Individuum und Gesellschaft. Gustav Landauers sozialistischer Anarchismus.

Andre Schuchardt

präsentiert

Individuum und Gesellschaft.

Gustav Landauers

sozialistischer Anarchismus.

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Individuum, Subjekt und Gesellschaft 3

Der Begriff Individuum 3

Die Seele 4

Skepsis: Sinne, Subjekt, Objekt, Sprache. 4

Mystik: Welt im Individuum 5

Sprache und Begriffe 6

Der Seelenstrom 6

3. Anarchismus 8

Definition 8

Freiheit 9

Revolution 9

Pazifismus 9

4. Sozialismus, Gesellschaft 11

Gegen den Marxismus 11

Geist: Kultur, Bund und Freiheit 12

Moral 12

Kapitalismus 13

Der Staat 13

Gemeinschaft 14

Gemeinde und Verbände 15

Arbeitsorganisation im Sozialismus 16

Beginnen 16

5. Kritik an Landauer 18

6. Fazit 20

7. Literatur 21

1. Einleitung

Gustav Landauer wurde 1870 in Karlsruhe geboren und 1919 in München von Soldaten ermordet. Und das nur, weil er für eine neue Gesellschaftsform einstand, frei von allen Zwängen, der Verbindung von Anarchismus (Individuum) und Sozialismus (Gesellschaft). Dieses konnte natürlich den Monarchisten, Staatssozialisten, Kommunisten, Sozialdemokraten und Parlamentarier nicht gefallen. 1919 hatte Landauer aktiv an der Münchner Räterepublik teilgenommen, als Minister für Bildung, herbei gerufen von Kurt Eisner. Dieser wurde nur wenige Monate vor Landauer ermordet.

Diese Arbeit soll aufzeigen, was für ein Gesellschaftsmodell Landauer vorschwebte, welches er kurze Zeit sogar praktisch ausgelebt hatte. Doch Landauer war nicht nur Praktiker, wie z.B. der große Anarchist Michail Bakunin, sondern auch Literat, Gesellschaftskritiker und vor allem auch Philosoph. So kam er wenigstens noch dazu, sein System auch philosophisch zu begründen und dar zu stellen. Sein Hauptwerk hierzu war das Buch ‘Skepsis und Mystik’ von 1903 (überarbeitet 1905), welches teilweise auf seine Artikel in der Zeitschrift ‘Sozialist’ von 1893 bis 1896 zurück gehen. Um Landauers Auffassung von Gesellschaft zu verstehen, fangen wir hier deshalb mit seiner philosophischen Auffassung von Individuum und Gesellschaft an.

1911 schließlich veröffentlichte er das Buch ‘Aufruf zum Sozialismus’, welches größtenteils auf alte Artikel, Aufsätze und Ansprachen aus den Jahren zuvor zurück ging, und in welcher er sein Modell des Sozialismus erläuterte. Dieses Modell lebte er von 1909 bis zum Beginn des 1. Weltkrieges auch praktisch im sogenannten ‘Sozialistischen Bund’ aus.

Diese drei Gebiete: die philosophischen Grundlagen, der Anarchismus als Ziel und der Sozialismus als Mittel, ergänzt um Artikel aus dem ‘Sozialist’ von 1893 bis 1913, wollen hier behandelt werden. Hauptziel ist die Erklärung seiner Auffassung von Gesellschaft im anarchistisch-sozialistischen Sinne, und wie man sie praktisch verwirklichen kann. Um zur Gesellschaft zu kommen, muss man aber beim Individuum beginnen.

2. Individuum, Subjekt und Gesellschaft

Um in einer anderen, besseren Gesellschaft leben zu können, muss man sich erst selber ändern. In ‘Skepsis und Mystik’ sowie den diesem vorausgehenden Artikel ‘Zur Entwicklungsgeschichte des Individuums’ im ‘Sozialist’ behandelte Landauer genau diese Frage: wie wird der Mensch ein selbst bestimmendes und eigenverantwortliches Subjekt?1

Der Begriff Individuum

Landauer geht von dem Begriff Individuum aus, welcher ‘das Ungeteilte’ bedeutet und stellt die These auf, dass es eben nicht ungeteilt ist. Denn der „Mensch ist nicht einfach, nicht beständig, keineswegs unteilbar”2, sondern viel mehr soll er nur eine Summe von Trieben, Gedanken und Sinnen sein.3 Das Individuum bezeichnet er demnach als etwas Ganzes, bestehend aus vielen Einzelteilen.4 Doch dies widerspricht ja der ursprünglichen Bedeutung von Individuum als etwas Ungeteiltem. Deshalb stellt er sich die Frage, ob „es ein Ding [gibt], das man im absoluten Sinne Individuum nennen kann”.5 Und verneint dies mit der Antwort, dass es kein absolutes Individuum gibt, „sondern die Individuen sind nur Teile eines durchaus konkreten, ganz und gar nicht nachträglich konstruierten größeren sogenannten Individuums: der menschlichen Gesellschaft”.6

Damit haben wir den wichtigsten Ausgangspunkt seines Denkens erreicht, den Punkt, mit welchem er anfängt seine anarchistisch-sozialistische Utopie zu formulieren. Denn nach Landauer wäre die Gesellschaft das ursprüngliche, das natürliche, während sich das Individuum erst später entwickelt hätte. Dass man gegen die Art handeln würde, also egoistisch, statt altruistisch, wäre eine Entwicklung der letzten paar Hundert Jahre, womit er Stirner widersprechen will, der sagte, dass Egoismus der höchste Trieb ist.7

Als kurzen Einschub mag man hier aber anbringen, dass Stirner durchaus trotzdem noch recht haben könnte, bezieht man seine These halt nur auf die Gegenwart, statt auf die Menschheit im Allgemeinen seit Anbeginn ihrer Geschichte. Aber dies widerspricht wiederum nicht Landauer, der auch sagte, dass man grundsätzlich nicht gegen die Art handelt. Denn der Individualismus sei etwas neues, die Gesellschaft dagegen das alte und ursprüngliche.

Die Seele

Neben der Gesellschaft müsse man sich aber ebenso wieder mit der Natur verbinden, schon immer aber verhindert dies die Ansicht von einer selbständigen Seele. Die Idee von einem Objekt namens Seele verhindert nämlich das Zusammengehörigkeitsgefühl des Menschen mit der Natur8, da er sich damit ausgestattet als etwas besseres, als etwas der Natur überlegenes fühlt. Darum will Landauer beweisen, dass es keine wirkliche, keine selbständige Seele gibt. Hierzu zeigt er an, dass der menschliche Wille beschränkt und unfrei ist, da durch äußere (Außen- und Umwelt) und innere (Psyche, Körper) Umstände beeinflusst ist, und so schließt er, „ich kann nur wollen, was ich wollen muß.”9 Und wenn der Wille nicht frei ist, so schlussfolgert er, gibt es auch keine selbständige, sondern nur eine abhängige Seele. Das wiederum bedeutet, dass es kein absolutes und selbständiges Individuum gibt, sondern nur Gefüge, ein Ursachenkomplex. Seelische und körperliche Kräfte wie z.B. das Bewusstsein, führen einen aussichtlosen Kampf gegen natürliche Kräfte wie Reflexe und Triebe10, den sie nie gewinnen können.

Er sagt, „die Menschheit ist das Wirkliche, die einzelnen Menschen sind nur die auftauchenden, wandelbaren und wieder verschwindenden Schattenbilder, durch welche die Menschheit sichtbar wird.”11 Die Menschheit zeigt sich also im Individuum. Und so kann das Individuum die Menschheit auch voranbringen, sie sich entwickeln lassen, in dem er etwas vollbringt. Das Individuum ist also nicht völlig nutzlos oder ungewollt und: „Je mehr einer aus der Masse als ein Eigener, Besonderer und Selbständiger heraustritt, um so größeren Einfluß wird er auf die Entwicklung der Menschenart ausüben können.”12 Also negiert er keinesfalls das Individuum an sich, nur steht es nie alleine da, sondern ist immer Teil des Ganzen. Aber nicht im Sinne der Gleichschaltung, wie es z.B. im Marxismus oder der Utopia des Thomas Morus der Fall ist.

