Warum laut Thomasius Selbstliebe notwendig ist.

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1. Einleitung

Christian Thomasius (1655 – 1728) war Jurist und Philosoph, einst tätig in Leipzig und Halle und bekannt für seine humanistischen Verbesserungen der Justiz, besonders die Abschaffung von Hexenprozessen und Folter. Thomasius war ein vernünftiger Mensch, der alles auf die Vernunft zurückführte und viel darüber schrieb. In seiner Einleitung zur Sittenlehre von 1692 findet sich auch ein Abschnitt über die ‘Vernünftige Liebe gegen uns selbst”, die ich hier zusammengefasst wiedergeben möchte, in der Hoffnung, es hier etwas verständlicher darzustellen, da Thomasius veraltete Sprache mitunter schwer zu verstehen ist. Da einiges von dem, was Thomasius sagte, für uns heutzutage wenig aufregend neu ist, kürze ich betreffende Stellen ein wenig.

2. Wie der Mensch mit sich selbst umgehen soll.1

Thomasius eröffnet damit, dass vernünftige Liebe anderen gegenüber erfordert, dass auch wir uns lieben und für uns sorgen. Damit ist gemeint, dass man alles tun muss, um seinen Lebenszweck zu erreichen. Das Leben ist begrenzt und nicht verlängerbar. Einige Tiere leben länger als wir, weil sie sich von Trieben und Instinkten leiten lassen. Wir Menschen dagegen können unsere Vernunft nutzen, herauszufinden, was für uns gut ist und dementsprechend leben. Aber ebenso können wir blind sein und das Falsche tun. Dem Menschen notwendig sind richtige Nahrung, wärmende Kleidung, eine schützende Wohnung, körperliche Betüchtigung, Ruhe und Erholung. Nutzt er etwas davon nicht richtig, verkürzt sich der Mensch sein Leben. Es kommt also auf den Menschen selber an, wie lange er lebt, denn es gibt keine von der Natur vorgebene Zeitspanne eines Menschen. Natürlich können auch Unfälle und Gewalt einen Menschen plötzlich aus dem Leben reißen, doch kann man dies ebenso gut als Strafe Gottes für Fehlverhalten ansehen. Zumindest sei es überflüssig darüber nachzugrübeln, warum Gott eine Lebensverkürzung zulassen sollte.

Wie gesagt ist die Liebe anderen gegenüber der Grund, dass wir auch uns lieben sollen. Denn wir sind für sie wichtig. Sie wollen für uns Gutes und wenn wir sie auch lieben, wollen wir ihnen ebenso Gutes. Und da wir wichtig für sind, bedeutet das, dass auch wir uns wichtig sein müssen. Die Liebe der anderen uns gegenüber ist deshalb die Richtschnur, an der wir uns orientieren können. Sein Leben erhält man zugunsten anderer. Wenn die Liebe anderen gegenüber aber stärker wird als die uns selbst gegenüber (denn man achtet meist stärker auf den Freund), wird jeder versuchen wollen vor den anderen zu sterben um ja nicht in die Situation zu kommen, ohne ihn zu sein. Dies ist das Paradoxon der Liebe.

Weiterhin führt Thomasius die Frage an, ob wir Schmach und Gewalt erdulden müssen, weil wir Menschen lieben sollen? Er meint, wir dürfen nicht-tugendhafte Menschen nicht hassen, aber wir dürfen uns wehren, jedoch nur bei wirklicher Gewalt, nicht schon bei bloßer Androhung. Sich zu wehren ist keine Liebe aber auch kein Hass, denn wir fügen ihm nicht wirklich den Schaden zu, das macht er selber durch seinen Angriff auf uns. Wann wir uns wehren dürfen, sagen uns Vernunft und Tugend.

Zur Liebe gegen uns gehört die Sorge um unsere Seele, unseren Körper und unsere Gesundheit. Ersteres will Thomasius nicht behandeln, da es genug Werke darüber gibt, Zweiteres nicht, da dies Aufgabe der Ärzte wäre. Doch am Schluss erwähnt er noch Wasser, Wein und Bier und lässt sich eine Weile über ihre Vor- und Nachteile aus, mit dem Schluss, das Nahrung betreffend das am gesündesten ist, was am wenigsten schmackhaft ist.

3. Literatur.

Thomasius, Christian: Einleitung zur Sittenlehre. Darmstadt: fotokop wilhelm weiher. Jahr unbekannt.

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Fußnoten:

1Vgl. Thomasius, Christian: Einleitung zur Sittenlehre. Darmstadt: fotokop wilhelm weiher. Jahr unbekannt, S. 337ff.

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