff.

121Vgl. Selz, S. 94.

122Vgl. ebd., S. 98ff.

123Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=%C5%A0ulgi&oldid=74596804

124Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Shulgi&oldid=367305181

125Vgl. Selz, S. 100.

126Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Amar-Sin&oldid=358497974

127http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Shu-Sin&oldid=366646867

128Vgl. Selz, S. 101f.

129Vgl. Edzard, S. 106ff.

130Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Isin&oldid=75300440

131Vgl. Edzard, S. 109.

132Vgl. Selz, S. 105.

133Vgl. ebd., S. 18.

134Vgl. Edzard, S. 109.

135Vgl. ebd., S. 99.

136Vgl. ebd., S. 109.

137Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_K%C3%B6nige_von_Larsa&oldid=46560416

138Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Nur-Adad&oldid=366352447

139Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rim-Sin_I.&oldid=75945311

140Vgl. Edzard, S. 45.

One thought on “Eine kurze Geschichte der Sumerer (und Akkader)

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