Skepsis: Sinne, Subjekt, Objekt, Sprache.

Schon laut Kant ist die Außenwelt, welche wir außerhalb unseres Hirnes wahr nehmen, eben nur dies: unsere subjektive Wahrnehmung. In dem Sinne ‘schaffen’ wir also sozusagen die Welt für uns erst, in dem wir sie wahrnehmen. Wir haben nur Vorstellungen, aber wissen nicht, was wirklich da draußen außerhalb unseres Kopfes ist.13 Es könnte ja genauso gut sein, dass unsere Sinne uns nur etwas vorspielen – oder dass jemand anderes unseren Sinne etwas vorspielt. Wie können wir schon sicher sein, dass unsere Sinne uns die Wahrheit sagen? Die Sinne teilen nur subjektive Erfahrungen mit, welche unser Denken wiederum nur unzureichend mit Sprache beschreiben kann. Der Sprache fehlt es dazu aber an vielen Ausdrücken. Die Welt ist so für uns ein subjektives Bild, das mit armseligen Mitteln erstellt wurde, den Sinnen und der Sprache. Ähnlichkeiten fassen wir zu einem Begriff zusammen, unähnliches ergibt einen neuen Begriff. Um nun die Welt wirklich zu erfassen, müssen wir uns von der Sprache und unseren Sinnen lösen.14 Die Sprache beherrscht das Denken, weshalb man sich ihrer entledigen muss.15 Dies nun nannte Landauer die Skepsis. Daraus folgte für ihn die Mystik.

Mystik: Welt im Individuum

Nun will er die Welt im Individuum finden und damit den Grund, warum wir in eine Gesellschaft gehören. Sobald man sagt, dass man selber eine isolierte Einheit ist, wird die Welt um uns Illusion. Nur wir existieren, alles andere ist Schein. Doch unser subjektives Gefühl kann wie schon gesagt sehr leicht ebenso nur eine Täuschung sein. Und die meisten Menschen erklären sie als Täuschung, denn sonst wäre man als isoliertes Individuum vollkommen allein auf der Welt, allein im Universum. Und wer will schon auf ewig alleine sein? „Ich verzichte auf die Gewißheit meines Ichs, damit ich das Leben ertragen kann.”16 Wir haben also nun unser isoliertes absolutes Ich aufgegeben, um Teil der Welt zu werden, das so genannte Weltich.17 Und damit auch wieder eine Widerlegung des absoluten Individuums.

Als begeisterter Anhänger des mittelalterlichen Mystikers Meister Eckhart, welchen er auch ins Deutsche übersetzte, nahm er dessen Lehren als Vorbild. Meister Eckhart erklärte, dass es reicht, das Wesen von etwas kleinem, winzigen zu erkennen, um darin die gesamte Welt zu erkennen. Doch dies kann nicht mit den Sinnen geschehen, jene sind dafür schließlich nicht geschaffen18, sie sind nicht fein und objektiv genug. Wie also können wir dies trotzdem erreichen? Ganz einfach: auch wir sind schließlich ein Teil der Welt und wir wollen diese erkennen? Dann reicht es bereits, in sich zu gehen und sich selbst zu erkennen, um auch die Welt zu erkennen. So erreichen wir die Gemeinschaft mit der Welt.19

Sprache und Begriffe

Aber zurück zu der unzureichenden Sprache. Unter den Scholastikern im Mittelalter tobte der so genannte Universalienstreit. Die Realisten erklärten abstrakte Gattungsnamen (wie das Wort ‘Topf’) zur Wirklichkeit, während die Nominalisten sagten, dass Begriffe nicht real, sondern nur Worte seien. Landauer unterschied zwischen Begriffen 2. Ordnung (wie Staat und Individuum, abstrakte und vom Menschen geschaffene Begriffe) sowie Begriffen 1. Ordnung (real existierendem wie Baum und Haus) und stimmte hier Stirner zu, welcher meinte, dass alle Unterdrückung nur von den Begriffen ausgehen würden, und man diese Begriffe (die der 2. Ordnung) zerstören müsste.20 Denn „es gibt keinen Staat, in dem die Menschen wohnen, es gibt die Staatsidee […]; es gibt kein Kapital […]; es gibt Beziehungen zwischen den Menschen, die ihnen Arbeit und Austausch ermöglichen, und aber Beziehungslosigkeit, die […] Ausbeutung […] ermöglicht.”21 Aber Stirner stieß die Autorität Gott vom Thron, nur um an dessen Stelle das isolierte Individuum zu setzen. Und ein isoliertes Individuum dürfe es ja nicht geben, wie schon gezeigt. Landauer will weiter dessen Nichtigkeit beweisen, beweisen, dass die Realisten recht hatten, dass es nur Gemeinschaften gibt und die Individuen nur Ausdruck des Gesamten sind22: „Das Individuum ist das Aufblitzen des Seelenstroms.”23

Der Seelenstrom

Zwar sehen wir von Außen nur Individuen, doch wir sind die Welt. Unsere Vorfahren wirken über uns in uns weiter, in dem sie uns erzeugten, uns ihre Erbanlagen gaben. „Alles was lebt, lebt für allemal.”24 Durch die Vererbung stehen wir mit unseren Vor- und Nachfahren in ewigem Bunde. In dem wir uns selber finden, finden wir auch unsere Vorfahren in uns. Sie wirken noch in uns und „alle Wirksamkeit ist wirklich, wirklich sind die großen Gemeinschaften […] und was wirklich ist […] das ist auch gegenwärtig.” „Wir sind die Augenblicke der ewig lebenden Ahnengemeinde.”25 Wer stirbt, lebt also in seinen Kindern und Werken auf ewig weiter, denn „so stirbt auch der Mensch und stirbt doch wieder nicht; in seinen Kindern, in seinen Werken lebt er selbst verwandelt […] weiter.”26 Dies unterstützt auch seine These, dass das Individuum sehr wohl nicht ungeteilt sei, wenn sich auch Werke und Kinder von ihm lösen und fortbestehen.27

Auch ist das Individuum durch Geburt festgelegt, nur der Charakter ändert sich durch Erfahrungen und äußere Umstände. „Unser Allerindividuellstes ist unser Allergemeinstes. Je tiefer ich mich in mich selbst heimkehre, um so mehr werde ich der Welt teilhaftig.”28 Die Sinne können dies aber nicht wahr nehmen. Wir müssen uns abgrenzen, den Strom der Außenwelt individualisieren, um seiner habhaft zu werden.29 Die Welt wiederum zeigt sich in uns, den Individuen. Individuelles im modernen Sinne ist neu, oberflächlig, kurzfristig, eine Entwicklung der letzten Jahrhunderte. Das echt Individuelle, welches die Menschheit voranbringt, in welcher sich die Welt zeigt, ist dagegen etwas altes, tiefes. „Und wenn erst einzelne Individuen sich selbst zur Gemeinschaft umgeschaffen haben, dann sind sie reif […] zu den Gemeinschaften derer, die sich vom Oberflächenbrei”30 absondern.

Und damit hätten wir sein Ziel erreicht: man muss sich selber verändern, um die Gesellschaft ändern zu können, um in einer anderen Gesellschaft leben zu können. Und Gesellschaft ist schließlich Zweck der Menschheit, nicht der moderne Individualismus. Erst so kann der Sozialismus Wirklichkeit werden. Eine Revolution macht schließlich erst Sinn, sobald sie das herrschende Denken durchstoßen kann.31 Und auf ähnliche Art wie von Landauer gefordert praktizierten die Siedlungen des Sozialistischen Bundes es dann auch: sie sonderten sich vom Staat ab, um zur Gemeinschaft zu finden32, sie lebten im sozialistischen Anarchismus.

