GaAL07 Weihnachten im Anderen Land

Eine Tages watschelte die kleine Ente durch das Andere Land. Sie besuchte die fröhlichen Gummibärchen, die aufgedrehten Hörnchen, die schlaue Ratte, das Zauberschaf, den alten Bernhardiner, den kleinen Pudel, die Käferfamilie – ja sogar die Kaninchen – und viele andere, um mit allen jeweils kurz zu schnattern. Einige waren erfreut sie zu sehen, andere dagegen zeigten sich genervt – und selbst die, welche die Ente wirklich mochten, kamen schnell auf den wahren Grund ihres Besuchs. Die Ente kam nicht bloß ihretwegen, vielmehr versuchte sie etwas herauszufinden. Es war nicht mehr lange bis Weihnachten und im Anderen Land war es schon lange zum Brauch geworden, sich auch gegenseitig etwas zu schenken. Zwar kam zu jedem noch der Weihnachtsmann, doch wollten sie sich so ihre Zuneigung zeigen. Die Ente nun wollte erfahren, ob auch alle an sie dächten. Das Ergebnis aber war niederschmetternd für die Kleine: Wo immer sie auch klopfte und höflich quakte, stets sagte man ihr schnell, dass es dieses Jahr von ihnen keine Geschenke gäbe – und das, obwohl die Ente das Wort Weihnachten noch nicht einmal erwähnte.

Nachdem sie überall gewesen war, setzte sie sich traurig an ihren Teich. Mochte sie denn wirklich niemand? Während sie darüber nachgrübelte und sich ihre Tränen mit dem Wassers des Teichs vermischten, hörte sie plötzlich ein Miauen hinter sich. Der Kater! – den hatte sie ja ganz vergessen! Geschmeidig kam das schwarze Tier angeschlichen und setzte sich neben sie. Er erkundigte sich nach ihrem Befinden, würde sie doch gar nicht gut aussehen. Die Ente erläuterte ihm daraufhin alles – dass sie befürchtete, niemand würde sie mögen, da niemand vorhatte ihr etwas zu schenken; wenngleich angeblich auch sich gegenseitig nicht. Da sprach der Kater, er hätte in letzter Zeit oft beobachten können, wie einige der anderen immer wieder zusammen in Tunneln nah der Höhlen der beiden Weisen verschwänden. Vielleicht würden sie dort etwas verstecken; vielleicht würde sich dort eine Antwort finden lassen auf die Fragen und Befürchtungen der Ente? Zwar hatte diese Bedenken, doch als der Kater bereits losging und ihr bloß zurief zu folgen, musste sie gehorchen.

Bevor sie sich versah, folgte sie dem Schwarzen bereits durch die Wiesen hinein in den Wald und immer weiter bis zu der schroffen Felsklippe, die in seiner Mitte in die Höhe ragt. Hier lebten die beiden Weisen in ihren Höhlen, doch zu denen wollten sie nicht. Trotzdem blieb die Ente kurz vor dem gewaltigen Tor stehen, das mit Geschehnissen aus dem Anderen Land versehen war. Nie hätte sie es gedacht, doch ein Bild zeigte den Weihnachtsmann, wie er die Bewohner des Anderen Landes, welche in einem Kreis versammelt waren, beschenkte. Und da – sah sie dort nicht sogar eine kleine Ente unter den Versammelten? Das Bild zog sie in seinen Bann. Beinahe schon konnte sie Laute der Versammlung um sich hören. Dort, am Rande – saß da nicht der Kater? – Der Kater! Erschrocken und in die Wirklichkeit zurückgerissen sah sich die Ente um, doch entdeckte nirgends den Kater. War er verschwunden? Hatte er sie allein gelassen? Schrecken überkam sie, wusste sie doch weder den Weg zu den Tunneln, noch den zurück zu ihrem Teich. Tränen stiegen ihr breits in die Augen, da hörte sie ein nahes Miauen. Es kam von der nächsten Biegung der Klippe. Schnell watschelte die Kleine in diese Richtung. Sie wollte bloß nicht alleine sein. Und tatsächlich – dort wartete der Kater und nur ein kleines Stück weiter sah sie auch bereits die Tunnel.

Während die Ente sich fragte, was dort wohl drin sein würde – ein gemeinsames Versteck für die Geschenke der anderen? – tauchten sie bereits tief in die Felsengänge ein. Schnell war es schwarz um sie und die Ente sah selbst ihren Schnabel nicht mehr. Wieder überkam sie Angst. War der Kater noch vor ihr? Ging es überhaupt noch geradeaus? Und was, wenn plötzlich ein tiefer Abgrund käme? Würde sie schnell genug hochfliegen können? – Wo war der Kater? Ängstlich entstieg ihr ein Quaken – und ein Miauen wies ihr den Weg. Schließlich erreichten sie auch eine Höhle. – Wenn dies ein Versteck war, dann war es ein gutes – so weit ab und düster. Doch wie sollte sie darin nun etwas sehen? – Der Kater kam ihr zur Hilfe, denn plötzlich leuchtete etwas. Was es war, konnte die Ente nicht feststellen – ihren Geist nahm die plötzliche völlige Leere einer riesigen Höhle ein. Keine Geschenke. Nichts. Nur feuchte Tropfsteine. Der Kater maunzte verwundert. Als er sah, dass die Ente bereits wieder traurig zurückwatschelte, folgte er ihr.

Auf dem Heimweg drehten sich ihre Gedanken immer wieder um die leere Höhle und die Befürchtung, dass niemand sie mögen würde. So bemerkte sie dann auch, als sie im Dunkeln heimkehrte, dass sich ihr Teich verändert hatte. Erst als sich auf einmal Lichter entflammten sah sie erstaunt auf. Alles war verziert und weihnachtlich geschmückt. Und dann kamen die anderen. All ihr Freunde waren da, mit ihr Weihnachten zu feiern. Die letzten Wochen hatten sie alles daran gesetzt sie in dem Glauben zu lassen, dass niemand Interesse an Weihnachten hätte und sie gleichzeitig das Datum vergessen zu lassen. Nun, an Weihnachten selber, hatte der Kater sie weggelockt, damit die anderen das Fest vorbereiten und sie überraschen konnten. Fröhlich feierten sie zusammen. Und zum Höhepunkt erschien sogar der Weihnachtsmann selbst.

Die Ente war wieder glücklich.

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