Zitat des Tages: Fetischismus

“Viele Menschen, Gruppen und Subkulturen haben zur Modernisierung ein distanziertes, utilitaristisches Verhältnis, das entsprechend instabil ist. Lebensweltliche Praktiken werden aus kulturellen Traditionen geschöpft, die der Vormoderne entstammen und willkürlich in die Lebensökonomie eingebaut werden, unter modernen Vorzeichen. […] funktionale Arbeitseffizienz unter der Woche, kollektive Ekstasen auf Techno-Veranstaltungen am Wochenende. […] Festivals imitieren die vergangene Kraft von Mysterien: Riten, Katharsis, erhabener Schauer […].

“Gott ist tot” bildet nicht den Übergang zu einer säkularen Gesellschaft, sondern zum Erwachen von Abertausenden neuer Götter […].
Setzt sich die Moderne noch in den Kontrapunkten ihrer selbst fort, oder bedienen sich umgekehrt die Kultformen der traditionellen Gesellschaften ebender Moderne zu ihrer um so mächtigeren Durchsetzung […]? Nichts scheint falscher zu sein als die These von der Entzauberung der Welt. […] die Entzauberung im Namen der Realität [hat] zu einem schwer kontrollierbaren, deswegen umso wirkungsvolleren Schub von Energien der Wiederverzauberung geführt [..].”
– H. Böhme: Fetischismus und Kultur (2006)

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