3. Anarchismus

Als Ziel seiner Gesellschaftsvortellung sieht Landauer den Anarchismus, welchen er als Herrschaftslosigkeit, Staatslosigkeit, individuelle Freiheit beschreibt. Der Sozialismus, welcher Solidarität und genossenschaftliche Arbeit ist, stellt das Mittel dar, um das Ziel zu erreichen. Denn Freiheit ist nach Landauers Auffassung nur möglich, wenn die Lebensbedürfnisse durch ein brüderliches Zusammenhalten hergestellt werden.33 Anarchie ist hierbei das freie Leben und Wirken, das Entfalten und die Weiterentwicklung seiner natürlichen Kräfte, das Einwirken auf Natur, Mitmenschen und Kultur. Auch wenn viele sagen, Anarchie sei negativ und bedeute Individualismus und Egoismus, Sozialismus dagegen ist positiv und bedeutet Vergesellschaftung und beide seien deshalb unvereinbar: Landauer sieht seinen sozialistischen Anarchismus eher als Mittelweg zwischen beiden, was für ihn durchaus realisierbar ist.34

Definition

Was war für Landauer Anarchismus überhaupt? Landauers Anarchismus ist ein Anarchismus ohne Adjektive, also weder kommunistisch, kollektivistisch oder individualistisch, noch syndikalistisch.35 Vor allem bedeutete für ihn Anarchismus ja auch bereits Individualismus, was das Adjektiv dazu natürlich überflüssig macht; die anderen Richtungen dagegen entsprachen einfach nicht seiner Auffassung von Anarchismus. Und was für Menschen braucht es nach ihm für die neue Gesellschaft? Laut Landauer sind Anarchisten Gegenwartsverächter, Rebellen, Menschenfreunde, Zukunftsschwärmer, Aufklärer. Die Menschen sollen „frei und selbständig aus eigener Kraft sich ein eigenes Leben schaffen”36 wollen. Doch dazu muss man ihre Unwissenheit vertreiben, den Kampf Mensch gegen Mensch beenden. Die Menschen sollen sich zum Verbund zusammenschließen, hierin aber jeder die Position einnehmen, die er aufgrund Talent oder Veranlagung einnehmen kann37, denn Anarchismus ist auch gesellschaftliches Miteinander von Interessensgruppen38, hier natürlich im Sinne des Sozialismus. Nach Kant (1798), auf den sich Landauer auch beruft, ist Anarchismus höchster Ausdruck der Ornung: er ist Gesetz und Freiheit ohne Gewalt.39 Nichts darf über das Leben der Menschen herrschen, weshalb sie frei und freiwillig zusammen in der Gemeinschaft oder aber auch gänzlich alleine leben können – und sollen.

Freiheit

Die Betonung liegt auf freiwillig, denn soziale Beziehungen könne und dürfe man nicht erzwingen. Es müsse freiwillig geschehen, wofür aber die Menschen erst die richtige geistige Einstellung haben müssten. Den Schwerpunkt sah er deshalb auch im Geist, nicht im ökonomischen oder politischen Kampf.40 Für ihn war Anarchismus dynamisch, wandelbar, Ausdruck geordneter Freiheit im Denken und Handeln41, sah ihn als Kulturbewegung an. Nicht als Massenbewegung, was er nie sein könne, weshalb das Ziel lautete: „Individualitäten zu erwecken, sie zum Bewußtsein ihrer selbst zu bringen, trotziger Individualität des Geistes, des Charakters, des Temperamentes.”42 So gehörte für ihn zum Anarchismus auch Leidenschaft, welche aber eher die Südländer und Russen hätten, bei den Deutschen eher die Süddeutschen und Städtler. Und wie wir ja schon gesehen haben, müssen sich also die Menschen erst selbst ändern, bevor sie die Gesellschaft ändern können.

Revolution

Der Anarchismus stelle nach Landauer keine Partei da und könne auch nie eine sein, denn die Anarchisten wollen raus aus dem Staat, ihn loswerden, und nicht nach seinen Regeln spielen. So beschreibt er die Anarchisten als keine politische Bestrebungen habend, eher mit Bestrebungen gegen die Politik. Man will aus der Landeskirche austreten, „aus dem Staat, aus allen Zwangsgemeinschaften; radikaler Bruch mit den Überlieferungen des Privateigentums, des Fachmenschentums, der nationalen Absonderung und Überhebung.”43 Gegen alles das was bedrückt oder einengt auflehnen. Anarchismus war für ihn eine ewige, nie endende, sich stets erneuernde Revolte. Gesellschaft und Individuum müssen stetig prüfen, ob der gegenwärtige Status der gewollte ist, sich ständig verändern, nie damit aufhören.

Pazifismus

Landauer war für die Propaganda der Tat, wobei man aber streng pazifistisch vorgehen muss, denn Gewalt ist kein Mittel des Anarchismus.44 Er sah die Propaganda der Tat im sinne des aktiven Beispiels, nicht des Terrors. Gewalt war für ihn Despotismus, eine Zwangsherrschaft, und Herrschaft widerspricht dem Anarchismus. „Will ich die Herrschaftslosigkeit, so kann ich nicht nach der Herrschaft streben.”45 So schämte er sich auch für Attentate, die einige verblendete Individuen unter dem Mantel des Anarchismus ausgeübt haben, so unter anderem die Ermorderung der Kaiserin Elisabeth (Sissi) im Jahre 1898. Der Anarchismus dürfe keine Anhänger haben, die man genauso gut als Feinde ansehen könnte.46 Aber wer sich deshalb vom Anarchismus, von seinen Überzeugungen distanziert, ist für Landauer kaum besser.47 Er selber stand Zeit seines Lebens bis zum Ende zu seinen Überzeugungen. Jedoch sprach auch er später mehr vom Sozialismus, als vom Anarchismus, vielleicht aufgrund dessen negativen Konnokationen, die er früher ja noch bekämpfte. Oder war das Mittel zum Zweck geworden?

4. Sozialismus, Gesellschaft

Doch zumindest ursprünglich sah er Anarchismus als das Ziel an. Das Mittel, dieses Ziel zu erreichen, war für ihn der Sozialismus. Aber nicht im Sinne des Staatssozialismus, nicht im Sinne des Realsozialismus des Marxismus.

Gegen den Marxismus

Landauer war in vielen Punkten entschiedener Gegner des Marxismus. In mehr als einem Punkt widersprach er ihm. So bezeichnete er den Marxismus als Geistlosigkeit und Philistertum48 und widersprach ihm: der Sozialismus käme nicht irgendwann in ferne Zukunft, sondern wäre jederzeit möglich. Nicht erst nach einer Revolution, doch die Revolution müsse permanent in den Menschen selber statt finden. Auch dürfe er nicht mit einer Diktatur kommen, gleich von wem, ob nun Einzelner, Gruppe oder Proletariat.49 Der Sozialismus ist keine notwendige Stufe nach dem Kollaps des Kapitalismus, der naturgemäß auf dessen Höhepunkt kommen würde. Er könnte jederzeit kommen, sofern man nur dies will. Technischen Fortschritt stand er auch skeptisch gegenüber, vielmehr sah er das Ideal im bäuerlichen Mittelalter mit seinen kleinen autonomen Siedlungen. Landauer verwünschte geradezu den endlosen Fortschrittswahn, der alles gerade geschaffene weg schmeiße und durch besseres ersetzen wolle. Die Großindustrie, welche Marx als nötig ansah, bräuche eine Zentralmacht, was Landauers Ansichten natürlich quer stand. Eine Zentralmacht wäre auch keine Freiheit und natürlich erst recht keine Herrschaftslosigkeit. Nach Marx musste das Proletariat die Macht an sich reißen – Landauer propagierte dagegen Herrschaftslosigkeit. Außerdem würden im Marxismus alle gleich geschaltet werden, die Besonderheiten des Einzelnen gingen dabei unter.50 Hier kann man als Kritik an Landauer ansetzen, dass dieser Marxens theoretische Erkenntnisse nicht genug berücksichtigte. Doch er ist sehr wohl intensiv darauf eingegangen, hat auch das Kapital mehr als einmal gelesen. Auch kritisierte er stärker den Marxismus, als Marx selber. Dieser hatte selbst genug diffamierende und polemisierende Äußerungen in seinen Werken gebracht, als dass er dies nicht auch einmal verdient hätte.

