Aphorismus 54: Schuldzuweisungen

Warum der Mensch die Schuld an Geschehenem bei seinen Mitmenschen sucht? Sieht er ein, dass er sie bei sich selber findet, eine Veränderung aber nicht mehr möglich ist, so kann er nur phlegmatisch reagieren oder in Verzweiflung verfallen. Die Wut auf Mitmenschen ist dagegen wesentlich lebensbejahender, denn sie ist Kraft.

Das Böse

Das Böse wollte feiern geh’n entschied es beim Schlange steh’n. Abends es lud Freunde ein zu viel Bier und gar auch Wein. Doch feierte es dann allein denn jeder ihm sagte: „Nein.“ Alle noch Schlange standen, deshalb nicht zu ihm fanden. Das Böse, gekränkt in der Ehre, jetzt bös‘ sich nahm die Kehre und gegen […]

Nächtliche Gedanken (aus dem Leben eines Schriftstellers)

Die Axt wog schwer in seiner Hand. Sanft strich er ihr über den Kopf, wie über ein zartes Tier. Schwer lag sie in seinem Schoß; die Axt, sein einziger Freund. Die ewig Kühle, die Massive, die Reale. All die Hirngespinste, all die Furcht, all die Trauer. Die Einsamkeit, die Zweifel, die Frage nach dem Sinn […]

Aphorismus 55: Das deutsche Gesundheitswesen

Verlasse dich auf das deutsche Gesundheitswesen und du bist verlassen. Ärzte haben selten und dann alle gleichzeitig offen. Krankenhäuser sind unpersönlich, steril und brutal. Hilfe findest du im Notfall kaum. Und wenn doch, musst du zahlen.

Aphorismus 57: Egozentrismus

Die Welt ist n i c h t egozentristisch. – Auch wenn das jeder Mensch zu glauben scheint, der sich für das wichtigste in der Welt nimmt. Verglichen mit dem Ganzen sind sie nur Zellen: Zwar wichtige Bestandteile, aber nicht d a s Zentrum, n i c h t unersetzbar.

Aphorismus 59: Stil

Der (sich im Laufe der Zeit wohl sich durchaus ändernde) Stil des Autoren ist das wichtigste neben dem Inhalt. Es wichtiger, seinen eigenen Stil zu behalten denn sich zu ändern um einige unzufriedene Leser sich zu erhalten. Lediglich wer bloß für Mammon schreibt, mag dies nicht einsehn.