Landauer hatte eine andere Auffassung von Sozialismus, als Marx und die Sozialdemokraten. Er war nicht der Auffassung, dass die Arbeiter erst nach einer Revolution etwas verstehen würden,51 denn dies würde Klassengedanken voraussetzen. Doch in jeder Klasse sah er Außergewöhnliche, die etwas leisten könnten und konnten. So will er auch Aufklärung und Bewusstheit in alle Schichten der Gesellschaft tragen. Denn jeder darf mitmachen, ohne Ausnahme, Sozialismus ist keine Bewegung für ein paar Privilegierte.52 Alle, die eine bessere Gesellschaft und Zukunft haben wollen, können jederzeit mitmachen. Allerdings gab er zu, dass die Arbeiter hier die ersten Ansprechpartner seien, da sie aufgrund ihrer ökonomischen und wirtschaftlichen Lage am ehesten zu überzeugen seien und am wenigsten zu verlieren hätten.53

Geist: Kultur, Bund und Freiheit

Der Sozialismus wie ihn Landauer definiert, soll wieder zu Höhe, zur Blüte, zur Kultur, zum Bunde und zur Freiheit führen, wie es die Menschheit ihm zufolge schon einmal hatte, dann aber wieder verlor. Denn seiner Ansicht nach, geschildert im Buche ‘Die Revolution’ (1907), haben Völker Aufstiege, Höhepunkte und Niedergänge, wobei wir uns seit ungefähr 1400 wieder im Niedergang befänden. Der Grund des Unterganges ist die Individualisierung, dagegen das natürliche die Gesellschaft.54 Deshalb bezeichnet er den Sozialismus als Kulturbewegung, weil sie zurück zum natürlichen und zur geistigen Höhe führen soll. Geistige Höhe ist hierbei die Kultur, Wissenschaft, Literatur, Glück, freies Ausleben, Liebe. Und vor allem auch Abschaffung aller negativen Zwänge.

Moral

Einer dieser Zwänge ist die Moral. Moral ist aber nur eine Summe von Pflichten. Und Pflicht ist etwas, das der Mensch tun soll und gilt nur für denjenigen, der eine Autorität über sich duldet, sei es nun Gott, ein Mensch oder der Staat. Möglich als Autorität ist auch eine innere Überzeugung, doch die Ansichten hierzu wandeln sich im Laufe der Zeiten. Vieles, was heute völlig normal ist, war früher unmoralisch – und umgekehrt. Doch was ist unmoralisch sein überhaupt? Wohl das Gegenteil von dem zu tun, was die restliche Gesellschaft will, das Gegenteil zur herrschenden Moral tun. Doch das klingt gleich wieder nach Zwang und Pflicht; als müsse man so handeln. Und Zwang und Pflicht wollen die Anarchisten ja nun überhaupt nicht haben. Was also statt der Moral? Natürlich das freie Ausleben seiner Individualität. Der Begriff ‘Moral’ ist also völlig überflüssig, denn er ist unnatürlich. Er ist Zwang. Niemand, der bei normalen Verstand ist, würde darauf kommen, jemanden umzubringen.55 Und das bereits, bevor ihm dies eine Moral auferlegt. „Ich kenne keine moralische Beurteilung; ich kenne lediglich die Frage: mit wem verkehre ich gerne? wer ist mir sympathisch? Und das richtet sich nach den Neigungen, Bestrebungen und Gedanken des Menschen! Es gibt kein unverbrüchliches „Du sollst” für einen freien Menschen!”56 Dies ist das anarchistische in Landauers Sozialismus.

Kapitalismus

Kapitalismus und Parlamentarismus führen zur Atomisierung des Individuums und damit zur Auflösung der Gesellschaft.57 Kapitalismus ist ein Übel für Landauer. Denn die „Erde, und damit die Möglichkeit des Wohnens, der Werkstatt, der Tätigkeit; die Erde und damit die Rohstoffe, die Erde und […] Arbeitsmittel sind im Besitze von Wenigen. Diese wenigen drängt es nach […] persönlicher Macht”58, ihre Produkte entsprechen nicht der Nachfrage sondern sie schaffen diese Nachfrage um existieren, um produzieren, um Geld verdienen zu können. Der Nutzen der Produkte ist hierbei unerheblich, allein das Geld, welches sie bringen, ist wichtig. Der Boden ist unfrei, man muss zahlen um ihn nutzen zu können, in Form von Miete, Pacht, Zins usw., es existiert ein Tauschmittel, welches man horten und ansammeln kann, dessen Wert niemals verjährt und letztlich gibt es den Mehrwert, das heißt die Differenz zwischen dem realen Wert eines Produktes und seinem Verkaufspreis. Dies alles sind die Gründe, die den Einzelnen zur Sklaverei im Kapitalismus führen,59 welcher wiederum eben diesen Kapitalismus auch am Leben erhält. Diesen Kreislauf muss man verlassen, den Kapitalismus besiegen. Der Boden müsse frei und für alle nutzbar sein, denn Boden ist freie Natur und die Natur dürfe niemandem gehören, auch nicht der Gemeinschaft, vor allem aber der Boden nicht.60 Deshalb müsse man ihn vom Staat zurück erobern.61 Sozialismus brauche eine „Herrenlosigkeit der natürlichen Güter”62, vor allem des Bodens, jeder muss sie nutzen können.

Der Staat

Für Landauer hatte der Staat keine Legitimation. Der Staat ist Geistlosigkeit, ein schlechter Ersatz für den natürlichen Gemeinschaftsgeist. Nationalität beschreibt er als etwas geistiges zwischen den Menschen, den Staat aber ist bloß als falschen Verbund63, als Zwang. Der Staat ist ein Zweckgebilde, ein Raumgebilde. Doch ein gutes und wahres Raumgebilde ist nur die Gemeinde. Nur deren Grenzen sind sinnvoll und natürlich. Der Staat dagegen ist historisch und unnatürlich gewachsen. Der Staat ist ein Wahn, dem der natürliche Gemeinschaftsgeist fehlt.64 Der Staat ist nur notwendig, solange es keinen Ersatz gibt, der „Staat ist ein Verhältnis, ist eine Beziehung zwischen den Menschen, […] und man zerstört ihn, indem man andre Beziehungen eingeht, indem man sich anders zueinander verhält.”65 Der Staat aber schafft Zwangsgemeinschaft. Warum geben sich heutzutage viele Menschen mit anderen Leuten ab, mit denen sie niemals freiwillig verkehren würden? Weil der Staat sie dazu zwingt, weil sie in seiner Zwangsgemeinschaft leben. Wer nach den Vorgaben des Staates handelt, wer seine Regeln befolgt, der erhält ihn am Leben. Im Kapitalismus ist die individuelle Existenz eine ungewisse.66 Denn der Staat beutet alle nur aus, er schafft Konkurrenz zwischen den Arbeitern und bringt ihnen so Elend.67 Der sozialdemokratische Staat lindert das Elend zwar, schafft es aber nicht ab.68 Landauers Ziel dagegen war deshalb die Abschaffung des Staates zur Abschaffung des Elends. Eine sozialistische Gesellschaft kann nach Landauer nur außerhalb des Staates reifen.69 Das ginge aber erst, sobald die Menschen sich geistig umgeschaffen hätten, bereit wären für das neue. Dass die Menschen sich ändern, die Umwandlung der Gesellschaft, sie kann laut Landauer nur in Liebe, in Arbeit und im Stillen geschehen.70 Eine Revolution darf nicht gewalttätig sein. Die Zerstörung des Staates müsse durch geistige Regeneration der Menschheit passieren.71

Gemeinschaft

Die Gemeinschaft stellt für Landauer keinen Zwang da. Wer alleine gehen mag, kann dies tun, nur zweifelt er stark an Erfolg und Sinn dieser Unternehmung. Zusammen ist man schließlich stärker, kann man mehr erreichen. Doch auch innerhalb der Gemeinschaft ist man in dem, was nur einen selber angeht, allein. „Menschenvereinigung in Menschheitsinteressen, Volksvereinigung in Volksangelegenheiten, Gruppengemeinschaft in Sachen der Gruppen, Vereinigung von zweien, wo zwei für sich gehen, Vereinzelung in allem, was nur das Individuum angeht.”72 Statt einem Staat mit seinen Zwangsgemeinschaften will er ein freies, ein freiwilliges Zusammenfinden. Man bleibt nur in einer Gruppe solange man dies will und solange die Notwendigkeit besteht, etwas zusammen zu tun, man ist jederzeit frei wieder zu gehen. Jede Gruppe einigt sich selber ihre Angelegenheiten betreffend, kein obriger Staat soll dort hineinsprechen. Für Landauer ist es selbstverständlich, dass sich Gruppen zusammen finden werden. Denn das Individuum ist ja nur ein Teil der Gesamtheit, nicht die Gesamtheit ein Zusammenschluss von Individuen.

Gemeinde und Verbände

Die Gemeinde, das nach Landauer einzig legitime Raumgebilde, ist die Verwirklichung des freien Zusammenschlusses. In ihr ist jeder Erwachsene in seinen eigenen Angelegenheiten selbständig, die Gemeinde mischt sich hier nicht ein. Dasselbe betrifft diese auch selber, auch sie kümmert sich allein um ihre Angelegenheiten, womit die öffentlichen Interessen wie Infrastruktur und Bildung gemeint sind.73 Wenn die Notwendigkeit besteht oder die Gemeinschaft es beschließt, können sich aber auch zwei oder mehr Gemeinden zusammenschließen zu Kreisverbänden. Diese wiederum zu Provinzen und so weiter. Die Entscheidung dies zu tun trifft dabei die Gemeinschaft. Das heißt, jeder einzelne in der Gemeinde. In einer Gemeindeversammlung finden sie zusammen und treffen ihre Beschlüsse, wobei die genaue Art der Beschlussfassung jeder Gemeinschaft selbst überlassen ist. Hierbei entscheiden sie auch, ob sie an größeren Verbänden teilnehmen. Wenn je, wählen sie Delegierte aus ihren Reihen, die sie zu den Versammlungen des nächst höheren Verbandes schicken. Diese Delegierte haben nur dem Willen des Volkes zu gehorchen. Führen sie etwas aus, dass gegen diesen Willen ist, werden sie ersetzt. So kommt es von den einzelnen Gemeinden bis hoch zu einem eventuellen Weltverband.74 Die Gesamtheit des Verbandes sorgt für Schutz des Einzelnen. Das Zusammenfinden beruht auf eigener Wahl und Fähigkeit.75

Nach Landauer bräuchte es auch eine Erneuerung des Schulsystems. Da die Erziehung nur für Privilegierte sei, um das Volk dagegen dumm zu halten, bräuchte es mehr freie Genossenschaftsschulen, in deren Schulpläne der Staat nicht hinein reden dürfte. Erziehung müsste für alle sein, nicht nur für die Privilegierten. Damit spielte er auf die escuelas modernas von Ferrer an.76

Arbeitsorganisation im Sozialismus

Gegen alle, die befürchten, dass jeder nur noch faulenzen würde, wenn die neue Gesellschaft da ist, wenn seine Entscheidung zu arbeiten frei wäre, hatte Landauer so einiges zu sagen. Zur konkreten Arbeitsorganisation gäbe es im Anarchismus verschiedene Meinungen, hauptsächlich aber zwei. Die ersten sind die Anhänger des freien Genussrechtes, die Kommunisten: jeder produziert und konsumiert nach eigenen Bedürfnissen. Die Arbeit würde so durch Vernunft und öffentlich bekundetes Interesse entstehen, Faulenzer würden verachtet werden. Landauer hält diese Form zwar für möglich, aber nicht gerecht. Er befürchtete, dass so eine neue Moral entstehen würde, die aussagt, dass nur die hart arbeitenden bessere Menschen seien. Als zweite Gruppe nannte er die Anhänger des natürlichen Egoismus: jeder arbeitet für sich und für angebotene Vorteile, so würde z.B. schmutzige und ungewollte Arbeit höher entlohnt werden. Dazu fielen ihm aber auch einige mögliche Einwände ein, die er sogleich verneinte. Eine Ungerechtigkeit gegenüber körperlich oder geistig schwächeren sei nicht zu fürchten, da man natürliche Anlagen fördert, die Arbeit entsprechend einteilt und völlig Arbeitsuntaugliche schließlich versorgt. Denn es ist ja genug für alle da. Eine neue Ausbeutung durch Ansammlung individuellen Reichtums sei auch nicht zu fürchten, da die Menschen in der Anarchie schon darauf achten würden, dass der Boden und die Arbeitsmittel weiter frei bleiben. Und mehr braucht man ja nicht. Privater Besitz ist vollkommen in Ordnung, damit kann man ja niemanden ausbeuten, nur kein Besitz an öffentlichen Miteln. So kann man also nur für sich selber reich werden, ohne andere auszunutzen. Schließlich sah er die Befürchtung, dass eine Gruppe sich Vorteile verschaffen könnte, indem sie andere ausschließt. Das würde aber zu einem Boykott durch andere Gruppen führen und die Gruppe hätte auf diese Art nicht lange Gelegenheit zu bestehen. Doch letztlich meinte er, man könne noch nicht völlig absehen, welche der zwei Systeme das bessere sei, man müsse es praktisch austesten.77 Auch Hunger oder Not bräuchte niemand fürchten. „Mit Hilfe der menschlichen Arbeitstechnik ist eine so unendliche fülle von Gütern aufgestapelt oder wenigstens sofort zu erzeugen, daß kein Mensch zu entbehren braucht.”78

Beginnen

Damit der Sozialismus kommen kann, darf man nicht nur davon sprechen, man muss ihn bereits ausleben. Dazu braucht es einen aktiven Generalstreik, in dem die Arbeiter nicht mehr für die Kapitalisten herstellen und sie so aushungert. Denn dann nützt ihnen auch das Geld nichts mehr, wenn niemand mehr für sie arbeitet.79 Man muss den Sozialismus ausleben, man muss handeln, nicht bloß ein Ideal haben, nicht bloß davon reden. Doch wie beginnt man den Ausstieg? Die Arbeiter sollen erstens ebenfalls das Kapital nutzen können, zweitens aufhören, für den Kapitalismus zu arbeiten. Statt dessen sollen sie sich zu einer Konsumtionsgemeinschaft zusammenschließen, in welcher sie Kapital zusammenlegen und sich damit das frei kaufen, was sie fortan zur Produktion und zum Leben benötigen. Diese Konsumgenossenschaft hätte eine feste Kundschaft, nämlich sich selbst. Dies könnte ein Vorbild sein für das, was kommen soll.80 Kapital sei erstens Arbeitsprodukte, die zur Produktion nötig seien, zweitens Kredit im Sinne der Gegenseitigkeit zwischen Menschen, drittens die menschliche Arbeit und ihre Produktion und viertens Kundschaft und Konsum.81 Man muss frei zusammen arbeiten und tauschen. Dies ist bereits das Kapital. Geld braucht man nicht, wenn man sich vereint. Kapitalismus macht unselbständig, weshalb ein Bund von selbständigen und untereinander tauschenden Gemeinden nötig ist.82

Und neben abstrakten theoretischen Überlegungen, formulierte Landauer auch völlig praktische Forderungen. So begründete er auch zusammen mit Erich Mühsam und Martin Buber den Sozialistischen Bund, welcher die theoretischen Ansprüche praktisch ausleben sollte. Es wurden aktiv Siedlungen gegründet. Erst der 1. Weltkrieg und später Landauers Ermordung boten dem Einhalt.

5. Kritik an Landauer

Landauers Ansichten Kritik auszusetzen, ist nicht unbedingt einfach. Vieles hat er schon vorausgesehen und beantwortet. Die meisten Kritikpunkte setzen eher an dem Anarchismus an sich an, als speziell bei Landauer. Meist wird gesagt, dass ohne Herrschaft überhaupt keine Gesellschaft möglich ist. Anderes, dass man in einer Gesellschaft so oder so einen Teil von sich aufgeben muss, Anarchismus und Sozialismus also nicht völlig verbindbar sind. Doch diese haben vermutlich nicht genau verstanden, was Landauer wollte. Und tatsächlich basiert der Glaube von Landauer wohl zum Großteil auf der Hoffnung, dass die Menschen tatsächlich mitmachen. Aber wie er selber sich so oft so gut herausreden konnte: wirklich sehen ob es funktioniert, kann man erst, wenn es praktisch verwirklicht wird. Leider kam er ja nie wirklich dazu, seinen Sozialistischen Bund komplett auszuleben. Die allgemeine Not im Deutschen Reich während des ersten Weltkrieges beendete diese Bemühungen.

Ein weiterer Punkt ist, dass Landauer keine wirkliche Theorie aufstellte. Vieles an ihm ist Utopie und Mystik. Die meisten seiner Forderungen waren dagegen praktischer Natur. Das er keine klare Theorie hatte, ist aber nicht unbedingt schlecht. Denn so konnte er sein nur schwach vorhandenes Modell jederzeit den gegebenen Umständen anpassen. Es gibt ein Grundgerüst, einen roten Faden, und dessen Umgebung wird jeweils angepasst.

Wie gesagt ist es bloß Hoffnung, dass die Menschen sich so verhalten, wie von ihm voraus gesagt. Zumindest im kleinen Kreise funktioniert es aber gut und hat auch schon oft funktioniert, die Hippie-Kommunen und neuere Modelle sind allesamt seine heimlichen Nachfahren. Meist aber ohne es zu wissen. Dagegen stellt sich die Frage, wie der Mensch denn überhaupt zu dem höheren Geist finden soll, wie er es schaffen soll, sich umzubilden. Da lässt Landauer seine Leser allein und sein Modell insofern nur offen für die, die schon von Natur und sich selbst aus so denken wie er. Aber vielleicht war dies auch genau seine Absicht. Nur die um sich scharen, die so denken wie er.

Er wurde auch nie sehr bekannt, was unter anderem daran lag, dass er sich fern jeder Politik hielt und Organisation ablehnte. Ein anderer Grund ist aber der altbekannte Satz, dass der Sieger die Geschichte schreibt. Und Revolutionäre und Anarchisten kamen dabei nie gut weg.

Landauers Stellung gegen den Fortschritt mag etwas konservativ und überholt sein. Aus heutiger Sicht muss man dort nicht ganz so viel Angst haben, wie zu seiner Zeit, als es zu befürchten galt, dass Maschinen bald jeden und alles ersetzen mögen. Doch weiterhin aktuell bei ihm ist hierbei die Verachtung gegenüber dem Fortschrittswahn. Was wird heute noch großartig für die Ewigkeit hergestellt? Der Kapitalismus will schließlich produzieren und verdienen.

Von anderer Seite wird Landauer vorgeworfen, er habe Stirner oder Marx nicht richtig verstanden oder gewürdigt. Natürlich kommen diese Vorwürfe von Anhängern der genannten Personen. Landauer kannte beide äußerst gut, war früher ein Stirner-Anhänger, später stimmte er ihm nur noch in geringem Umfange bei. Soll dies sogleich ein Indiz dafür sein, dass Landauer Stirner verdrängt statt verarbeitet hätte? Zumindest ich kann diesem Argument nicht völlig folgen. Ist es nicht auch unerheblich für Landauers Thesen, ob er sich nun auf Stirner beruft oder nicht? Und was Marx anbelangt, er kannte seine Arbeiten und erkannte sicherlich dessen Genialität als Wissenschaftler und Geschäftsmann. Dass man dessen Methoden deshalb gutheißen müsste, ist darin aber nicht enthalten.

Weiterhin sagt man, Landauers Mystik käme aus seinem jüdischen Hintergrund und würde in dessem Rahmen stecken bleiben. Jemand wie Stirner und festen Hintergrund käme da weiter. Dazu kann ich nur sagen: selbst wenn dieser Vorwurf psychologisch korrekt ist, was ändert das? Landauers Thesen sind seine Thesen, und keine anderen. Hätte er anders gedacht, wäre es etwas anderes gewesen, und eben nicht das, was er gedacht hat. Wir reden über die bestehenden Thesen, nicht darüber, wie es hätte sein können. Dann würden wir es vielleicht auch gar nicht tun.

Zuletzt noch kommen die in der Philosophie ja so allseits beliebten Mockierungen gegenüber angeblich falsch benutzten Begriffen. Dazu kann ich nur sagen, dass es zwar durchaus korrekt sein mag, einzelne Begriffe zu diskutieren, doch im Großen und Ganzen ist dies absolute Kleinkrämerei. Wir wissen, was er sagen wollte, da ist es unerheblich, ob man einen Begriff auch anders auslegen kann oder ob er mittlerweile vielleicht veraltet ist. So habe ich in dieser Arbeit absichtlich den Begriff Proletarier vermieden, stattdessen aber den Begriff Arbeiter genommen, da an sich beide dasselbe aussagen. Ähnlich mag man es für andere Begriffe vornehmen. Und schließlich darf man nicht vergessen, dass es Landauer Ansicht war, die Sprache zu überwinden. Warum also an ein paar Begriffen aufhalten? Wir müssen verstehen, nicht sprechen.

6. Fazit

Gustav Landauer war einer der größten Visionäre unter den Menschen, Anarchisten und Sozialisten. Seine Thesen sind noch heute aktuell und visionär. Viele konnten im kleinen Rahmen durchaus funktionieren, wurden jedoch durch äußere Umstände wie den noch bestehenden Staat und Kapitalismus aufgehalten. Seine Kritik und Abneigung dem Marxismus gegenüber kann man heutzutage nur noch zustimmen, da wir sahen, wie es kam. Durch seinen etwas lockeren Aufbau seiner Thesen und häufiger Zugeständnisse, dass man sehen müsse, ob es auch funktioniert, ist er nur schwer angreifbar. Und so ende ich wie Landauer, indem ich sage, dass wir sehen müssen, ob sein System funktioniert, es aber sehr erstrebenswert wäre.

7. Literatur

  • Herrmann, Jens: Gustav Landauers Gemeinschaftsutopie. In: Politische Gemeinschaften. http://anarchismus.at/txt5/raberalf1.htm (abgerufen: 22. Juli 2008)
  • Heydorn, Hans-Jachim: Vorwort (1967) In: Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus.
  • Landauer, Gustav: Anarchismus – Sozialismus (1895) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Arbeiter aller Länder, vereinigt euch! (1895) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus (1908) In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist!
  • Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus (1911) In: Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus. 1967.
  • Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus. 1967, Frankfurt am Main/Wien, Europa Verlag.
  • Auch online verfügbar: http://www.utopie1.de/L/Landauer/Sozialismus/index.htm
  • Landauer, Gustav: Beschreibung unserer Zeit (1909) In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Der Anarchismus in Deutschland (1895) In: Wolf, Siegbert (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Die Erdolchung der Kaiserin von Österreich (1898) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Die Fortführung von Ferrers Werk (1909) In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Die geschmähte Philosophie (1893) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Die preußischen Wahlen (1913) In: Wolf, Siegbert (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Ein paar Worte über Anarchismus (1897) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Die Revolution (1907). 1974, Berlin, Karin Kramer Verlag.
  • Landauer, Gustav: Etwas über Moral (1893) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Flugblatt 1: Was will der Sozialistische Bund? (1908) In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist!
  • Landauer, Gustav: Genug, ihr Heuchler! (1898) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Individualismus (1911) In: Wolf, Siegbert (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Kulis und Proletarier (1893) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Leitsätze der Politik (1910) In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist!
  • Landauer, Gustav: Manchesterfreiheit – Staatshilfe – Anarchie / Politische Unfreiheit – politische Mitarbeit – Negation des Staats (1893) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Schwache Staatsmänner, schwächeres Volk! (1910) In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist!
  • Landauer, Gustav: Skepsis & Mystik: Versuche im Anschluß an Mauthners Sprachkritik (1903 / 1905). 1978, Wetzlar, Verlag Büchse der Pandora.
  • Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist! 1991 Luzern, Edition Libertaire.
  • Landauer, Gustav: Vom Wahn und vom Staat (1907) In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Von der Siedlung (1913) In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.): Gustav Landauer. Entstaatlichung – für eine herrschaftslose Gesellschaft.
  • Landauer, Gustav: Vorwort zur zweiten Auflage (1919) In: Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus.
  • Landauer, Gustav: Zur Entwicklungsgeschichte des Individuums I, II, III (1895-1896) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Link-Salinger, Ruth (Hrsg.): Signatur: g.l.. Gustav Landauer im „Sozialist”. Aufsätze über Kultur, Politik und Utopie (1892-1899). 1986 Frankfurt am Main. Suhrkamp Verlag.
  • Mühsam, Erich: Der revolutionäre Mensch Gustav Landauer (1925) In: Landauer, Gustav: Die Revolution (1907).
  • Wolf, Siegbert (Hrsg.): Gustav Landauer: Auch die Vergangenheit ist Zukunft. Essays zum Anarchismus. (1989) Luchterhand Literaturverlag.
  • Wolf, Siegbert: Gustav Landauer zur Einführung (1988). 1. Auflage, Hamburg, Ed. SOAK im Junius Verlag
  • Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.): Gustav Landauer. Entstaatlichung – für eine herrschaftslose Gesellschaft. ²1978 Wetzlar, Verlag Büchse der Pandora.
  • Herrmann, Jens: Gustav Landauers Gemeinschaftsutopie. In: Politische Gemeinschaften. http://anarchismus.at/txt5/raberalf1.htm (abgerufen: 22. Juli 2008)
  • Heydorn, Hans-Jachim: Vorwort (1967) In: Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus.
  • Landauer, Gustav: Anarchismus – Sozialismus (1895) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
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  • Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus (1908) In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist!
  • Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus (1911) In: Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus. 1967.
  • Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus. 1967, Frankfurt am Main/Wien, Europa Verlag.
  • Auch online verfügbar: http://www.utopie1.de/L/Landauer/Sozialismus/index.htm
  • Landauer, Gustav: Beschreibung unserer Zeit (1909) In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Der Anarchismus in Deutschland (1895) In: Wolf, Siegbert (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Die Erdolchung der Kaiserin von Österreich (1898) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Die Fortführung von Ferrers Werk (1909) In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Die geschmähte Philosophie (1893) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Die preußischen Wahlen (1913) In: Wolf, Siegbert (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Ein paar Worte über Anarchismus (1897) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Die Revolution (1907). 1974, Berlin, Karin Kramer Verlag.
  • Landauer, Gustav: Etwas über Moral (1893) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Flugblatt 1: Was will der Sozialistische Bund? (1908) In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist!
  • Landauer, Gustav: Flugblatt des Sozialistischen Bundes (1910). In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Genug, ihr Heuchler! (1898) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Individualismus (1911) In: Wolf, Siegbert (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Kulis und Proletarier (1893) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Leitsätze der Politik (1910) In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist!
  • Landauer, Gustav: Manchesterfreiheit – Staatshilfe – Anarchie / Politische Unfreiheit – politische Mitarbeit – Negation des Staats (1893) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Schwache Staatsmänner, schwächeres Volk! (1910) In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist!
  • Landauer, Gustav: Skepsis & Mystik: Versuche im Anschluß an Mauthners Sprachkritik (1903 / 1905). 1978, Wetzlar, Verlag Büchse der Pandora.
  • Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist! 1991 Luzern, Edition Libertaire.
  • Landauer, Gustav: Vom Wahn und vom Staat (1907) In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.).
  • Landauer, Gustav: Von der Siedlung (1913) In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.): Gustav Landauer. Entstaatlichung – für eine herrschaftslose Gesellschaft.
  • Landauer, Gustav: Vorwort zur zweiten Auflage (1919) In: Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus.
  • Landauer, Gustav: Zur Entwicklungsgeschichte des Individuums I, II, III (1895-1896) In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.).
  • Link-Salinger, Ruth (Hrsg.): Signatur: g.l.. Gustav Landauer im „Sozialist”. Aufsätze über Kultur, Politik und Utopie (1892-1899). 1986 Frankfurt am Main. Suhrkamp Verlag.
  • Mühsam, Erich: Der revolutionäre Mensch Gustav Landauer (1925) In: Landauer, Gustav: Die Revolution (1907).
  • Wolf, Siegbert (Hrsg.): Gustav Landauer: Auch die Vergangenheit ist Zukunft. Essays zum Anarchismus. (1989) Luchterhand Literaturverlag.
  • Wolf, Siegbert: Gustav Landauer zur Einführung (1988). 1. Auflage, Hamburg, Ed. SOAK im Junius Verlag
  • Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.): Gustav Landauer. Entstaatlichung – für eine herrschaftslose Gesellschaft. ²1978 Wetzlar, Verlag Büchse der Pandora.

Bemerkungen:

1vgl. Wolf, Siegbert: Gustav Landauer zur Einführung (1988). 1. Auflage, Hamburg, Ed. SOAK im Junius Verlag, S. 44.

2Landauer, Gustav: Etwas über Moral (1893), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.): Signatur: g.l.. Gustav Landauer im „Sozialist”. Aufsätze über Kultur, Politik und Utopie (1892-1899). 1986 Frankfurt am Main. Suhrkamp Verlag, S.282

3vgl. ebd., S. 282

4vgl. Landauer, Gustav: Zur Entwicklungsgeschichte des Individuums I (1895), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.): Signatur: g.l.. Gustav Landauer im „Sozialist”. Aufsätze über Kultur, Politik und Utopie (1892-1899). 1986 Frankfurt am Main. Suhrkamp Verlag, S. 325

5ebd., S. 326

6vgl. ebd., S. 328

7vgl. ebd., S. 327

8vgl. Landauer, Gustav: Zur Entwicklungsgeschichte des Individuums III (1895), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.): Signatur: g.l.. Gustav Landauer im „Sozialist”. Aufsätze über Kultur, Politik und Utopie (1892-1899). 1986 Frankfurt am Main. Suhrkamp Verlag, S. 334.

9ebd., S. 336.

10vgl. ebd., S. 337.

11Landauer, Gustav: Zur Entwicklungsgeschichte des Individuums I (1895), a.a.O., S. 328

12Landauer, Gustav: Zur Entwicklungsgeschichte des Individuums III (1895), a.a.O., S. 338

13Landauer, Gustav: Skepsis und Mystik (1903/05), S. 4.

14vgl. Landauer, Gustav: Skepsis und Mystik: Versuche im Anschluß an Mauthners Sprachkritik (1903 / 1905). 1978, Wetzlar, Verlag Büchse der Pandora, S. 6.

15vgl. Wolf, Siegbert: Gustav Landauer zur Einführung (1988). 1. Auflage, Hamburg, Ed. SOAK im Junius Verlag, S. 44.

16Landauer, Gustav: Skepsis und Mystik, a.a.O., S. 7.

17vgl. ebd., S. 8.

18vgl. ebd., S. 9.

19vgl. ebd., S. 10.

20vgl. ebd., S. 12.

21Landauer, Gustav: Individualismus (1911), In: Wolf, Siegbert (Hrsg.): Gustav Landauer: Auch die Vergangenheit ist Zukunft. Essays zum Anarchismus. (1989) Luchterhand Literaturverlag, S. 140.

22vgl. Wolf, Siegbert, a.a.O., S. 47.

23ebd., S. 13.

24ebd., S. 14.

25ebd., S. 15.

26ebd., S. 16.

27vgl. Landauer, Gustav: Zur Entwicklungsgeschichte des Individuums I (1895), a.a.O., S. 328.

28Landauer, Gustav: Skepsis und Mystik (1903/05), a.a.O., S. 17.

29vgl. ebd., S. 17.

30ebd., S. 18.

31vgl. Wolf, Siegbert, a.a.O., S. 45.

32vgl. ebd., S. 49.

33vgl. Landauer, Gustav: Anarchismus – Sozialismus (1895). In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.): Signatur: g.l.. Gustav Landauer im „Sozialist”. Aufsätze über Kultur, Politik und Utopie (1892-1899). 1986 Frankfurt am Main. Suhrkamp Verlag.

34ebd., S. 219.

35vgl. Landauer, Gustav: Der Anarchismus in Deutschland (1895) In: Wolf, Siegbert (Hrsg.): Gustav Landauer: Auch die Vergangenheit ist Zukunft. Essays zum Anarchismus. (1989) Luchterhand Literaturverlag., S. 50.

36ebd., S. 46.

37vgl. ebd., S. 46f.

38vgl. Wolf, Siegbert, a.a.O., S. 16.

39vgl. ebd., S. 17

40vgl. Landauer, Gustav: Der Anarchismus in Deutschland (1895), a.a.O., S. 50

41vgl. Mühsam, Erich: Der revolutionäre Mensch Landauer. In: Gustav Landauer: Die Revolution (1907). 1974, Berlin, Karin Kramer Verlag S. 121.

42Wolf, Siegbert, a.a.O., S. 20

43Landauer, Gustav: Ein paar Worte über Anarchismus (1897), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.): Signatur: g.l.. Gustav Landauer im „Sozialist”. Aufsätze über Kultur, Politik und Utopie (1892-1899). 1986 Frankfurt am Main. Suhrkamp Verlag, S. 251

44vgl. Wolf, Siegbert, a.a.O., S. 18

45Landauer, Gustav: Manchesterfreiheit – Staatshilfe -Anarchie. Politische Unfreiheit – politische Mitarbeit – Negation des Staates (1893), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.), a.a.O.

46vgl. Landauer, Gustav: Die Ermordung der Kaiserin von Österreich (1898), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.), a.a.O.

47vgl. Landauer, Gustav: Genug, ihr Heuchler! (1898), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.), a.a.O.

48vgl. Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus (1911), Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus. 1967, Frankfurt am Main/Wien, Europa Verlag.

49vgl. Landauer, Gustav: Flugblatt 1: Was will der Sozialistische Bund? (1908). In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist! 1991 Luzern, Edition Libertaire.

50vgl. Wolf, Siegbert, a.a.O., S. 34ff.

51vgl. Landauer, Gustav: Die geschmähte Philosophie (1893), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.), a.a.O., S. 276

52vgl. ebd., S. 277

53vgl. ebd., S. 279

54vgl. Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus (1911), a.a.O., S. 60ff.

55vgl. Landauer, Gustav: Etwas über Moral (1893), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.), a.a.O., S. 281ff.

56ebd., S. 284

57vgl. Hans-Joachim Heydorn: Vorwort. In: Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus (1967).

58Gustav Landauer: Aufruf zum Sozialismus (1911), a.a.O., S. 69

59vgl. Jens Herrmann: Gustav Landauers Gemeinschaftsutopie. In: Politische Gemeinschaften. 2005

60vgl. Gustav Landauer: Flugblatt des Sozialistischen Bundes, 1910. In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.): Gustav Landauer. Entstaatlichung – für eine herrschaftslose Gesellschaft. ²1978 Wetzlar, Verlag Büchse der Pandora.

61vgl. Gustav Landauer: Von der Siedlung, 1913, In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.), a.a.O.

62vgl. Gustav Landauer: Der Anarchismus in Deutschland (1895), a.a.O., S. 51

63vgl. Landauer, Gustav: Beschreibung unserer Zeit (1909), In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.), a.a.O.

64vgl. Landauer, Gustav: Vom Wahn und vom Staat (1907), In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.), a.a.O.

65vgl. Landauer, Gustav: Schwache Staatsmänner, schwächeres Volk! (1910), In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist! , a.a.O.

66vgl. Herrmann, Jens: Gustav Landauers Gemeinschaftsutopie. In: Politische Gemeinschaften. 2005

67vgl. Landauer, Gustav: Kulis und Proletarier (1893), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.), a.a.O.

68vgl. Landauer, Gustav: Flugblatt 1: Was will der Sozialistische Bund? (1908), In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist! , a.a.O.

69vgl. Wolf, Siegbert, a.a.O., S. 51

70vgl. Landauer, Gustav: Vorwort zur 2. Auflage. In: Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus. 1967, Frankfurt am Main/Wien, Europa Verlag., S. 51

71vgl. Wolf, Siegbert, a.a.O., S. 57

72Landauer, Gustav: Anarchismus – Sozialismus (1895), a.a.O., S. 220

73vgl. Landauer, Gustav: Die preußischen Wahlen (1913), In: Wolf, Siegbert (Hrsg.), a.a.O., S. 193

74vgl. Landauer, Gustav: Leitsätze der Politik (1910), In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist!, a.a.O. & Die preußischen Wahlen (1913), In: Wolf, Siegbert (Hrsg.), a.a.O. S. 194

75vgl. Wolf, Siegbert, a.a.O., S. 15

76vgl. Landauer, Gustav: Die Fortführung von Ferrers Werk, In: Valeske, Heinz-Jürgen (Hrsg.), a.a.O., 1909

77vgl. Landauer, Gustav: Anarchismus – Sozialismus (1895), a.a.O., S. 222f.

78Landauer, Gustav: Kulis und Proletarier (1893), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.), a.a.O.

79vgl. Landauer, Gustav: Flugblatt 1: Was will der Sozialistische Bund? (1908), a.a.O.

80vgl. Landauer, Gustav: Arbeiter aller Länder, vereinigt euch! (1895), In: Link-Salinger, Ruth (Hrsg.), a.a.O., S. 229f.

81vgl. Landauer, Gustav: Flugblatt des Sozialistischen Bundes, 1910, a.a.O., & Von der Siedlung, 1913, a.a.O.

82vgl. Landauer, Gustav: Aufruf zum Sozialismus (1908), In: Landauer, Gustav: Stelle dich, Sozialist!, a.a.O.

3 thoughts on “Individuum und Gesellschaft. Gustav Landauers sozialistischer Anarchismus.

  1. Durch seine Art, den Menschen nur sozusagen “von aussen” beschreibend angehen zu können, mit der Schwierigkeit, die Eigengesetzlichkeit des individuellen Menschseins zu fassen – wo man nur zu sich selbst “Ich” sagen kann, nicht zu jemand anderem – und diese Ungeteiltheit in die Mitte zu rücken, ist Landauer methodologisch in derselben Lage wie die Positivisten und Materialisten, die jene Formen von Gemeinschaft und Gesellschaft befürworten, die Landauer aus guten Gründen ablehnen musste. Wer nur von aussen sehen kann, muss eine Herrschaft über die Stücke fordern, um Ordnung erreichen zu können. Wo Positivisten und Materialisten die Herrschaft über das Individuum fordern, um nicht im Chaos zu enden, fordert Landauer eine Herrschaft über die Seinsbedingungen. So haben denn beide Lager ihre ungelösten Probleme aufeinander projiziert – bis zum bitteren Ende. Dem bei Landauer ungelösten Problem der inneren Selbstentwicklung steht bei den Positivisten und Materialisten das ungelöste Problem der äusseren Selbstverwirklichung gegenüber. Letztlich ist’s g’hupft wie g’sprungen, beide Seiten sind nicht ganz wirklichkeitsgerecht.

  2. das hättest Du mal eine Stunde vorher schreiben sollen. 😉
    Um 9 saß ich schon in der Zwischenprüfung zu dem Thema.
    Den Punkt hatte ich auch nochmal kritisiert, aber mit einer anderen Grundlage…

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